Gesundheit
2. Juli 2020 6:00  Uhr

Im Homeoffice lauern Gesundheitsrisiken

Aufrecht durch den Arbeitsalltag: Damit der Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden nicht krank macht, gilt es, ein paar Regeln zu beachten – dem Rücken zuliebe. Hier einige Tipps vom Profi.

Arbeiten ganz bequem vom Sofa aus gehört für viele zu den großen Vorzügen des Homeoffice. Für den Rücken ist dieses Szenario allerdings ein Alptraum. | Foto: daniilvolkov – stock.adobe.com

BAD ABBACH. Arbeiten im Homeoffice erspart die tägliche Fahrt in die Firma. Für die Wirbelsäule aber kann das Arbeiten zu Hause gefährlich werden. „Wir registrieren eine sprunghafte Zunahme von Patienten mit Schulter- und Nackenbeschwerden“, stellt Professor Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg Asklepios in Bad Abbach fest. Ursache sei vor allem die wachsende Zahl von Homeofficearbeitsplätzen seit Beginn der Coronapandemie – mit oft schlechter Ausstattung und falscher Haltung vor dem Computer.

„Während im Betrieb Arbeitsschutzmaßnahmen auch an den Schreibtischen die betriebliche Gesundheitsvorsorge verbessert haben, sind die häuslichen Arbeitsplätze oft wenig professionell und vielfach vor allem nach Gesichtspunkten der Bequemlichkeit eingerichtet“, sagt Grifka. Daraus resultierten zunehmend massive Halswirbelsäulenbeschwerden. „Mittlerweile kommt bei uns jeder dritte Wirbelsäulenpatient speziell wegen Halswirbelsäulenproblemen in die orthopädische Sprechstunde. Und zumeist sind es Arbeitnehmer, die seit Corona von zuhause arbeiten“, so der Klinikdirektor.

Konstante Schreibtischarbeit belastet die Wirbelsäule enorm. Selbst ansonsten sportlich aktive Menschen mit starker Muskulatur sind gegen Folgeschäden nicht gefeit. Noch viel mehr trifft es jene, die wenig oder keinen Sport betreiben. Um möglichen Spätfolgen vorzubeugen, hat das Asklepios-Orthopädie-Team wertvolle Ratschläge und Tipps für einen rückenfreundlichen Homeofficearbeitsplatz parat:

Tipps für einen gesunden Rücken beim Arbeiten zu Hause

  • Die Position von Schreibtisch und Stuhl
    Zum Arbeiten sollte man auf keinen Fall einen normalen Küchenstuhl verwenden. Ein Luxusbürostuhl muss es zwar nicht sein, die Mindestanforderung ist aber eine Sitzgelegenheit, die sich auf die Körpergröße einstellen lässt. Die Unterarme sollten beim normalen Sitzen horizontal und die Hände locker auf Tischplatte und Tastatur aufliegen. Die Notwendigkeit, die Hände beim Tippen anzuheben, führt zu einer Überanstrengung der Unterarmmuskulatur mit Folgebeschwerden, die bis zum Nacken strahlen können. Die Sitzfläche des Bürostuhls sollte so eingestellt sein, dass zwischen Kniekehle und vorderer Sitzflächenkante noch eine Handbreit Platz bleibt und die Füße Bodenkontakt haben. Bei Bedarf hilft hier eine kleine Fußbank.

  • Die Position des Monitors
    Oft gehört, aber falsch ist der Ratschlag, Bildschirmoberkante und Augen auf gleiche Höhe zu bringen. Gerade diese Stellung kann zu massiven Beschwerden im Schulter-Nacken-Bereich führen. Der Grund: Bei längerem Sitzen sackt der Oberkörper zusammen. Der Kopf muss dadurch beim Blick auf den Bildschirm immer stärker angehoben werden. Besser ist es, die Stuhlrückenlehne auf Brustkorbhöhe einzustellen und so die Lehne zum Abstützen des Rückens für eine aufrechte Sitzposition zu nutzen. Der Bildschirm sollte dabei so tief wie möglich auf der Tischfläche stehen – auf keinen Fall den Monitor auf den Rechner stellen! Wichtig sind eine leicht nach unten geneigte Sichtrichtung und rund 50 cm Abstand zum Bildschirm.

  • Rückenbeschwerden proaktiv vermeiden
    Monotones Sitzen ist generell Gift für den Rücken. Deshalb sollte man seiner Halswirbelsäule beim Arbeiten gelegentlich eine Pause gönnen, am besten verbunden mit Halswirbel- und Schulterübungen. Hilfreich sind hierbei durchaus auch Bildschirmschoner, die man kostenlos aus dem Internet downloaden kann. Sie erinnern automatisch in einstellbaren Zeitabständen daran, bei der Computerarbeit Pausen zu machen, manche liefern auch gleich Anregungen für geeignete Entspannungsübungen.

Weitere Informationen zum Thema gibt es auch in dem von Professor Grifka verfassten Patientenratgeber „Rücken“ mit den zehn wichtigsten Regeln zum Schutz der Halswirbelsäule speziell für langes Arbeiten am Computer, erschienen im Zuckschwerdt-Verlag. (wz)