Freizeitverhalten
13. November 2020 17:31  Uhr

Grenzenloser Freizeitspaß wie noch nie

In den „neuen Zwanzigern“ könnten sich die Freizeitmöglichkeiten ins Unermessliche steigern – eigentlich. Doch Corona bremst vieles aus, auch und gerade im Bereich der Freizeitgestaltung.

VR-Brillen erobern die Freizeitgestaltung: Virtuelle Realitäten erlauben den Ausbruch aus der Realität, die derzeit sehr eingeengt erscheinen kann. | Foto: DisobeyArt – stock.adobe.com

Von Stefan Ahrens

REGENSBURG. Der Duden definiert Freizeit als „Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht, keine besonderen Verpflichtungen hat; für Hobbys oder Erholung frei verfügbare Zeit“. Das klingt zunächst einmal ziemlich gut. Und der Wunsch, über möglichst viel Zeit selbstbestimmt verfügen zu können, ist in den „neuen Zwanzigern“ greifbarer denn je.
Doch nicht nur der Umfang, sondern auch die Gestaltungsmöglichkeiten der zur freien Verfügung stehenden Zeit steigert sich unaufhörlich. Die „neuen Zwanziger“ haben das Potenzial, sich zum Jahrzehnt der radikalindividualisierten Freizeitgestaltung zu entwickeln. Egal ob eingeigelt in den eigenen vier Wänden dank Streamingdiensten wie Netflix, der neuesten Playstation und Paket- und Lieferdiensten wie Amazon und Delivery Hero oder umgekehrt auf der Suche nach spektakulären Erlebnis- und Shopping-Events sowie Outdooraktivitäten und Fernreisezielen – die neue Freizeitvielfalt bietet so gut wie jedem das, was er benötigt, um aus dem ganz normalen Alltag auszubrechen.

Erzwungenes Cocooning

Wenn da nicht Corona wäre. Die Pandemie befördert gegenwärtig vor allem das „Cocooning“, also den Hang, zu Hause zu bleiben und dort zu konsumieren, als dies in der Öffentlichkeit, beispielsweise im Restaurant oder im Kino, zu tun. In Coronazeiten ändert sich das landläufige Freizeitverhalten: Derzeit vorherrschend ist ein Leben mit nur wenigen Besuchen bei Freunden, weniger Fußball, ohne Konzerte, Theater, Clubbesuche, Stammtischtreffen, Yoga-Gruppen, Schwimmbadbesuche, Karneval, Volksfeste und Weihnachtsmärkte. Auf das zu verzichten, was vielen Menschen als das Natürlichste der Welt erscheint – wie beispielsweise den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen oder der eigenen Lebensfreude freien Lauf lassen zu dürfen – mag auf Dauer nur Einsiedlern und angehenden Heiligen als verlockender Lebensstil erscheinen.

Gefühl der Leere kann heilsam sein

Mit der Steigerung der arbeits- und verpflichtungsfreien Zeit steigt unter den Vorzeichen der Pandemiebekämpfung derzeit auch die Gefahr von Langeweile. Gewiss: Zu allen Zeiten kannten viele Menschen Gefühle der Leere und versuchten, diesen durch gesteigerten Aktivismus oder die Inanspruchnahme einer „Kulturindustrie“, von der bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno die Rede ist, zu entgehen. Doch für Prof. Dr. Renate Freericks, Leiterin des Internationalen Studiengangs angewandte Freizeitwissenschaft an der Hochschule Bremen und erste Vorsitzende des Instituts für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit e. V. in Bremen, können im Zuge der Digitalisierung des Freizeitverhaltens Gefühle der Leere durchaus heilsam sein.

Interview

Unsere Freizeiterlebnisse werden immer digitaler

Prof. Dr. Renate Freericks, Leiterin des internationalen Studiengangs angewandte Freizeitwissenschaft an der Hochschule Bremen, spricht im Interview über Fluch und Segen der neuen digitalen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Und bricht eine Lanze für die Langeweile.

Hier geht’s zum Interview …