Bauwirtschaft
7. Mai 2020 11:41  Uhr

Noch keine Abschwächung festzustellen

Im Bereich der Immobilienfinanzierung schrillen die Alarmglocken noch nicht: Die regionale Bau- und Immobilienbranche stemmt sich bislang erfolgreich gegen das Coronavirus.

Erfreulich: Die Bauinnung Regensburg und die Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz diagnostizierten Mitte April nur „überschaubare Stornierungen“ bei privaten Bauvorhaben. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Von Thomas Tjiang

REGENSBURG. Die Sparkasse Regensburg, Platzhirsch im Privatkunden-Bereich in der Region, kann sich über ein positives Immobiliengeschäft freuen. Anders als Coronavirus und der Shutdown auf den ersten Blick erwarten lassen, schrillen – Stand Mitte April – in Segment Immobilienfinanzierung keine Alarmglocken. Nach langen Boomjahren bei Häusern und Wohnungen startete auch das Januar 2020 auf hohem Niveau, konstatiert Christian Orschler, Sprecher der Sparkasse Regensburg. „Wir können derzeit diesbezüglich auch keine Abschwächung feststellen.“

Bei den gewerblichen Kunden der Sparkasse Regensburg, die häufig in den letzten Jahren dank Hochkonjunktur beispielsweise Baumaßnahmen auf die lange Bank geschoben haben, ist der Zwischenstand nicht ganz so ungetrübt. „Vereinzelt werden Investitionsmaßnahmen vorerst gestoppt und ruhen“, stellt Orschler fest. In sehr wenigen Einzelfällen würden kundenseitig geplante Projekte auch gänzlich verworfen. In der Regel würden allerdings die Gespräche zu Baukrediten gewerblicher Kunden weitergeführt.

Keine Panik

Auch bei den rund 364 Betrieben des Hoch-, Tief- und Ausbaugewerbes unter dem Dach der Bauinnung Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz herrscht keine Panik. Christian Huber, Geschäftsführer der Bauinnung Regensburg und der Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz, diagnostiziert Mitte April: „Den Umständen entsprechend geht es uns – Stand heute – gut.“ Die Innungsbetriebe über alle Betriebsgrößen hinweg seien „extrem gut wie lange nicht“ ins Jahr gestartet.

Die Neuaufträge verteilten sich relativ gleichmäßig mit je einem Drittel auf Private, Unternehmen und öffentliche Hand. Mit dem Kampf gegen die Pandemie und dem Herunterfahren von Wirtschaft und Gesellschaft stellt Huber „überschaubare Stornierungen“ bei privaten Bauprojekten fest. Das könnte vielleicht daran liegen, dass Auftraggeber mit Kurzarbeitergeld nun vorsichtshalber auf die Bremse treten. Möglicherweise komme diese Entwicklung auch im Gewerbebau auf die Branche zu, die Bauwirtschaft reagiere auf konjunkturelle Entwicklungen zeitverzögert. Zudem hängt es laut Huber auch davon ab, wie lange der Shutdown andauert und wie die Exitstrategie aussieht.

Baubetriebe als Problemlöser

Aktuell sieht der Innungschef das Bild der „Baubetriebe als Problemlöser“ bestätigt. Auch in normalen Zeiten sind die Unternehmen daran gewöhnt, dass jeden Tag etwas anderes passiert. „Das hilft auch in Pandemiezeiten.“ Das hohe Interesse an Kurzarbeitergeld und anderen Unterstützungspaketen bezeichnet er als reine Vorsorge. Als Vorteil erweisen sich auch die vergleichsweise kleinen Betriebsgrößen von durchschnittlich zehn Beschäftigten. Während mancher Baukonzern ohne Subunternehmer aus Osteuropa Baustellen stilllegen muss, kennt Huber nur wenige Betriebe in Grenznähe zu Tschechien, in denen Mitarbeiter fehlen. Auch bei der Materialversorgung sind ihm bis auf erste Lücken bei italienischen Fliesen keine Probleme bekannt.

Aus Hubers Sicht lässt sich die Verwaltung nicht aus Vorsorge in ein getrenntes Schichtmodell aufteilen, weil sich sonst die Baustellen nicht führen ließen. Dafür würde verstärkt in Einzelbüros gearbeitet, Mitarbeiter in Quarantäne agierten aus dem Homeoffice und auch mancher Chef arbeite zur Sicherheit von zu Hause aus. „Aktuell haben unsere Baubetriebe die Lage im Griff.“

Sonderrolle der Logistikimmobilien

Spurlos dürfte aber das Coronavirus nicht am deutschen Immobilienmarkt vorbeigehen. Nach den positiven Erfahrungen mit Arbeiten aus dem Homeoffice könnte in Zukunft der Büroimmobilienmarkt gedämpft werden. Große Firmen könnten in flexibleren Büroformen bis hin zur schon seit Langem vielbeschworenen Telearbeit Einsparpotenziale entdecken. Wohnimmobilien dürften bei einer weiter anhaltend hohen Nachfrage attraktiv bleiben. Logistikflächen an attraktiven Standorten, schon bislang stark begehrt, dürften durch die Pandemie und eine neue Bewertung der Lieferfähigkeit ohne Blessuren durch die Krise kommen.

Auch die Deutsche Hypothekenbank attestiert im April in ihrem Marktbericht „Immobilienklima leidet unter Corona-Pandemie“ den Logistikimmobilien eine positive Sonderrolle. In Summe ist das Deutsche-Hypo-Immobilienklima – ermittelt aus Expertenbefragungen – um mehr als ein Drittel eingebrochen. Mietvertragsabschlüsse würden teilweise verschoben, Transaktionen kämen nicht zustande. Klar ist auch, dass das Immobiliensegment des Nonfood- Einzelhandels und der Hotelbranche besonders stark getroffen werden.