Umwelt
13. November 2020 6:00  Uhr

Für Bodengesundheit sind alle verantwortlich

Vor vier Jahren wurde die IG gesunder Boden gegründet, heute zählt sie 400 Mitglieder. Auch das Angebot an Veranstaltungen, Beratungen und Aktionen wächst stetig – zuletzt um einen Bodenentdeckungspfad.

Bei der Einweihung des Bodenentdeckungspfads war der Andrang groß. Foto: Melanie Flemme/IG gesunder Boden

Von Mechtild Nitzsche

REGENSBURG. Von einem auf 400 Mitarbeiter in vier Jahren – mit dieser Wachstumsrate wäre so manches Wirtschaftsunternehmen mehr als zufrieden. Auch für eine Interessensorganisation liest sich die Entwicklung nicht schlecht, die die Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V. seit ihrer Gründung genommen hat: Sie konnte Mitte Oktober ihren vierten Geburtstag feiern, und die Zahl der Mitarbeiter – beziehungsweise Mitglieder – steigt weiter.

Der Vereinszweck der IG gesunder Boden liegt in der Förderung der Bodengesundheit. Denn der Boden hat viele Funktionen: Er ist Basis der Lebensmittelerzeugung, Nährstoff-, CO2- und Wasserspeicher, Lebensraum für eine Unzahl von Lebewesen, Grundwasserfilter und vieles mehr. Deshalb ist es eigentlich eine gute Nachricht, dass sich vom Landwirt bis zum Forscher, vom Tier- und Humanmediziner bis zum Biovermarkter, von der Biobrauerei bis zu Slow Food Deutschland so viele der IG angeschlossen haben, um den Boden zu schützen.

Den Boden als lebendigen Organismus begreifen

Für Franz Rösl, Gründer und Vorstand der IG, ist dies aber nur das zweitbeste Szenario: „Unser Ziel ist es, dass es uns irgendwann nicht mehr braucht“, erklärt er im Gespräch mit der Wirtschaftszeitung, die die IG seit ihrer Gründung in ihrer Berichterstattung begleitet. Doch so bald werde diese Situation nicht eintreten: „Jedenfalls nicht, solange wir den Boden als Gefäß begreifen, in das man etwas hineingibt und etwas anderes wieder herausholt – und nicht als das, was er ist: ein lebender Organismus, in dem alles von allem abhängt.“

Um dieses Wissen zu vermitteln, ist die IG auf dem Gebiet der Beratung rege tätig, und das deutschlandweit: „Wir beraten nicht nur die landwirtschaftlichen Berater im Trinkwasserkontext, unsere Expertise wird auch von der Offizialberatung angefordert, deren Veranstaltungen wir unterstützen und auch durchführen, und wir erstellen Schulungskonzepte.“ Ein aktuelles Projekt ist die Erarbeitung eines Trinkwasserschutzkonzepts mit den Wasserversorgern; angesichts steigender Nitratwerte im Grundwasser haben auch sie ein immer vitaleres Interesse daran, was auf den Böden geschieht, unter denen sie das Trinkwasser für die Bevölkerung gewinnen. Zudem veranstaltet die IG Fachvorträge, Feld- und Komposttage sowie jährliche Bodentage wie demnächst am 26. November (siehe Infokasten) und beteiligt sich an Forschungsvorhaben.

Zustand des Bodens spiegelt sich in der Gesundheit des Menschen

Neben der landwirtschaftlichen Beratung setzt man aber auch auf die Information der breiten Gesellschaft. „Wir haben die Aufgabe, Sachwalter für unsere Böden zu sein, also unsere Erde zu hüten, an die Landwirtschaft deligiert“, sagt Rösl. Gerade mal 2 Prozent der Bürger seien mit der Ernährung aller beauftragt. Doch so einfach könne der Konsument sich nicht aus der Verantwortung für den Zustand der Böden stehlen. „Wir dürfen die Zuwendung zum Tier, zur Pflanze, zum Boden nicht verlieren“, ist er überzeugt. „Denn der Gesundheitszustand des Bodens spiegelt sich in der Gesundheit der Menschen wider.“

Wie einst Winnetou in den Boden hineinhorchen

Zum Erreichen dieses Ziels soll auch der im September eröffnete Bodenentdeckungspfad „Mensch trifft Boden“ in der Schwalbenneststraße beitragen. Er ergänzt den bisherigen erdgeschichtlichen Lehrpfad um den Aspekt des Bodenlebens. Das Spektrum, das hier zur Wissensvermittlung genutzt wird, ist breit und spricht (beinahe) alle Sinne an. So gibt es Informationstafeln, Objekte aus und in der Natur wie etwa ein Bodenprofil, ein Wurzelfenster oder verschiedene Stadien des Komposts. Zu Versuchen und Erfahrungen im Gelände lädt ein Erosionshügel ein, bei Audiostationen gibt es Hintergrundinformationen, aber auch die Möglichkeit, in den Boden hineinzuhorchen, um den vielfältigen Geräuschen zu lauschen, die die Tiere in einem gesunden Boden machen. Auch Aktivstationen, an denen man selbst etwas entdecken kann, oder Rätselstationen sind Teil des Pfads.

Die Angebote des Entdeckungspfads stehen allen offen. Wer möchte, kann eine Führung buchen und auch Schulklassen sind willkommen.

Bodentag 2020

Am 26. November lädt die Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V. zu ihrem jährlichen Bodentag ein. Auch in diesem Jahr sind wieder hochkarätige Referenten beteiligt, darunter Dr. Michael Schloter, Professor für Mikrobiologie an der TU München, die Expertin für Bodenschutz und ökologische Agrarkultur Dr. Andrea Beste, der Landwirt und Agrarbetriebswirt Franz Kriechenbauer, Ökolandwirt Simon Zeitler, der Experte für pflanzliche Produktionsökologie Dr. Gernot Bodner sowie die Veterinärmedizinerin Prof. Dr. Monika Krüger.
Die Veranstaltung findet diesmal coronabedingt als Webinar statt: Tickets sind erhältlich auf www.ig-gesunder-boden.de/buchen2020.