Interview
1. August 2021 16:33  Uhr

Es werden noch genügend Autos verkauft

Dr. Alexander Dünnes, Geschäftsführer von Autohaus Dünnes in Regensburg, spricht im Interview über die neuen Bedingungen für den Autohandel in Zeiten zunehmender Elektrifizierung und Digitalisierung.

Anfang August übergab Arno Dressler (2. v. li.) symbolisch seinen Ford-Kundenstamm an Dr. Alexander Dünnes, Heinz Dünnes und Christian Dünnes (v. li.). | Foto: Robert Torunsky

Von Robert Torunsky


Herr Doktor Dünnes, Ihr Familienunternehmen besteht seit 66 Jahren. Haben gerade die vergangenen Jahre neben Corona besonders viele Herausforderungen bereitgehalten?

Dr. Alexander Dünnes: Ja, das ist so. Die Digitalisierung hat richtig Fahrt aufgenommen. Der Autokauf im Internet findet deutlich häufiger statt als in den vergangenen fünf Jahren. Diese Entwicklung führt auch dazu, dass die Hersteller darüber immer stärker die Kontrolle gewinnen wollen und werden.

Sie begegnen dieser Entwicklung mit Expansionsplänen und haben im ersten Coronajahr sogar etliche neue Marken ins Portfolio aufgenommen.

Wir waren bezüglich der Markenerweiterung schon länger in Gesprächen und haben mit Alfa Romeo, Jeep, Fiat, Abarth und Fiat Nutzfahrzeuge fünf Marken ins Programm genommen. Wir haben Marktchancen gesucht, gleichzeitig möchten wir aber auch den Bestand absichern. Die Erweiterung war gezielt, denn gerade im Kleinwagensegment war unsere Produktpalette nicht mehr so groß. Nun können wir in diesem Segment auch Elektrifizierung anbieten. Dazu kamen mit Alfa Romeo und Jeep zwei Traditionsmarken, das Einzugsgebiet ist auch entsprechend groß, da es oftmals rund 100 Kilometer bis zum nächsten Händler sind.

Apropos Elektrifizierung: In den vergangenen zwölf Monaten gab es deutlich über eine halbe Million neue E-Autos auf Deutschlands Straßen.

Durch die staatliche Förderung hat es bei der Elektrifizierung eine extreme Beschleunigung gegeben. Ich glaube zwar, dass die Elektrifizierung aufgrund der Stromversorgung und der Ladeinfrastruktur ein bestimmtes Limit erfahren wird. Es wird zukünftig nicht nur E-Autos geben, aber gerade im Kleinwagensegment gibt es derzeit große Zuwächse. Ein weiteres wichtiges Argument für unsere Mehr-Marken-Strategie war auch, dass man nicht weiß, welcher Hersteller das richtige Gefühl hat und die richtigen Entscheidungen trifft. Wir wollten nicht hintanstehen und sind jetzt sehr breit aufgestellt.

Welche Auswirkungen hat der Elektrifizierungstrend für das Werkstattgeschäft?

Die Autos werden immer wartungsfreier werden. E-Autos haben weniger Bau- und somit weniger Verschleißteile. Auf der anderen Seite sorgt die Entwicklung für eine Zuspitzung in Richtung Markenhandel. Viele der Autos, die wir verkaufen, werden freie Werkstätten nicht reparieren können. Meine Markteinschätzung ist, dass in den kommenden fünf bis zehn Jahren die freien Servicewerkstätten mehr Schwierigkeiten haben werden als der Markenhändler.

Zu den Expansionsplänen gehört nach der Errichtung des Ford-Stores 2015 auch die Erweiterung des Standorts an der Walhalla-Allee. Wie wichtig ist es dieser Tage, zu investieren, um die Zukunftsfähigkeit abzusichern?

Es ist seit einigen Jahren schon zu spüren, dass die Hersteller immer mehr Wert darauf legen, auf Händlerseite weniger Ansprechpartner zu haben, die dafür eine größere Struktur aufweisen. Dementsprechend haben wir schon frühzeitig zusammen mit der Stadt Regensburg versucht, uns zu erweitern. Gleichzeitig ist für uns immer der Standort entscheidend. Wir wollten ihn nie verlassen und dementsprechend hat es einfach länger gedauert, die entsprechenden Grundstücke für die Bauvorhaben zu erwerben. Beim ehemaligen Fröschl-Gebäude in der Innstraße, wo Fiat, Jeep und Alfa Romeo ihre Heimat finden werden, sogar 15 Jahre. Unsere Autohäuser liegen nur einen Kilometer voneinander entfernt. Wir haben trotz unserer vieler Marken nur drei Ansprechpartner beziehungsweise Systeme: Ford, Stellantis und Jaguar Land Rover. Für uns bedeutet das jeweils ein Bestell- und Margensystem und eine Vorgehensweise.

Wie verändert sich der Autohandel?

Der Hersteller möchte sich immer stärker in den Verkaufsprozess einschalten, vor allem über den digitalen Vertriebsweg. Trotzdem werden Ansprechpartner vor Ort benötigt – und das werden ausgewählte Händler mit größeren Einzugsgebieten sein. Darauf stellen wir uns ein. Aber eines ist auch klar: Es werden immer noch genügend Autos verkauft. Eine Marktschwäche kann ich nicht bestätigen. Es findet eben ein Wandel statt, aber die Anzahl der verkauften Autos ist immer – Corona bildete eine Ausnahme – konstant und der Markt ist stabil. Die Anforderungen von Herstellerseite werden immer höher: Wenn man sich dafür entscheidet, wird es auskömmlich sein, aber für die Händler, die sich den Entwicklungen verschließen, wird es definitiv schwierig.