Hochschule
4. Oktober 2021 6:08  Uhr

IT-Einsatz ohne jegliche Kontrolle?

Der Rechnungshof wirft bayerischen Hochschulen Mängel beim Einsatz der Informationstechnologie und bei der Personalverwaltung vor und fordert ein wirtschaftlicheres und sparsameres Handeln.

Der Bayerische Oberste Rechnungshof bemängelt IT und EDV an Universitäten und Hochschulen. | Foto: Kara – stock.adobe.com

Von Josef König

REGENSBURG. Der Appell klang dramatisch: „Hochschulen zukunftsfähig machen“, betitelte Bayerns Oberster Rechnungshof (ORH) eine Medieninformation. Den neun Universitäten und 17 Hochschulen für angewandte Wissenschaften werden Mängel beim Einsatz der Informationstechnologie (IT) und bei der Personalverwaltung vorgeworfen.

Forschung und Lehre sind die Produkte von Hochschulen, die ihre IT wie große mittelständische Unternehmen planen müssen: Die neun staatlichen Universitäten und 17 staatlichen Hochschulen für angewandte Wissenschaften beschäftigen rund 140.000 Mitarbeiter sowohl im wissenschaftlichen als auch im nichtwissenschaftlichen Bereich. Die Bezüge belaufen sich auf rund drei Milliarden Euro. Nach ORH-Berechnungen geben die neun Universitäten im Freistaat rund 159 Millionen Euro für den IT-Einsatz aus, 5 Prozent des ganzen Haushaltsvolumens.

Aufgaben wirtschaftlicher und sparsamer erledigen

Der ORH fordert eine verstärkte Digitalisierung, die Optimierung des IT-Einsatzes, eine verbesserte Informationssicherheit sowie eine engere Zusammenarbeit der Hochschulen. Alles in allem: Die Hochschulen könnten ihre Aufgaben wirtschaftlicher und sparsamer erledigen. Transparenz, Leistungsmessung über Kennzahlen sowie die Managementunterstützung sind nach der einschlägigen Literatur Ziele des IT-Controllings. Anhand von Key Performance Indicators (KPI) können die Erfüllungsgrade eines bestimmten Ziels gemessen werden. Einen generellen Überblick scheint es nicht zu geben. „Ein IT-Controlling mit Kennzahlen war nicht etabliert“, stellte der ORH fest. Damit fehle ein wichtiges Instrument für eine Steuerung.

Interessant wäre etwa, wie viel eine Hochschule pro Professor oder pro Studierendem für die Informationstechnik ausgibt. Dass es keine entsprechenden Zahlen gibt, liegt an der Autonomie der Hochschulen. „Da die Hochschulen in der Bewirtschaftung ihrer allgemeinen Haushaltsmittel für Lehre und Forschung flexibel sind und in eigener Verantwortung entscheiden, liegen uns keine entsprechenden Zahlen vor“, sagt eine Sprecherin des bayerischen Wissenschaftsministeriums.

Budgetaufteilung wird meist nicht öffentlich gemacht

Bei den Budgetzahlen halten sich auch die Hochschulen zurück: Prof. Dr. Ulrich Bartosch, seit April 2020 Präsident an der Universität Passau, bittet um Verständnis, dass die interne Budgetaufteilung nicht öffentlich ist. Die niederbayerische Universität stelle Wissenschaftlern und Studierenden eine „sehr gute IT-Infrastruktur“. Der IT-Einsatz werde entsprechend den sich verändernden Rahmenbedingungen weiterentwickelt. 2020 sei die IT-Sicherheitsorganisation ergänzt und eine Cloudstrategie ausgearbeitet worden. 2021 habe man das Zentrum für Medien und Kommunikation (ZMK) neu ausgestattet und das Netz ausgebaut, erläutert Bartosch. In puncto Digitalisierung sei das Bewerbungs- und Studierendenmanagement erfolgreich operativ umgesetzt worden, eine neue Prüfungsverwaltung werde kommen.

8,3 Prozent des Sachhaushalts hat die Universität Regensburg (UR) laut Jan Kleine, Leiter der Präsidialabteilung, für den IT-Einsatz ausgegeben. Die Hochschule plane, die IT-Strategie neu zu entwerfen. Besonders im Forschungsbereich sei ein effektives und effizientes Datenmanagement von besonderer Relevanz. Personell werde die Rolle des Chief Information Officer (CIO) geschaffen. Die Digitalisierung der Verwaltung werde über das Projekt „Verwaltung 4.0“ vorangetrieben. Die Oberpfälzer Universität führe ein Informationssicherheitsmanagement in zwölf Schritten ein. Eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit in der IT gebe es schon seit vielen Jahren, so Kleine.

Die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH) geht laut Pressereferent Michael Hitzek seit einigen Jahren den Weg der Digitalisierung. In dem bis Ende 2023 laufenden Projekt werde das Campusmanagement, der Alumni & Career Service oder die International Office Informationssysteme implementiert. Der Bereich der Informationssicherheit werde der Stabsstelle Recht zugeordnet, so Hitzek.

Interview

Großer Schritt nach vorne in der Digitalisierung

Prof. Dr. Peter Sperber, Präsident Technische Hochschule Deggendorf, erklärt im Interview die IT-Strategie in seinem Haus.

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