Medizintechnik
22. Oktober 2020 6:00  Uhr

Hightech im Kampf gegen den Brustkrebs

Schmerzfreie Untersuchung und eine herausragende Bildqualität – ein Medizintechnikunternehmen bringt eine Spiral-Brust-CT auf den Markt. Ob sie sich bewährt, werden Studien zeigen.

Die Brustkrebsvorsorge gehört zu den wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen für Frauen. | Foto: Zaiets Roman

Von Veronika Weigert

ERLANGEN/REGENSBURG. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden in Deutschland im zweijährigen Rhythmus zum Mammografie-Screening eingeladen. Die Vorsorgeuntersuchung der weiblichen Brust ist freiwillig. Dr. med. Andreas Kämena leitet als stellvertretender Programmverantwortlicher das Mammografie-Screening in der Oberpfalz. „Lediglich 55 Prozent der eingeladenen Frauen nehmen durchschnittlich an diesem Screening teil“, sagt er. Einer der häufigsten Gründe dafür: die zum Teil schmerzhafte Kompression der Brust.

Neues Verfahren senkt Hemmschwelle

Bei der Untersuchung zur Krebsfrüherkennung werden von jeder Brust zwei Aufnahmen gefertigt. Um die Röntgenstrahlung dabei so gering wie möglich zu halten, muss durch eine Platte ein gewisser Druck auf die Brust ausgeübt werden. Kämena nennt die Mammografie eine „gute Vorsorgeuntersuchung“, doch: Es gibt Patientinnen, die starke Schmerzen beim Screening hatten und weitere Mammografien – selbst bei Beschwerden – ablehnen. Kommen die Frauen dann in die Sprechstunde, kann der Brustkrebs unter Umständen schon weit fortgeschritten sein, was eine kompliziertere Behandlung und geringere Heilungschancen bedeutet. „Dabei ist dank moderner Medizin und individueller Therapiepläne ein frühzeitig erkannter Brustkrebs heute meist sehr gut behandelbar“, sagt Kämena.

Schmerzfrei und schnell

Advanced Breast-CT, ein Medizintechnikunternehmen aus Erlangen, geht das Problem der schmerzhaften Mammografie an. Es hat den weltweit ersten Brust-CT-Scanner entwickelt, der auf einer Spiral-CT-Technologie basiert. „Nu:view“ bietet Frauen eine schmerzfreie, schnelle und strahlungsarme Untersuchung. Die Patientin legt sich dafür bäuchlings auf die Liege des Scanners und positioniert ihre Brust in der dafür vorgesehenen Öffnung. Anschließend wird die Brust durch eine spiralförmige Abwärtsrotation des Bildgebungssystems in einem 360-Grad-Winkel vollständig gescannt. Die gesamte Untersuchung dauert wenige Minuten, der Scan selbst lediglich sieben bis zwölf Sekunden. Eine Kompression der Brust ist dafür nicht nötig – ein Segen für die Patientinnen.

„Das ist keine Konkurrenz, sondern eine tolle Alternative zur Mammografie“, sagt Kämena. Schon während seiner Ausbildung zum Facharzt für Diagnostische Radiologie lag sein Forschungsschwerpunkt auf der Krebsdiagnostik, insbesondere in der systematischen Tumoranalyse. Seit 2009 ist er Gesellschafter der Regensburger Praxis „Die Radiologen“, seit Juli dieses Jahres gibt es in deren Standort im Gewerbepark ein Exemplar des 1,1 Tonnen schweren Scanners.

Angebot wird gut angenommen

Neben Dortmund ist das die erste Installation der neuen Technologie in einer radiologischen Praxis. Mit diesem Brust-Computertomografen verfügt Regensburg in Süddeutschland über eine der modernsten und patientenfreundlichsten Untersuchungsmethoden der Brustdiagnostik. „Frauen, die vor fünf oder sechs Jahren das letzte Mal eine Mammografie bei uns hatten, haben sich nun wieder gemeldet“, berichtet Kämena. Und die ersten Reaktionen auf das Gerät seien gut. Auch für Implantatträgerinnen und Patientinnen in der postoperativen Brustnachsorge eignet sich die Technologie.

Überlagerungsfreie Darstellung

Bei der Untersuchung entstehen hochauflösende, dreidimensionale Schichtbilder. Bei einer Rotation um die weibliche Brust werden bis zu 2000 Projektionen erstellt. Aus den erzeugten Daten errechnen spezielle Algorithmen die charakteristischen Bilder, die im Anschluss ausgewertet werden. Bislang kann keines der etablierten Verfahren wie Mammografie oder Tomosynthese 3-D-Bilder in einer derart hohen Auflösung erzeugen. Durch die überlagerungsfreie Darstellung können Ärzte erkennen, ob und wo sich bestimmte Konstellationen von Verkalkungen gebildet haben. Diese können ein Hinweis auf eine Krebserkrankung sein.

Deutlich geringere Strahlendosis

Die Strahlendosis liegt im Bereich der Mammografie und ist laut Kämena äußerst gering, da bei dieser Untersuchung nur die Brust und nicht – wie etwa bei einer Ganzkörper-CT – auch Herz oder Lunge bestrahlt werden. Da die Spiral-Brust-CT eine neue Technik ist, führen die Ärzte der radiologischen Praxis im Anschluss zusätzlich einen Ultraschall der Brust durch. Ob das Verfahren Brustkrebs generell schneller erkennen kann als etablierte Verfahren, muss nun durch Studien herausgefunden werden. Aktuell ist die neue Untersuchungsmethode nur für Privatpatientinnen möglich. Was passiert, wenn sich der Computertomograf über längere Zeit bewährt, bleibt abzuwarten.