Wissenschaft
4. November 2020 6:05  Uhr

Im „Serious Game“ gegen die Angst vor Spinnen anspielen

Die weitverbreitete Spinnenphobie gilt als Risikofaktor für die Entwicklung anderer Angststörungen. Die Universität Regensburg testet, ob sie schon bei Kindern mithilfe eines Virtual-Reality-Lernspiels abgebaut werden kann.

Eine Spinnenphobie beginnt meistens schon im Kindesalter. | Foto: pegbes – adobe.stock.com

Von Veronika Weigert

REGENSBURG. Sie seilen sich von Wänden ab, haben lange, dünne Beine oder sind auch mal größer und behaart: Spinnen. Während manche Menschen ihnen gelassen begegnen, geraten andere bei ihrem Anblick in Angst oder gar Panik. Dazu gehören auch Schulkinder, denn eine Spinnenphobie beginnt oft bereits in der Kindheit. Dr. Theresa Wechsler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Regensburg, beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Thema „Ängste bei Kindern“.

Jedes zehnte Kind ist von Ängsten betroffen

So sind laut Wechsler rund 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren in Deutschland von Ängsten betroffen. Zudem gilt eine Spinnenphobie als Risikofaktor für die Entwicklung anderer Angststörungen und allgemein anderer psychischer Störungen im weiteren Lebensverlauf. Gemeinsam mit ihrer Studentin Felicitas Kopf testet Wechsler nun in einer Studie, ob mithilfe eines „Serious Games“ , also eines Lernspiels in der virtuellen Realität, die Angst vor Spinnen bei Kindern abgebaut werden kann.

Konfrontation mit dem Angstauslöser

Das Lernspiel ist einer Art Konfrontationstherapie im virtuellen Raum. Denn bei Menschen mit Angststörungen findet sich laut Dr. Wechsler in Studien ein sogenannter „Aufmerksamkeitsfehler“; sie blicken im Gegensatz zu unängstlichen Menschen schneller auf den angstauslösenden Reiz, vermeiden jedoch gleich danach den weiteren Kontakt mit diesem. „Durch diese Vermeidung entsteht ein Teufelskreis“, erklärt Wechsler. Denn durch die fehlenden Begegnungen beispielsweise mit Spinnen können auch keine positiven oder neutralen Erfahrungen gemacht werden. Dadurch wird die Angst immer schlimmer.

Bereits Erfolge bei Erwachsenen erzielt

Mit dem Einsatz von Virtual Reality wurden laut Dr. Wechsler bereits Erfolge bei Studien mit Erwachsenen erzielt, die sich so mit ihrer Spinnen-, Höhen- oder Flugangst auseinandergesetzt haben. Nun soll die Technik genutzt werden, um die Angst vor Spinnen bei Kindern gar nicht erst aufkommen zu lassen beziehungsweise zu therapieren. Bis Ende des Jahres wird das Lernspiel an der Universität Regensburg noch an Kindern zwischen acht und elf Jahren getestet, die keine Angst vor den Krabbeltieren haben. „Die Studie ist ein Pilotversuch, um mehr Erfahrungen zu sammeln, die später für die Angstprävention und -behandlung nützlich sein könnten“, sagt Wechsler.

Durchaus möglich: Spinne positiv erleben

Mithilfe von Eye-Tracking werden die Augenbewegungen der Kinder gemessen. Wenn die Spinne für einige Zeit angesehen und nicht vermieden wird, bekommen die Kinder die Rückmeldung, dass das gut ist und die Spinne im Spiel verändert sich auf eine positive Weise. Was genau passiert, dürfen die Kinder selbst herausfinden. Das langfristige Ziel der Studie ist, neben Spinnenphobie zum Beispiel auch die Angst vor Hunden oder vor der Schule zu behandeln. Ob das gelingt und wann es so weit sein wird, werden die Studienresultate und die kommenden Jahre zeigen.

Noch bis Ende 2020 können Interessierte an der Studie teilnehmen. Weitere Auskunft gibt es per E-Mail an theresa.wechsler@ur.de.