Wirtschaftszeitung unterwegs
7. Januar 2022 5:55  Uhr

Einen Tag zu Gast im Büro der Zukunft

Wie werden wir in Zukunft zusammenarbeiten? Die Wirtschaftszeitung hat sich das Büro von morgen zeigen lassen – und traf auf Hightech, maximale Flexibilität und Arbeitsplätze zum Abstrampeln.

Kommunikation steht in allen Räumen des Business Campus HUB im Mittelpunkt. | Foto: Stefan Hanke

Von Jonas Raab

GARCHING. Naturbelassenes Holz an den Wänden, mehr als ein Dutzend kugelrunde Designerlampen an der Decke: Nobel sieht er aus, der Eingangsbereich im Büro der Zukunft. Weil Lars Dücker, Geschäftsführer des Business Campus München-Garching, gerade eine zimmerhohe TV-Wand über den Gang schiebt, verstärkt sich der Eindruck: Hier hat jemand richtig Aufwand betrieben.

Der Business Campus HUB, wie das Büro der Zukunft eigentlich heißt, soll aufzeigen, was ein Büro in der zunehmend hybriden Arbeitswelt leisten muss und wie wir künftig zusammenarbeiten werden. „Büroräume stehen auf einmal in Konkurrenz zum Homeoffice“, erklärt Dücker. „Deshalb müssen sie heute etwas Besonderes bieten. Die Menschen haben sich zu Hause gut eingerichtet und kommen mit neuen Anforderungen an ihr Arbeitsumfeld ins Büro zurück.“

Ideale Flächen für alle erdenklichen Aufgaben

Auch unabhängig von der Pandemie befindet sich die Arbeitswelt im Wandel: Automatisierbare Aufgaben werden immer weniger, Arbeitsabläufe immer agiler und kollaborativer. „Genau das soll der Business Campus HUB bedienen. Wir haben für alle erdenklichen Arbeitssituationen die idealen Flächen geschaffen – für Teamarbeit, Schulungen, Präsentationen, Besprechungen oder Stillarbeit“, sagt Dücker, während er die überdimensionale TV-Wand in der Ecke des Gangs parkt und uns in den Projektraum daneben führt.

Gleich hinter der großen Glastür steht der nächste riesige Monitor. Er gehört zu einer Videokonferenzstele, die sich beim Anschließen eines Laptops automatisch einschaltet und eine Videoverbindung herstellt. Die Stele ist wie die restliche Einrichtung des Raums komplett flexibel. Alle Tische sind höhenverstellbar, beweglich und können dank magnetischer Schallschutzelemente in Sekundenschnelle so umgebaut werden, wie es die jeweilige Teamaufgabe erfordert. Der Projektraum macht deutlich: Stationäre Rechner haben in der Arbeitswelt von morgen keine Zukunft. „Nur Kabellosigkeit ermöglicht agiles Arbeiten“, sagt Dücker. Deshalb ist im Business Campus HUB kein einziges LAN-Kabel verlegt. Wi-Fi 6 sorgt nicht nur für eine Internetverbindung, die schneller als der Standard ist, sondern macht den Serverraum quasi überflüssig. Ein kleiner Kasten genügt.

Uniflair und „Touchdown“

Der nächste Raum, in den uns Dücker bittet, ruft Hörsaalerinnerungen wach, wenngleich die zimmerlange orangefarbene Couch dagegenspricht. Von ihr aus hat man den zentralen See des Business Campus München-Garching im Blick. Für das Uniflair sorgen die mobilen Stühle mit ausklappbaren Tischchen. „Das ist in der Tat ein Schulungs- oder Präsentationsraum“, sagt Dücker, als er etwas auf das digitale Whiteboard kritzelt. Darauf lassen sich auch Dokumente wie etwa Grundrisse laden, bearbeiten, in verschiedenen Varianten abspeichern und den Kollegen bereitstellen.

Hinter einem klassischen Besprechungsraum – wieder inklusive riesiger Videowand – liegt das Herz des Business Campus HUB. Der offen gestaltete Raum, der in zwei Gängen mündet, beherbergt sechs „normale“ Arbeitsplätze, einige sogenannte „Touchdownarbeitsplätze“ für die schnelle Vorbereitung auf ein Meeting, eine Lounge und zwei Telefonzellen. „Das ist natürlich kein Arbeitsplatz für den ganzen Tag. Aber man kann darin in Ruhe arbeiten, wichtige Telefonate führen, oder über den Chef schimpfen“, sagt Dücker lachend. Betritt man die Zellen, gehen Lüftung und Licht automatisch an. Schließt man die Glastür, ist man komplett abgeschirmt. Was Dücker uns von draußen zuruft, verstehen wir nicht.

