Interview
26. Februar 2021 6:00  Uhr

Entscheidend ist die innere Einstellung

„Gewonnen wird im Kopf“: Lifecoach und Bestsellerautor Dirk Schmidt spricht am 4. März im Businessclub über Strategien aus dem Leistungssport für mehr Erfolg im Alltag.

Lifecoach Dirk Schmidt | Foto: Alexander Vejnovic

Von Robert Torunsky

Herr Schmidt, die Coronakrise und ihre Auswirkungen hat viele Branchen und Unternehmen hart getroffen. Mit welchen Folgen und Anforderungen wurden und werden Sie selbst konfrontiert?

Dirk Schmidt: Im März 2020 ist ein Großteil meines Geschäfts – die Veranstaltungsbranche mit Coachings, Vorträgen und Seminaren – komplett weggebrochen. Von heute auf morgen, ohne Vorankündigung. Das war spannend, denn die Situation entsprach genau dem, was ich immer zu den Menschen gesagt habe: „Egal was außenrum passiert und wie die Rahmenbedingungen sind: Es kommt immer auf dein Mindset, deine Einstellung, an“. Nun war ich als Unternehmer selbst gefordert und musste mich der Herausforderung stellen. Ich bin tief gefallen, aber meine Autorentätigkeit und die Betreuung der Leistungssportler und Führungskräfte haben mich aufgefangen.

Sie sind in jungen Jahren nach dem missglückten Verkauf Ihres Autohauses vor dem Nichts gestanden – hilft Ihnen diese Erfahrung auch bei den Coachings weiter?

Ja, aber Erfahrung ist nur dann gut, wenn sie einen nicht lähmt. Für viele ist die Erfahrung die Rechtfertigung, warum etwas im Hier und Jetzt nicht funktioniert – obwohl die Situation völlig anders ist. Wenn Erfahrung Neugier weckt, die Komfortzone, das bisher Erlebte und das Gedachte zu verlassen, dann ist sie positiv.

Wie begegnen Sie der „Das haben wir schon immer so gemacht“-Mentalität?

Die halte ich für sehr gefährlich. Wir hatten ja schon 2008/09 eine Wirtschaftskrise. Aber die kam anders, sie wurde von ein paar Vorboten begleitet. Dadurch konnten sich einige darauf einstellen. Und es war dann auch absehbar, dass die Krise zu Ende ist. Die jetzige Situation ist neu: Keiner weiß, wie lange uns die Pandemie begleiten wird und was die Zukunft bringt. Das ist spannend und sehr fordernd. Aber wir sind Unternehmer und leben vom Handeln und Tun. Sonst wären wir ja Unterlasser. Die aktuelle Krise trifft jeden anders und viele Unternehmer leiden extrem. Trotzdem ist es wichtig, sich den Glauben, die Hoffnung und den Mut nicht nehmen zu lassen.

Was wäre dafür ein möglicher Ansatz?

Ein guter Ansatzpunkt ist, sich zu fragen: Warum bin ich damals angetreten und warum tue ich das, was ich tue? Auf diese Weise ist man bei sich und eben nicht bei der Krise. Viele fokussieren ihre Energie auf die äußeren Umstände, sagen „die Politik ist schuld“ oder „die Hilfen kommen nicht an“ – und geben dadurch die Verantwortung ab. Dadurch ist man reaktiv und nicht aktiv. An dem Satz „Der Unternehmer, der sich Sorgen macht, gibt den Sorgen Macht“ ist viel Wahres dran.

Die aktuelle Krise erfordert also besonders viel Aktivität?

