Ökologie
14. Oktober 2020 10:36  Uhr

Es gibt keine einfache Lösung

Ökologie ist ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Thema der „neuen Zwanziger“: Es geht um nichts weniger als die Grundlagen menschlichen Lebens.

Der blaue Planet selbst ist nicht in Gefahr. Doch seine Ressourcen für das menschliche Leben sind begrenzt. | Foto: abrilla – stock.adobe.com

Von Mechtild Nitzsche

OSTBAYERN. In den 80er-Jahren kam „Ökolopoly“, ein Brettspiel des Kybernetikers und Umweltforschers Frederic Vester, auf den Markt. Ziel des unverhohlen pädagogischen Spiels war es, die komplexen Zusammenhänge zwischen dem menschlichen Handeln auf verschiedenen Ebenen und ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen an oft völlig unerwarteter Stelle sichtbar zu machen. Erreicht wurde dies durch miteinander im Spielbrett unsichtbar verzahnte Drehräder, deren Bewegung einer komplexen Logik folgte.

Handeln hat Konsequenzen

Ökolopoly, damals von Biologielehrern empfohlen, zeigte den jungen Spielern: Euer Handeln hat Konsequenzen. Es passte damit gut in die 80er-Jahre mit ihrem sensibilisierten Blick auf die Umwelt: Saurer Regen, Waldsterben, Tschernobyl, das Ozonloch und, speziell in der Oberpfalz, die Angst vor dem Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf verschafften Umweltthemen damals große Aufmerksamkeit. Und führten zu Aktion: Einige dieser Themen wurden tatsächlich angegangen und – zumindest vorübergehend – gelöst. Heute gibt es das Spiel immer noch, inzwischen als Computerspiel, doch sehr präsent ist es im allgemeinen Bewusstsein nicht mehr. Und während die Komplexität der Umweltproblematik noch immer dieselbe ist, und der Handlungsdruck auf vielen Gebieten sogar noch gestiegen, sinken Bereitschaft und Fähigkeit, sich darauf einzulassen.

Das Konzept der planetaren Grenzen

Die neuen Zwanziger starten ganz in dem Bewusstsein, die Klimakatastrophe verhindern zu müssen. Ein wichtiger Ansatz, aber möglicherweise nicht ausreichend, wie Johan Rockström vom Resilience Centre an der Universität Stockholm aufzeigt: Mit seinem Konzept der Planetary Bounderies, also der planetaren Grenzen, identifiziert er neun ökologische Prozesse, von denen das Überleben des Menschen auf der Erde abhängt. CO2-Eintrag und Klimawandel zählen dazu, doch auch der Stickstoff- und Phosphoreintrag in die Umwelt, die Übersäuerung der Ozeane oder die Biodiversität. Laut Rockström sind manche dieser Prozesse ihrem Kipppunkt bereits bedrohlich nahe. Auf ihn bezieht sich auch Dr. Andreas Segerer, stellvertretender Leiter der Zoologischen Staatssammlung München, im Interview. Der gebürtige Regensburger hat sich für das Volksbegehren „Artenvielfalt“ engagiert, dessen Erfolg ihn vor allem wegen seines Wachrüttel-Effekts hoffen lässt. Er ist sich sicher: Die Zeit der „Natur zum Nulltarif“ ist vorbei.

Interview

Artensterben ist der große blinde Fleck unserer Zeit

Der Klimawandel ist derzeit das prominenteste ökologische Problemfeld – doch er ist nicht das einzige. Dr. Andreas Segerer, stellvertretender Leiter der Zoologischen Staatssammlung München, wirbt im Interview für einen generelleren Blick auf die Umwelt.

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