Digitalisierung
16. März 2022 6:00  Uhr

Jetzt den technologischen Quantensprung wagen

Sowohl Wissenschaft als auch die Politik wünschen sich mehr Engagement. Für die Wirtschaft ist die Quantentechnologie allerdings noch weit entfernte Zukunftsmusik.

Quantencomputer basieren auf einer völlig anderen digitalen Architektur als herkömmliche Computer. Denn Qubits können weit mehr als nur abwechselnd 0 und 1 darstellen. Foto: Bartek Wroblewski – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG. „Leberkäs und Laser“ – mit diesem Slogan hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Dezember letzten Jahres einen Kandidaten für die Nachfolge des berühmten „Laptop und Lederhose“-Ausspruchs des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog gesetzt. Herzog ist gebürtiger Niederbayer. 24 Jahre nach seinem ikonischen Satz spielt Bayern in der Bundespolitik erst einmal keine so große Rolle mehr. Die würde sich der KI-Unternehmer und Professor an der TH Deggendorf, Professor Dr. Patrick Glauner, aber in Sachen Zukunftstechnologie dringend wünschen. Allein, eine passende Alliteration zu „Quantencomputing“ muss man im Bayerischen erst einmal finden.

Bayerischer Quantencomputer

„Der bayerische Quantencomputer ist ja zumindest ein erklärtes politisches Ziel“, räumt Glauner, der vom CDO-Magazine in der Liste der weltweit führenden Professoren im Datenbereich geführt wird, im Gespräch mit der Wirtschaftszeitung ein. Und wirklich hat das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Anfang Februar einen Fördercall herausgegeben, der genau das anschieben soll, was sich Wissenschaftler wie Glauner von der hiesigen Wirtschaft wünschen: Kooperationen mit dem Ziel, Quantentechnologie zeitnah in die ökonomische Anwendung zu transferieren. Noch bis 31. März können Unternehmen und Hochschulen Projekte zur Förderung anmelden, die zum Ziel haben, Quantentechnologie in „wirtschaftlich verwertbare Lösungen“ zu überführen. Als Beispiele für förderfähige Themen nennt das Ministerium unter anderem Forschung und Entwicklung an Hardwareplattformen für Quantencomputer, Quantum-Engineering, Quantenmesstechnik und -simulationen, Quantennetzwerke oder Quantenschnittstellen für Plattformen. Dabei würden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besonders zur Einreichung von Projektskizzen ermutigt.

Unterschätzter Gamechanger

„Die Quantentechnologie gilt als Gamechanger und wird Prozesse sowie Gewohnheiten in Wirtschaft und Gesellschaft massiv umkrempeln“, sagt dazu Sabine Schmid, Referentin für Innovation bei der IHK Regensburg für die Oberpfalz/Kelheim. Die Kammer begrüßt den Fördervorstoß der Regierung deshalb sehr. „Rege tätig“ seien in Sachen Quantentechnologie im Kammerbezirk bisher aber hauptsächlich die Hochschulen. „Aktuell sieht es nicht danach aus, dass sich KMU einen Quantencomputer in den Betrieb holen können, denn damit Quantencomputing funktioniert, muss die Betriebstemperatur auf etwa minus 273 Grad gekühlt werden. Daher wird sich die Thematik wohl eher in der Cloud entwickeln.“ Das sehen offenbar nicht nur KMU so, sondern auch örtliche Weltmarktführer wie Krones. Auf Anfrage bestätigt Pressesprecherin Ingrid Reuschl, dass Quantencomputing – noch – keine tragende Rolle in der operativen Unternehmensstrategie spielt. Der Weg dahin würde, wenn, dann über cloudgebuchte Rechnerleistung führen, wie IBM sie anbietet.

Keine Frage der Kühlung

Dass Quantencomputing von den Firmenkunden derzeit nur wegen seines Potenzials für das Knacken von klassischen Verschlüsselungen wahrgenommen wird, bestätigt auch Markus Leitner, Regensburger Niederlassungsleiter bei SWS Computersysteme. SWS schult seine Azubis hybrid für die Zukunft auf physikalische Hardware und Cloudtechnologie. Quantenanwendung spiele dabei noch keine große Rolle.

Argumente wie die Kühlung oder die enormen Kosten von hochentwickelten Quantencomputern will KI-Experte Glauner für das Zögern nicht gelten lassen. Es gebe bereits kleinere Hardwarelösungen, die bei Zimmertemperatur liefen und einen einfachen Einstieg ermöglichten. „Wir brauchen ein agileres Mindset. Man sollte schon jetzt die beschränkteren, aber absolut praktikablen Ansätze nutzen, statt auf die große Lösung zu warten.“

Interview

Quantencomputing ist der nächste große Schritt

Prof. Dr. Patrick Glauner, Professor für künstliche Intelligenz an der TH Deggendorf und geschäftsführender Gesellschafter der Skyrocket.ai GmbH, erklärt im Interview, warum Quantencomputing nicht nur zu schnelleren, sondern auch zu besseren Lösungen etwa in der Produktionsplanung führen könnte.

Hier geht’s zum Interview …