Alternativlosigkeit
1. April 2022 11:02  Uhr

Energiesparsamkeit wird intelligent

Digitalisierung, Mobilität, Wärme: Die moderne Gesellschaft verbraucht mehr Energie denn je. „Den Gürtel enger schnallen“ lautet die Antwort der Politik auf die Energiekrise. Eine „Notlösung“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Wärme und Mobilität müssen zukünftig effektiver gedacht werden. Foto: Africa Studio – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG. Können Serverfarmen lernen, nicht nur die Rechnerleistung verknüpfter Computer zu optimieren, sondern immer dann energieintensive Berechnungen durchzuführen, wenn es gerade viel regenerativen Strom im Netz gibt? Professor Dr. Raphael Lechner, Geschäftsführer des Instituts für Energietechnik IfE GmbH, findet „die Frage sehr spannend, ob man auch den Stromverbrauch in Rechenzentren intelligenter steuern könnte“. Und er spricht damit ein hochaktuelles Dilemma an: Die moderne Gesellschaft braucht mehr Energie denn je für Digitalisierung, Mobilität und Wärme beziehungsweise Kühlung. Gleichzeitig hat die aktuelle Energiekrise den Finger auf die Wunde der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gelegt. Die Frage lautet deshalb: Welche Wege könnten in eine energieintelligentere Zukunft führen?

Mobilität nicht nur innerhalb der Kommunengrenzen

Für die Stadt Regensburg führen auf jeden Fall alle Wege in eine vernetzte Mobilitätszukunft. „Grundsätzlich setzt die Stadt auf eine Stärkung des Umweltverbundes aus ÖPNV, Radverkehr und Fußgängern“, sagt dazu Verena Bengler von der Pressestelle und verweist auf das Ziel des städtischen Leitbildes für Energie und Klima, „ein höherwertiges ÖPNV-System als klimafreundliche Mobilitätsoption einzuführen“. Die geplante Stadtbahn wird dazu erst in mehr als einem Jahrzehnt einen reellen Beitrag leisten können. Aber schon jetzt befördert der ÖPNV in Regensburg jeden Tag über 100.000 Fahrgäste innerhalb der Stadtgrenzen. Der Anteil der Stadtbewohner an dieser Zahl dürfte relativ hoch sein. Womit man bei den mehr als 80.000 Einpendlern wäre, die Regensburg täglich zu verkraften hat. Klimafreundliche Mobilität lässt sich eben nicht nur innerhalb von Kommunengrenzen denken. Folgerichtig haben Stadt, Landkreis und die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Frühjahr 2021 ein Gutachten über den Schienenpersonennahverkehr in der Region in Auftrag gegeben, der auf ein eng getaktetes S-Bahn-Netz hinausläuft, das auch die neue Stadtbahn mit einbinden soll. Innerhalb der Stadtgrenzen sollen Bewohner und Besucher noch mehr auf multimodale ÖPNV- und Sharingangebote zugreifen können.

Nahwärmenetze, Blockheizkraftwerke

Wärme muss künftig, genauso wie Mobilität, effektiver gedacht werden. Die REWAG, so Pressesprecher Martin Gottschalk, setzt in dieser Hinsicht schon seit geraumer Zeit – und das künftig noch mehr – auf Nahwärmenetze und Blockheizkraftwerke. Betrieben mit Bioerdgas würden hier nicht nur eine hohe Energieeffizienz, sondern auch eine deutliche CO2-Reduktion erreicht, denn Blockheizkraftwerke erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme. Ein ganz wesentlicher psychologischer Faktor ist der Komfort. Gottschalk: „Unsere bis dato 52 dieser Anlagen ersparen dem einzelnen Verbraucher Anschaffungs- und Wartungskosten für Anlagen und Brennstoffe und lassen sich maßgeschneidert platzieren.“

Interview

Ganzheitliche Energiekonzepte steigen im Kurs

Professor Dr. Raphael Lechner, Geschäftsführer des Instituts für Energietechnik IfE GmbH an der OTH Amberg-Weiden, spricht im Interview über die Alternativlosigkeit von Mobilität, Strom und Wärme.

Hier geht’s zum Interview …