E-Commerce
24. November 2020 6:09  Uhr

Überaus erfolgreiche Transformation

Die Weidener Witt-Gruppe hat neben dem Kataloggeschäft auch den Onlinehandel etabliert. Die Bereichsleiterin E-Commerce Melanie Plank wurde als „E-Retailer des Jahres“ geehrt.

In der Coronakrise wurden viele Senioren zu Erstkäufern im Onlinehandel. | Foto: InsideCreativeHouse – stock.adobe

Von Robert Torunsky

WEIDEN. Umsatzzuwächse im Onlinehandel waren in der Coronapandemie vielerorts zu verzeichnen. Dass dies aber nicht zulasten des Kerngeschäfts erfolgte, ist eine Besonderheit. Die in Weiden beheimatete und für ihre Katalogvermarktung bekannte Witt-Gruppe verzeichnete im ersten Geschäftshalbjahr 2020 in ihren Onlineshops über alle Vertriebsgebiete und -marken hinweg ein überdurchschnittliches Umsatzplus in Höhe von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Das Schöne ist, dass wir es als Witt-Gruppe in den vergangenen Jahren geschafft haben, sowohl im Kataloggeschäft als auch im E-Commerce zu wachsen“, freut sich Melanie Plank. Die Bereichsleiterin E-Commerce wurde kürzlich als „E-Retailer des Jahres ausgezeichnet“ und setzte sich dabei gegen 41 weitere Onlineshop-Betreibende, Versandhandels-Fachleute und E-Retailer durch.

Dem Negativtrend in der Textilbranche getrotzt

„Ich habe mich sehr über den Award gefreut“, sagt Plank mit Blick auf die Konkurrenten von namhaften Unternehmen. „Die Auszeichnung ist ein Beleg dafür, dass die Witt-Gruppe kein Nobody im Bereich E-Commerce ist und dass unsere Leistungen gesehen und anerkannt werden.“ Für den Zeitraum von März bis einschließlich August 2020 verzeichnet die Witt-Gruppe – dem allgemeinen Negativtrend in der Textilbranche zum Trotz – ein hohes Wachstum in ihren Onlineshops. Mit insgesamt 2,2 Millionen Onlinebestellungen, einem Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr, kompensierte das Unternehmen in diesen sechs Monaten einen großen Teil seiner Rückgänge im stationären Handel. Wolfgang Jess, Vorsitzender der Geschäftsführung, geht davon aus, dass sich der aktuell positive Trend auf allen Vertriebskanälen bis zum Geschäftsjahresende weiter fortsetzen wird: „Wir sind zuversichtlich, ein Umsatzplus zum Vorjahr zu erzielen.“

Höchste Umsätze bei Mixkunden verzeichnet

Viele der Witt-Kunden sind durchschnittlich deutlich über 60 Jahre alt und zahlreiche von ihnen, die davor mitunter noch Sicherheitsbedenken beim virtuellen Einkauf hatten, wurden während der Pandemie zu Erstkunden. „Wir konnten auch etliche Neukunden gewinnen und durch die positiven Onlineerfahrungen sind auch die Wiederkaufraten sehr erfreulich“, berichtet Plank. Bei den Onlinekunden liege das Durchschnittsalter bei knapp 56 Jahren. Bei dieser Zielgruppe wurde die Frequenz der Katalogaussendungen reduziert. „Wir versuchen, die Kunden online anzusprechen, nutzen aber auch weiterhin den bekannten Katalog. Das Print- wird im Onlinegeschäft ein zentrales Element bleiben.“ Die Kunden reagierten auf Papier als Impulsgeber für Bestellungen. „Die Mixkunden, die mehrere Einkaufskanäle nutzen, verzeichnen die höchsten Umsätze.“

Know-how konsequent und frühzeitig aufgebaut

Mittlerweile betrage der Onlineanteil am Umsatz rund 30 Prozent. Die Weichenstellung dafür geschah laut Plank zu Zeiten, als der Onlineanteil noch sehr gering und man vom Offlinegeschäft abhängig war, im Jahr 2011. „Dadurch hatten wir genügend Zeit, die Mannschaft und auch das Know-how aufzubauen“, erläutert Plank, in deren Bereich mittlerweile rund 50 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Bei der Zusammenstellung der Schlüsselpositionen hatte ich offenbar ein glückliches Händchen“, sagt die 40-Jährige, die das Umsatzplus und den Award als Teamerfolg verstanden wissen will. „Ich sehe mich als eine Art Coach und Sparringspartner für die Mitarbeiter und versuche, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie ihre Expertise bestmöglich einbringen können.“ Neben diesen Faktoren sei es ein Vorteil gewesen, von der großen Onlineerfahrung der Konzernmutter Otto Group profitieren zu können.

Geschäftsprozesse wurden neu ausgerichtet

Die größte Herausforderung waren und sind laut Plank die Anpassung der unternehmensinternen Systeme und Prozesse. „Das Geschäftsmodell der Witt-Gruppe ist kataloggetrieben und damit sind wir auch immer noch sehr erfolgreich“, berichtet Plank. „Folglich waren alle Systeme und Prozesse darauf ausgerichtet.“ Diese für das digitale Geschäft nun fit zu machen, dauere Jahre und das Traditionsunternehmen mit seinen europaweit rund 15,3 Millionen Kunden sei noch mittendrin. Aufgrund der wirtschaftlich hervorragenden Lage geschehe diese aber ohne Druck. „Die Witt-Gruppe hat es geschafft, sich über den Mehrmarkenansatz und die Internationalisierung des Vertriebs breit und krisensicher aufzustellen“, sagt Plank.

Mitarbeiter sollen mitgenommen werden

Beim Thema Prozesse würden die Mitarbeiter eine große Rolle spielen. „Das nötige Know-how zu vermitteln, die Mitarbeiter mitzunehmen und das Mindset zu verändern, ist für uns Führungskräfte eine große Herausforderung.“ Die Auswirkungen des Lockdown auf die tägliche Arbeit hätten indes keinen größeren Stress verursacht. „Flexible Arbeitszeiten und die Homeofficemöglichkeit waren bei uns vorher schon gelebte Praxis“, berichtet die Bereichsleiterin. „Das Miteinander und die kreative Arbeit leiden durch die Coronakrise insgesamt schon. Es ist einfach schwieriger geworden, sehr nah an den Mitarbeitern zu bleiben und diese zu fördern“, findet Melanie Plank.

 

 

 

 

 

 

 

Melanie Plank, Bereichsleiterin E-Commerce bei der Witt-Gruppe, wurde der Award „E-Retailer des Jahres“ verliehen. Foto: Petra Grommas/Witt-Gruppe