Logistik
16. September 2020 6:00  Uhr

Gelingt eine erfolgreiche Verkehrswende?

Ostbayern lebt insbesondere von seiner großen Exportstärke. Um diesen Erfolg weiter ausbauen zu können, ist für diesen Standort der weitere Ausbau des kombinierten Verkehrs deshalb unerlässlich.

Bayerns Binnenhäfen – wie Regensburg – eignen sich als Knotenpunkte für Schiff, Bahn und Lkw. Foto: Ingo Maschauer

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Der Kombinierte Verkehr – die Verknüpfung von Straße, Schiene und Wasser – ist einer der stärksten Wachstumsmärkte im gesamten Güterverkehr. Kein Wunder, dass Dr. Sigrid Nikutta, DB-Vorstand Güterverkehr, anlässlich der Präsentation des Projekts „Autonome Innovation im Terminalablauf“ (ANITA) in Ulm diese Form der Kooperation von Verkehrsträgern kürzlich als „Schlüssel für eine erfolgreiche Verkehrswende“ bezeichnete. Insbesondere müssen Container schneller und flexibler umgeschlagen werden. Um dies zu erreichen, soll die Digitalisierung genutzt werden. Letztlich geht es darum, Fahrzeuge und Fahrer flexibler einzusetzen. Dr. Sigrid Nikutta: „Autonom fahrende Lkw im Terminal sind erste, aber wichtige Schritte in Richtung Terminal 4.0.“

Nicht alles geht im Homeoffice

Dass neben der Logistik, die schon vor Coronazeiten als systemrelevant galt, speziell die Binnenhäfen mit ihrer Infrastruktur „versorgungsrelevant“ sind, darauf macht Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der Bayernhafen GmbH & Co. KG, aufmerksam. Als Knotenpunkte der drei Verkehrsträger Schiff, Bahn und Lkw seien gerade Binnenhäfen notwendig.

Und um hier den Laden am Laufen zu halten, brauche man insbesondere auch Menschen, deren Tätigkeit nicht ins Homeoffice verlagert werden könne. Zimmermann verweist auf einige Bereiche, die vor Ort dazu beitragen, dass die viel beschworenen Lieferketten auch tatsächlich funktionieren. Als Beispiele nennt er die Mitarbeiter im Logistikzentrum für den Lebensmitteleinzelhandel oder am Lenkrad im Lkw, im Führerstand von Lok oder Binnenschiff, im Tanklager für Heizöl und Dieselkraftstoff, oben in der Krankabine oder unten im Stellwerk der Bahn.

Die Bayernhafen-Standorte Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth, Regensburg und Passau, an denen über 400 Unternehmen mit mehr als 13.000 Mitarbeitern tätig sind, verbinden als Güterdrehscheiben die regionale Wirtschaft mit der Welt. Sie sorgen zudem dafür, dass Langstreckenverkehre weg von der Straße auf die umweltfreundlicheren Verkehrsträger Schiff und Bahn verlagert werden. Im vergangenen Jahr 2019 wurden hier rund 9,3 Millionen Tonnen Güter per Schiff und Bahn umgeschlagen. „Funktionierende Lieferketten und eine robuste Infrastruktur sind das A und O unserer Gesellschaft“, ist Bayernhafen-Geschäftsführer Joachim Zimmermann denn auch fest überzeugt.

Der Flaschenhals Regensburg

Darin pflichtet die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim bei. Der verkehrspolitische Sprecher der Industrie- und Handelskammer, Manuel Lorenz, fügt an, dass die Entwicklung der Logistik in der Region maßgeblich davon abhängig sei, ob es gelinge, die Verkehrsinfrastruktur zukunftsgerecht auszubauen. Aktuell gehört aus Sicht der IHK der Autobahnausbau A3 zu den zentralen Projekten. Zusammen mit der A93 sei die A3 beim Pfaffensteiner Tunnel der Grund, warum Regensburg derzeit überregional als Flaschenhals wahrgenommen werde. Deshalb nennt Lorenz den sechspurigen Ausbau zwischen Kreuz Regensburg und Rosenhof eines der dringlichsten Projekte für die gesamte Logistikregion.

Entscheidend sei auch, den Ausbau zwischen Kreuz Regensburg und Nittendorf zügig in Angriff zu nehmen: „Ansonsten verschiebt sich die bisherige Engstelle nur nach Westen.“ Als größte Herausforderung bezeichnet Lorenz in diesem Zusammenhang den Neubau der Sinzinger Autobahnbrücke. In der 2019 durchgeführten Unternehmensbefragung von IHK und Handwerkskammer hatte sich der Pfaffensteiner Tunnel ziemlich eindeutig als das größte Sorgenkind der Betriebe herausgestellt. Als problematisch wurde von den Unternehmen dabei hervorgehoben, dass es derzeit keine sinnvolle Alternativroute für den Tunnel gebe, die Röhren aber in absehbarer Zeit erneuert werden müssen. Wenn technisch machbar, sollte eine dritte Röhre gebaut werden. „Wenn nicht, müssen die bisherigen Röhren ausgeweitet werden, um bei Unfällen oder Bauarbeiten leistungsfähiger zu sein.“

Schiene ist zu teuer

In jedem Fall bräuchten Ostbayerns Unternehmen eine leistungsfähige Schienenverbindung von und zu den Nordseehäfen. Da die Schienenstrecke von Regensburg nach Hof zwar durchweg zweigleisig ausgebaut, aber nicht elektrifiziert sei, werde sie aktuell kaum für Güterverkehr genutzt, erläutert Lorenz: „Die betriebswirtschaftlichen Kosten und Zeitverluste aufgrund nötiger Wechsel von Diesellok auf E-Lok sind einfach zu hoch.“ Die Elektrifizierung nach Hof sowie der 3. und 4. Gleise bei Obertraubling spielt für den Oberpfälzer Wirtschaftsraum eine zentrale Rolle bei der Verlagerung von Gütern auf die Schiene.

Als dringend notwendig für eine intensivere Nutzung der Schiene erachtet der verkehrspolitische Sprecher der IHK auch den Ausbau der Containerterminal-Kapazitäten in Regensburg. Die beiden Terminals im GVZ und im Bayernhafen seien trotz inzwischen erfolgter Optimierungen und Erweiterungen bereits wieder an ihre Grenzen gestoßen. Exportorientierte Wirtschaftsräume wie Ostbayern brauchen freilich nicht nur die Terminal-Kapazitäten, sondern auch ausreichend vorhandene Leercontainer. Deshalb müsste in Regensburg ein zusätzliches Leergutdepot geschaffen werden.

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