Logistik
14. April 2022 5:55  Uhr

Energie- und Verkehrswende gemeinsam lösen

Laut Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der Bayernhafen Gruppe, ist die Verlagerung auf Schiene und Binnenschiff von großer Bedeutung. Auch zum Gelingen der Energiewende leisteten Häfen einen wichtigen Beitrag.

Seit Januar 2022 kommen Kabeltrommeln für den Südostlink per Binnenschiff nach Regensburg. Foto: M-Ziegler

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Der Energieverbrauch wird gemeinhin sektoral betrachtet, also den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr zugeordnet. Während dieser Verbrauchswert als Ganzes nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen der Coronapandemie deutlich rückläufig war, ist der Anteil von Wärme und Kälte nach Auskunft des Umweltbundesamtes sogar noch gestiegen, und zwar auf mehr als 50 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland. Auf die dritte Säule, den Verkehr, entfiel zuletzt ein Anteil von rund 26,5 Prozent des Endenergiebedarfs. Dabei ist in dieser Quote der internationale Luftverkehr noch nicht enthalten, sodass der Anteil des Verkehrs am gesamten Energieverbrauch in Wahrheit höher sein dürfte. Außerdem wird hierbei der Stromverbrauch der Bahn noch nicht mitgezählt – ihn erfasst man in der Rubrik „Strom“.

Starke „Grenzkraftwerke“

Im Gegensatz zur Schiene oder auch zur Straße macht die Binnenschifffahrt mehr als nur einen Transportweg aus. Vielmehr erfüllen Flüsse und Kanäle wichtige Funktionen, etwa im Bereich der Wasserversorgung oder in Bezug auf eine preiswerte Energiegewinnung. Laufwasserkraftwerke werden in Deutschland im Zusammenhang mit staugeregelten Flüssen wie dem Main, der Mosel oder der Donau betrieben. Nach Auskunft der Bundeswasserstraßenverwaltung wird auf diese Weise etwa genau so viel Energie produziert, wie alle Transporte auf dem Wasser verbrauchten. Auf der bayerischen Donau, zwischen Passau und Regensburg, ragt das Kraftwerk Jochenstein, direkt zwischen Bayern und Österreich gelegen, als das leistungsstärkste Kraftwerk der Gruppe „Grenzkraftwerke“ heraus. Es kann rund 221.000 Haushalte mit Strom aus 100 Prozent Wasserkraft versorgen. Die Strommengen aus dem Wasserkraftwerk Pfaffenstein in Regensburg werden seit einigen Jahren von der Rewag vermarktet. Damit werden rund 11.500 Haushalte versorgt.

Wer die Verkehrswende und die Energiewende substanziell voranbringen will, darauf verweist Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der Bayernhafen Gruppe, müsse vor allem in Systemen denken, also mit Faktoren, die einander bedingen, parallele Entwicklungen verdeutlichen, mögliche Szenarien einbeziehen sowie Verknüpfungen und kluge Arbeitsteilungen beachten. Auf beiden Feldern, in der Verkehrs- wie auch in der Energiewende, verstehen sich die Bayernhafen-Standorte als leistungsstarke Knotenpunkte.

Ein Drehkreuz für Wasserstoff

Damit meint Zimmermann zum einen die Verlagerung auf die umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße, und andererseits garantieren die bayerischen Häfen „als Energiehubs unser aller Versorgungssicherheit.“ Konkret erinnert Zimmermann an die Tanklager sowie Umschlags- und Verteilzentren der Bayernhafen-Standorte und daran, „dass Energie gebündelt angeliefert, zwischengelagert und für die regionale Verteilung bereitgestellt wird.“ Binnenhäfen seien prädestiniert, Drehkreuze auch für die Energieträger der Zukunft zu sein, zum Beispiel für den grünen Wasserstoff. Als Güterdrehscheibe für Import und Export sowie als Motor der regionalen Wirtschaft, aber auch für die zuverlässige Versorgung der Region und einen umweltfreundlicheren Güterverkehr per Schiff und Schiene braucht es nach Auffassung von Joachim Zimmermann die Binnenhäfen mit ihrer Infrastruktur. Deshalb warnt der Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Binnenhäfen e. V. mit Nachdruck davor, funktionierende Hafenflächen durch Nutzungsänderungen der Nachbarschaft einzuschränken.

Immerhin haben die Bayernhäfen 2021 über ihre sechs Standorte Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth, Regensburg und Passau ihren Güterumschlag mit 9,15 Millionen Tonnen per Schiff und Bahn um 4,6 Prozent steigern können. Dies entspricht rund 535.000 eingesparten Lkw-Fahrten. Nicht einschätzbar sei dagegen derzeit das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und damit auf die Logistikbranche und die internationalen Lieferketten, ob bei Containerverkehren, im Agrarbereich oder bei der Versorgung mit industriellen Rohstoffen. Schließlich machten gerade Agrargüter mit über 50 Prozent den größten Anteil an der Schiffstonnage etwa des Bayernhafens Regensburg aus. Aber auch hochwertige Trafos werden hier immer häufiger aufs Binnenschiff verladen.

Kombinierter Verkehr ist gewachsen

Der Bahngüterumschlag an diesem Standort, so erläutert Stefan Ring als Leiter Technik und Betrieb die Lage, wuchs um 8,6 Prozent auf fast 1,5 Millionen Tonnen. Per Schiff wurden in dem bayernweit führenden Hafen über 1,3 Millionen Tonnen umgeschlagen, wobei das Minus von 16,1 Prozent erfreulicherweise nur in den guten Wasserständen des Jahres 2021 begründet war. So waren bei überregionalen Transporten kaum Leichterungen nötig, also ein Umschlag von Schiff zu Schiff. Ein Plus von über 20 Prozent verbuchte der kombinierte Verkehr, etwa zu den deutschen Seehäfen Bremerhaven und Hamburg sowie nach Niedersachsen und Verona.

Für das Projekt Südostlink, das Bayern mit Strom aus nord- und ostdeutscher Windenergie versorgen soll, werden seit Januar 2022 per Binnenschiff Kabeltrommeln nach Regensburg transportiert. Die nahe Paris produzierten Trommeln tragen jeweils zirka 1,75 km Erdkabel und haben ein Gewicht von bis zu 80 Tonnen. Über den Schwerlastkai erfolgt der Umschlag per Raupenkran durch die im Hafen ansässige Firma Schmidbauer.

Die Lagerung der Kabeltrommeln im Bayernhafen Regensburg wurde durch die Revitalisierung einer bestehenden Logistikfläche ermöglicht, was Andrea Betz, Leiterin Immobilienwirtschaft im Bayernhafen Regensburg, als ein aktuelles Beispiel dafür ansieht, wie sehr Bayernhafen als Standortarchitekt beim Flächenmanagement auf Flächenrecycling statt Flächenverbrauch setzt.

Roll-on-Roll-off

Vom Kai aus befahrbar und dann wieder von Bord

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