Cleveres Buchungssystem für die hybride Arbeitswelt

Der Business Campus HUB ist für etwa 30 Mitarbeiter ausgelegt. Alle Räume und Arbeitsplätze sind so angelegt, um in allen erdenklichen Arbeitssituationen Kommunikation und Kollaboration zu fördern. „Es geht darum, spontan reagieren zu können. Aber es ist natürlich nicht so, dass hier jeder machen kann, was er will“, erklärt Dücker. Hinter allen Arbeitsplätzen und Räumen steht ein Buchungssystem, auf das man auch von zu Hause aus zugreifen kann. „Solche Systeme spielen in einer hybriden Arbeitswelt eine ganz zentrale Rolle – gerade jetzt mit den vielen Coronaregeln“, sagt er.

Nach der „Homebase“, wie Dücker den Mittelteil des HUB nennt, kommt ein Raum, in dem nur eine Couch samt Tisch und Sessel steht – ein Wohnzimmer, wenn man raten müsste. „Die Atmosphäre hier drin ist doch eine ganz andere. Das färbt auf die Arbeit ab“, sagt Dücker und nimmt auf dem Sofa Platz. „Selbst ein Krisengespräch führt sich hier entspannter.“

Das Büro der Zukunft ist in Kooperation mit verschiedenen Mietern des Business Campus München-Garching entstanden. Die Einrichtung hat beispielsweise Office 4 You übernommen. Alle Campus-Mieter können den HUB kostenlos für Workshops oder ganz normale Arbeitstage buchen. Im kommenden Jahr, wenn die Fläche wieder dauerhaft vermietet wird, wird der HUB innerhalb des Campus umziehen. Er soll eine feste Institution des Büroparks nördlich von München bleiben, der wie der Gewerbepark Regensburg und das Donau-Einkaufszentrum zur Regensburger DV Immobilien Gruppe gehört.

Kräftig strampeln für den Erfolg

Weiter geht’s – vorbei an einem normalen Büro – zu einer weiteren flexibel gestaltbaren Workshopfläche. An einem der Tische stehen zwei sogenannte Desk-Bikes. Dücker nimmt auf einem der Stühle, die mit Fahrradpedalen ausgestattet sind, Platz und beginnt, langsam zu treten. Er zückt sein Smartphone und öffnet eine App. Sie zeigt an, ob er bei seiner aktuellen Trittfrequenz noch entspannt arbeiten kann. „Alles im grünen Bereich.“

Ganz hinten im HUB befindet sich das „Working Café“. Neben einem Rennrad, das vor einem weiteren riesigen Monitor auf einem Rollentrainer steht, laden eine Gondel und ein großes Podest zum Verweilen ein. Das Café ist Teeküche, Aufenthaltsraum und Meetingort in einem. Ein „Marktplatz“, sagt Dücker. An einem der Tische sitzt bei unserem Besuch gerade ein Kollege von Dücker mit Kaffee und Laptop. „Hat’s geklappt?“, fragt der Geschäftsführer des Business Campus München-Garching. „Nein, dazu brauchen wir die IT“, antwortet der Mitarbeiter. Die beiden liefern ungewollt das perfekte Beispiel für den „Mentalitätswechsel“, den Dücker wenige Minuten zuvor eingefordert hat. „Jemand, der hier mit Kaffee sitzt, schaut nicht auf Arbeitgeberkosten Löcher in die Luft. Die Begegnungen, die hier stattfinden, liefern produktive Lösungen.“ Meistens.

Im Schulungs- und Präsentationsraum ist viel Raum zum Denken. Neben einer Couch in Orange, etwas Uniflair und Seeblick bietet er auch ein digitales Whiteboard, auf dem man freihändig skizzieren, aber auch Dokumente laden, abspeichern und den Kollegen zur Verfügung stellen kann.
Zwischendrin eine kleine Runde mit dem Rad drehen, ohne das Haus zu verlassen: WZ-Reporter Jonas Raab hat’s ausprobiert. Hier legt er gerade virtuell die Strecke vom Business Campus zum Garchinger Marktplatz zurück – Lars Dücker zeigt ihm, wie weit er schon geradelt ist.
Ob Besprechungen oder konzentriertes Arbeiten: Im Projektraum ist beides möglich. Die Einrichtung ist komplett flexibel – alle Tische sind höhenverstellbar, beweglich und können dank magnetischer Schallschutzelemente in Sekundenschnelle so umgebaut werden, wie es die jeweilige Aufgabe erfordert.
Sich im Büro abstrampeln kann auch ziemlich viel Spaß machen und ist zusätzlich sogar noch gesund: Moderate Bewegung ist nicht nur gut für den Körper und die Haltung, sondern auch förderlich fürs Denken. Fotos: Martin Angerer