Wenn es gut läuft, ist der Mensch ein Gewohnheitstier und verlässt selten seine Komfortzone. Schmerz ist ein viel größerer Antreiber. Und Corona sorgt für jede Menge Schmerzen und zwingt uns in vielen Situationen des unternehmerischen Alltags in ganz neue Denkmuster. Beispielsweise wird ja vielerorts die Digitalisierung mit Turbogeschwindigkeit vorangetrieben, da es dazu keine Alternative gibt. Wenn man die Betriebstemperatur bei den Menschen erhöht, kommen sie ins Handeln. Es gibt Untersuchungen aus der Hirnforschung, die besagen, dass der Mensch häufig nur 10 Prozent seines geistigen Potenzials abruft. Die aktuelle Situation, die uns in vielen Bereichen in die Knie zwingt, sorgt aber auch dafür, dass man Kapazitäten abrufen kann, über die man bis dahin gar nicht nachgedacht hat. Von den Eltern oder auch in der Ausbildung haben wir das nicht gelernt.

In Ihrem virtuellen Vortrag im Businessclub „Gewonnen wird im Kopf – Strategien aus dem Sport für mehr Erfolg im Alltag“ gibt es ebenfalls neuen Input. Worauf dürfen sich die Mitglieder freuen?

Ich glaube, dass wir Menschen eine Mischung aus unserer Begabung, Fleiß und unseren Entscheidungen sind. Talent ist angeboren und einzigartig. Fleiß bedeutet im Leistungssport nichts anderes als Übung, Übung und Übung, bei Unternehmern ist es das Handeln und Denken. Und dann ist da noch der Kopf, der entscheidet. Im Sport gibt es nicht von ungefähr viele Trainingsweltmeister, die im Wettkampf ihre Leistung nicht abrufen können, weil dort die Rahmenbedingungen wie Zuschauer vor Ort und im TV oder die Kontrahenten anders sind als beim Training. Man spricht ja auch häufig vom Angstgegner. Und das ist im beruflichen Alltag auch oft so: Wenn es darauf ankommt, versagen unsere Nerven.

Warum ist das so?

Das Unterbewusstsein ist entscheidend. Ich kann als Sportler und Unternehmer den unbedingten Willen haben, etwas zu schaffen, aber wenn ich unterbewusst Ängste und Zweifel hege, siegen diese in der Regel. Die meisten Forscher vertreten übrigens die Meinung, dass unser Verhalten unterbewusst entschieden wird und Vieles von konditionierten Gewohnheiten herrührt. Das Warum entscheidet der Kopf, aber das Wie ist ein Automatismus.

Wie schafft man es, dass das Unterbewusstsein weniger dominant ist?

Entscheidend ist, dass man den Glauben an sich nicht verliert, dass man bei sich bleibt und eine gewisse Gelassenheit an den Tag legt. Die Kraft ist in dir! Momentan richten zu viele Menschen ihren Fokus nur auf das Äußere, anstatt bei sich selbst anzufangen und auf die eigenen Stärken zu vertrauen. Wer helfende Hände sucht, sollte an seinen Armen suchen. Medizinische Studien haben nicht umsonst gezeigt, dass häufig die Erwartung eines Patienten an den Ausgang seiner Erkrankung den Heilungserfolg bestimmt. Im übertragenen Sinn helfe ich als Coach den Menschen dabei, eine höhere Erwartung an sich selbst zu stellen, die der Treiber für den Erfolg ist.

Dirk Schmidt

Der aus zahlreichen TV-Sendungen bekannte Lifecoach und Bestsellerautor Dirk Schmidt gehört zu den gefragtesten Coaches im deutschsprachigen Raum. Er arbeitet mit Prominenten, Weltmeistern, Fußballbundesligisten und Topmanagern. Angelehnt an seine Veröffentlichungen bietet er Coachings und digitale Vorträge zu den Themen Führung und Mindset an.
Dirk Schmidt gastiert am 4. März um 18.30 Uhr im Businessclub mit seinem Vortrag „Gewonnen wird im Kopf“. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich. Limitierte Zusatztickets für Nicht-Mitglieder sind erhältlich. Weitere Infos gibt es auf www.die-wirtschaftszeitung.de/events/ und www.dirkschmidt.com.