Gesundheitswesen
1. September 2021 10:20  Uhr

Facebook für Ärzte, Roboter für Schlaganfallpatienten

Mit digitalen Werkzeugen eröffnen sich neue Chancen für Medizin und Krankenpflege. Ein Beispiel ist die personalisierte Medizin, die eine zielgerichtete, individuelle Behandlung von Patienten ermöglicht.

Moderne Medizin ist vor allem datenbasiert. Foto: stock.adobe.com – ra2studio

Von Jonathan Ederer

WEIDEN. Facebook für Ärzte, Roboter für Schlaganfallpatienten und elektronische Patientenakten – im Bereich der digitalen Medizin hat man innovative Ideen. Manche sind sogar bereits umgesetzt: Dank personalisierter Medizin zum Beispiel können Leukämiepatienten individuell behandelt werden. Derzeit gibt es nicht nur eine Form der Leukämieerkrankung, sondern weit über 100.

Doch es ist noch Luft nach oben: „Zu viele Menschen sterben jährlich an den Nebenwirkungen im Zuge von 08/15-Verabreichungen“, erklärte Dr. Josef Scheiber im Rahmen der „Triokon 2021“, der Netzwerkveranstaltung des Hochschulverbands Transfer und Innovation Ostbayern (TRIO) an der OTH Amberg-Weiden. Scheiber ist Gründer und Geschäftsführer von Biovariance, einem Softwarehersteller, der sich auf die medizintechnische Unterstützung der Onkologie spezialisiert hat. Er ist sich sicher, dass von einem personalisierten Konzept nicht nur der Patient profitiert: Die Ärzte sparten Zeit, die Versicherung spare Geld und die Pharmaindustrie stehe gut da, weil es weniger Nebenwirkungen gebe. Mittlerweile könne man diese Medikamente sogar schon drucken, so Scheiber, eine „individualisierte Pille aus Pulver nach Daumenabdruck“ sozusagen. Anna Schmaus-Klughammer von der Technischen Hochschule Deggendorf setzt derweil auf die Vorteile sozialer Medien. Ihre Idee ist ein Facebook für Ärzte namens „Case.io“. Auf dieser webbasierten Plattform kann jeder registrierte Arzt ein Profil erstellen, Videos oder Fotos hochladen und Nachrichten versenden; somit ist es möglich, Patientenfälle zu vergleichen und sich darüber auszutauschen. „Die Plattform wird eingesetzt, wenn Allgemeinärzte Spezialisten brauchen“, sagt Schmaus-Klughammer. Auch die Spezialisten können sich so eine zweite Meinung einholen. Dabei sei keine spezielle Software notwendig. Selbstverständlich ist hier auch an den Datenschutz gedacht: Die Akten sind pseudonymisiert, SSL-verschlüsselt und nur über einen Link zugänglich.

In die Zukunft blickte Ergotherapeut Norbert Lichtenauer in seinem Vortrag. Er stellte ein Projekt der OTH Regensburg vor. Das Ziel ist es, mit Telepräsenzrobotern die Pflege von Schlaganfallpatienten zu verbessern. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert, sieben Professoren sind involviert. Die Feldphase mit echten Robotern läuft seit Juli und geht bis Mitte 2023.