Interview
1. März 2021 18:52  Uhr

Geldanlage ist ein sehr sensibles Thema

Gespräch mit Dominik Schoppe, Investment-Experte bei der Telis Finanz AG

Dominik Schoppe | Foto: Telis Finanz AG

Von Robert Torunsky

Herr Schoppe, die Generation der unter 40-Jährigen hat die Börse neu entdeckt. Aus dieser Altersklasse kamen 2020 rund eine Million neue Aktiensparer dazu, das ist ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Worin sehen Sie die Gründe für diesen Boom?

Dominik Schoppe: Mit Sicherheit spielen die technischen Möglichkeiten hier eine wesentliche Rolle. Trader-Apps haben in den vergangenen beiden Jahren durch einen enormen Werbeaufwand ihren Platz auf den Smartphones erobert. Sie bieten einen komfortablen und kostengünstigen Weg an die Börse. Dies ist die Art, wie die U40-Generation handeln möchte. Als zweiten wichtigen Punkt sehen wir die weitere Stagnation der Sparzinsen auf äußerst niedrigem Niveau. Es wird inzwischen immer klarer, dass sich dies auch nicht mehr so schnell ändern wird. Viele Banken sind dazu übergegangen, auch für Privatkunden Strafzinsen einzuführen. Daher ist eine Alternative gefragt – und diese findet sich auf dem Smartphone.

Sehen Sie aufgrund der Niedrigzinsphase weiteres Wachstumspotenzial?

Auf jeden Fall. Viele wollen der schleichenden Entwertung ihres Geldes durch fehlende oder sogar negative Verzinsung nicht mehr länger zusehen und suchen nach Alternativen.

Sind Aktien beziehungsweise Aktienfonds aktuell die empfehlenswerteste Anlageform?

Es gibt nicht per se die richtige oder beste Anlageform. Weiterhin gilt der alte Spruch, dass man nicht alle Eier in einen Korb legen sollte. Der richtige Mix ist gefragt – und der kann für jeden anders aussehen, je nach Lebenssituation und Erwartungen. Bisher wurde jedoch auf die Anlageklasse Aktie oftmals verzichtet – und das, obwohl in den vergangenen Jahrzehnten, gerade auf lange Sicht, keine andere Anlageform höhere Rendite abwarf.

In Schweden werden jeden Monat 2,5 Prozent für die Altersvorsorge vom Lohn abgezogen und gehen automatisch in Aktienfonds – dabei hat das Land ohnehin eine größere Aktionärsbasis und eine bessere Rente. Müsste Ihrer Einschätzung nach der Gesetzgeber in Deutschland ähnlich eingreifen oder sind vielmehr die Arbeitgeber gefragt?

Geldanlage ist ein sehr sensibles Thema. Die Entscheidung darüber, was mit dem Geld geschieht, sollte demjenigen überlassen werden, der täglich dafür arbeiten geht. Daher sind eine breite Aufklärung und gute Angebote wichtig und richtig. Von einem gesetzlich verordneten Aktiensparplan halte ich jedoch nichts. Im Übrigen gibt es in Deutschland mit der sogenannten betrieblichen Altersvorsorge ein hervorragendes Instrument, um staatlich gefördert Altersvorsorge zu betreiben.