Handwerk
2. März 2022 6:02  Uhr

Einfach spielend Fachkräfte gewinnen

Die Deutsche Handwerkszeitung rät den Betrieben, sich als Sponsoren in der jungen E-Sport- und Gamerszene zu engagieren. In Bayern gibt es erste Erfolgsmeldungen dazu.

Neben der sehr guten Hand-Augen-Koordination von Gamern hat das Gaming-Portal www.only4gamers.de weitere Studienergebnisse zusammengestellt. Darunter auch dieses: Gamer fällen Entscheidungen um bis zu 25 Prozent schneller als Nichtgamer. | Foto: ryanking999 – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG/MÜNCHEN. Über zu wenig Aufmerksamkeit konnte sich der Infostand des Fleischerhandwerks Bayern auf der Ausbildungsmesse in Landsberg am Lech nicht beschweren. Erstmals zeigte sich im Herbst 2021 die Gaminglike-Kampagne „Butcher’s Tale – die Wächter des Handwerks“ live und in Farbe. Was machen Fantasyhelden auf einer Handwerksmesse? „Das dürften sich einige junge Leute gefragt haben, die neugierig an unseren Stand kamen“, räumt der Pressesprecher des Landesinnungsverbandes, Stefan Ulbricht, ein.

Zukunftsfähiges Digitaltalent meets analoge Fingerfertigkeit

„Butcher’s Tale“ ist ein aktuelles Beispiel für die Kombination von zwei auf den ersten Blick völlig verschiedenen Welten: Gaming und Handwerk. Die Deutsche Handwerkszeitung sprach sich in einem Artikel Ende Januar deutlich dafür aus, sich durch Sponsoring im E-Sport-Bereich Kontakte zu einem hochpotenten Fachkräftepool zu schaffen. Das Statistikportal Statista geht davon aus, dass sich bis 2024 die Zuschauerzahlen bei E-Sport-Events auf 557 Millionen Menschen weltweit steigern. Für das Handwerk geht es aber nicht nur um die jungen Zuschauer, sondern um die Gamer selbst. Denn einige gamingspezifische Eigenschaften kann man sehr gut auch im Handwerk brauchen. „Die Hand-Augen-Koordination sollte beim E-Sport genau wie im Handwerk geschärft sein“, sagt einer, der es wissen muss. Profifußballer Sven Kopp, der heute bei der SpVgg Weiden spielt, stieg 2017 zusammen mit dem Jahn in die 2. Bundesliga auf und gehört nun schon in der zweiten Saison zum Jahn-E-Sport-Kader. Er hat eine Handwerksausbildung absolviert, kennt also beide Welten. „Beim E-Sport liegt der Controller wie ein Werkzeug in der Hand und der Bildschirm ist das Werkstück“, sagt Kopp. Er ist sich sicher: „Gerade im Recruiting können beide Seiten von einer aktiven Präsenz im Rahmen von E-Sports profitieren.“ Die junge, gamingaffine Zielgruppe bringe immer auch einen gewissen technischen Verstand mit. „In der heutigen Zeit, in der auch das Handwerk vor der digitalen Transformation steht, kann das ein zusätzlicher Vorteil sein.“

Die Gamerplattform www.only4gamers.de hat eine Reihe von Studien zusammengestellt, die Gamern zahlreiche motorische und mentale Fähigkeiten attestieren, die Handwerksbetriebe bei ihrem Nachwuchs gut gebrauchen könnten. Die Gamergemeinde ist also hochattraktiv für die Handwerksbetriebe. Aber ist das Handwerk attraktiv für Freizeitgamer, die einen passenden Ausbildungsberuf suchen?

Der Köder muss dem Fisch schmecken

Für Stefan Ulbricht ist das eine Frage des Auftritts: „Der Köder muss dem Fisch schmecken.“ Deshalb wirbt das Metzgerhandwerk Bayern mit ihrer Gamerstory um den Beef-Beschwörer, die Filet-Fee und den Keulen-Krieger. Laut Landesinnungsmeister Konrad Ammon konnten mithilfe der Handwerkshelden bereits erste Auszubildende und Praktikanten auf Messen akquiriert werden.

Man muss übrigens nicht Engelbert Strauss heißen, um sich im E-Sport als Sponsor zu beweisen. Der handwerksnahe Berufsbekleider legte 2022 als Namensgeber für ein großes E-Sport-Turnier vor. Bezahlbaren Draht zu den Gamern können interessierte Handwerksbetriebe über die wachsende Zahl kleiner E-Sport-Vereine auch in Bayern finden. Die Handwerkskammer München würde das auf jeden Fall begrüßen, sagt Nicolas Milz aus deren Kommunikationsabteilung. Erste Engagements in der Richtung wurden zwar durch Corona ausgebremst. „Aber das Thema bleibt für uns wahnsinnig interessant“.