Bauwirtschaft
26. April 2021 6:02  Uhr

In der Baubranche herrscht Zuversicht

In Bayern trotzt die Bauwirtschaft der Corona-Pandemie. Damit das so bleibt, sollten öffentliche Auftraggeber ihre Investitionslinie beibehalten, so die Bauverbände. Baufinanzierungen melden währenddessen einen Höhenflug.

Mit fast zwei Millionen Beschäftigten und knapp 400 Milliarden Euro an nominalem Bauvolumen ist das Baugewerbe ein höchst bedeutsamer Wirtschaftszweig der deutschen Volkswirtschaft. | Foto: boonchok – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Die Corona-Pandemie hat Wirtschaft und Gesellschaft ganz gehörig gebeutelt und tut dies immer noch. Doch die Auswirkungen auf die einzelne Branchen in den verschiedenen Ländern sind unterschiedlich. Sieht man auf Gewinner und Verlierer in Deutschland, zählt die Bauwirtschaft eher zu jenen, die bisher vergleichsweise glimpflich davongekommen sind. So hat das Bauhauptgewerbe in Bayern das vergangene Jahr mit einem Umsatzplus abgeschlossen und sogar 6500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Dessen ungeachtet steht natürlich auch die Bauwirtschaft vor beträchtlichen Transformationen, die allerdings bereits vor Corona erkannt und in Angriff genommen wurden. Dazu gehört vor allem das digitalisierte Bauen: Dass man sich diesem wichtigen Thema stellt, wird gerade mit der Errichtung des Innovationszentrums „Building Lab“ am Techcampus Regensburg unter Beweis gestellt.

Bau als ein wichtiger Stabilitätsanker

Für Regensburg, die Oberpfalz und den gesamten Freistaat gilt: Bayern hat seinen Ruf als Bauregion mit einem Anteil von rund 20 Prozent in allen relevanten bundesweiten Vergleichen weiter gefestigt und sogar ausgebaut. Insbesondere Ostbayern hat sich traditionell immer ein besonders großes Stück aus diesem Kuchen herausgeschnitten, aktuell mit mehr als 40.000 Beschäftigten, die zuletzt einen Umsatz von rund neun Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

Und so ziehen Josef Geiger und Wolfgang Schubert-Raab, die Präsidenten des Bayerischen Bauindustrieverbands und der Baugewerbeverbände im Freistaat, aus einer gemeinsamen Konjunkturumfrage unter anderem den Schluss, dass sich die Baubranche auch in der Krise als ein Stabilitätsanker besonderer Art erweist. Gleichzeitig erinnern die Verbände aber auch daran, dass speziell die öffentlichen Auftraggeber ihre Investitionslinie beibehalten sollten. Schließlich könnten sich gerade im öffentlichen Bau Unsicherheiten wie das durch Corona drohende Milliardendefizit in den Kassen der Kommunen und die fehlenden Personalkapazitäten besonders negativ auswirken.

Auftragsbestand konnte sich durchaus sehen lassen

Bereits im Herbst 2020 hatten mehr als die Hälfte der befragten Straßenbauunternehmen sinkende Umsätze für 2021 befürchtet. Aber auch im öffentlichen Hochbau, etwa in Bezug auf den Bau von Schulen und Krankenhäusern, rechnet die Mehrheit der Betriebe mit weniger Aufträgen. Insgesamt konnte sich der Auftragsbestand, der mit mehr als 13,5 Wochen nur knapp unter dem Niveau von 2019 liegt, allerdings durchaus sehen lassen. Die wirtschaftliche Dynamik der vergangenen Jahre konnte sich in Bayern auch in den ersten acht Monaten 2020 fortsetzen: Hier lagen die Wachstumsraten beim Umsatz bei 3,5 Prozent im Gewerbebau, bei 5,5 Prozent im öffentlichen Sektor und gar bei 10,5 Prozent im Wohnungsbau. Die Auftragslage hatte sich in dieser Phase bereits abgeschwächt.

Baufinanzierungen unverändert im Höhenflug

In Bayerns Bauwirtschaft sind derzeit 170.000 Mitarbeiter in 13.400 Unternehmen tätig, die speziell für Baustoffe und Baumaterial in diesem Jahr deutlich steigende Einkaufspreise erwarten. Die Baupreise für Wohngebäude in Deutschland sind laut dem Statistischen Bundesamt aktuell um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat Februar gestiegen. Im Vergleich zum November 2020 kam es zu einem Anstieg um 4,5 Prozent, vor allem aufgrund des seit Anfang 2021 wieder geltenden Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent. Ohne diesen Effekt läge der Preisanstieg bei 1,9 Prozent. Im Höhenflug, so eine aktuelle Studie von Pricewaterhouse Coopers (PwC), befinden sich trotz der Corona-Pandemie die Baufinanzierungen: Das Neugeschäft der Banken und Sparkassen kletterte 2020 um plus zehn Milliarden auf 273 Milliarden Euro.

Mit dem Stiftungslehrstuhl „Digitalisiertes Bauen“ der OTH Regensburg wurde bereits 2018 ein Ausrufezeichen gesetzt. Jetzt erfolgte am Techcampus Regensburg mit OTH-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Baier (3. v. li.) sowie weiteren Vertretern der Hochschule und Bauindustrie der Spatenstich zur Errichtung des Innovationszentrums „Building Lab“, für dessen Gestaltung der Bayerische Bauindustrieverband einen studentischen Wettbewerb ausgeschrieben hatte.
Foto: Anna Schätzler