Bauwirtschaft
9. Mai 2022 5:50  Uhr

Junge Menschen sind gefragt wie nie

Dem Trend zur Internationalisierung auf dem Bau zum Trotz: Die Zukunftschancen für junge Menschen in der bayerischen Bauindustrie sind auch weiterhin erfreulich.

Die Zahl der gewerblichen Azubis in der Baubranche ist zuletzt gestiegen. Foto: goodluz – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

MÜNCHEN/BERLIN. Der russische Einmarsch in die Ukraine hat die Rahmenbedingungen für das laufende Jahr sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch die Baubranche selbst gravierend verändert, geht aus der aktuellen Umfrage des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie hervor. Überwiegend negative Auswirkungen erwarte man danach vor allem bei Baumaterial, und zwar mit Bezug auf eine geringere Verfügbarkeit wie auch hinsichtlich steigender Preise.

Von Januar 2021 bis Februar 2022 stiegen die Erzeugerpreisindizes für Betonstahlmatten um 73 Prozent, für Bauholz um 58 Prozent, für Bitumen im Straßenbau um 56 Prozent und für Flachglas, Kupfer, Dämmplatten und Plastikrohre zwischen 28 und 42 Prozent. Belastend für die Ertragslage der Firmen wirke sich nach Auffassung des Bauindustrieverbandes die Tatsache aus, dass es bei länger laufenden Bauverträgen schwierig sei, die Kosten an die Auftraggeber weiterzugeben.

Zunahme der Beschäftigten

Und der Preisanstieg ist neben dem eng damit verknüpften Mangel an Material in der Tat beträchtlich. Beklagten im März 2021 lediglich 4 Prozent der befragten Firmen des Bauhauptgewerbes eine Behinderung ihrer Produktion durch Materialknappheit, stieg dieser Wert bis zum Juni auf 46 Prozent. Zwar war dann bis zum Februar 2022 ein Rückgang auf 21 Prozent zu verzeichnen, doch unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine stieg dieser Wert im März wieder auf 35 Prozent. Ein weiterer Anstieg sei zu befürchten. Dessen ungeachtet erwarten die Unternehmen der deutschen Bauindustrie für das laufende Jahr eine Zunahme der Beschäftigung um 9000 auf dann 920.000 Erwerbstätige.

Seit dem Tiefstand im Jahre 2009 mit lediglich 705.000 Arbeitnehmern hat die Branche in dem folgenden Jahrzehnt die Zahl ihrer Mitarbeiter auf über 911.000 erhöht. Diese Entwicklung, so wird betont, sei umso erstaunlicher, weil im gleichen Zeitraum rund 260 000 Erwerbstätige in den Ruhestand gegangen seien. Diese Lücke zu schließen, falle umso schwerer, als die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter im Schnitt zwischen 2009 und 2021 von 54.000 auf 17.000 zurückgegangen sei. Noch brisanter erscheint die Lage bei den Bauingenieuren, liegt hier die Zahl der offenen Stellen bereits seit 2015 deutlich über der der Arbeitslosen, Ende 2021 betrug diese Relation drei zu eins.

Bayern als stabiler Baumarkt

Die Zahl der gewerblichen Auszubildenden im Baugewerbe konnte zwar zwischen 2015 und 2021 nicht zuletzt durch die Integration Geflüchteter um ein Viertel auf 14.800 gesteigert werden. Doch dieser Erfolg reiche bei weitem nicht aus, um die Abgänge auszugleichen. Freilich verweisen die Autoren der aktuellen Verbandsanalyse, Petra Kraus und Heinrich Weitz, auch auf die Tatsache, dass ein Teil der Lehrlinge ihre Ausbildung nicht beenden. Dabei sind die Zukunftschancen für junge Menschen in der bayerischen Bauindustrie offensichtlich sehr erfreulich. Der Vizepräsident des Bayerischen Bauindustrieverbandes, Dipl.-Ing. Johann Bögl, Sengenthal, verweist zwar im ID-Magazin des Verbandes auf den Trend zu immer größerer Internationalisierung. Dennoch sieht der Oberpfälzer Unternehmer Bayern als einen der stabilsten und größten Baumärkte, der freilich insbesondere in den nächsten Jahren von gravierenden Veränderungen geprägt sein werde. Johann Bögl nennt die neuen globalen Aufgabenstellungen wie die Energiewende, die Elektromobilität und auch die Lieferkettenthematiken, die möglicherweise mit „Rückholungen von Produktionen ins eigene Land“ begleitet sein könnten. „Für all diese tollen Herausforderungen brauchen wir junge Menschen“, betont der Vorsitzende des Vereins für Bauforschung und Berufsbildung im Bayerischen Bauindustrieverband. An den Veränderungen sei der Bau maßgeblich beteiligt, „darum haben wir hier auch eine sehr gute Perspektive.

Und welche Rolle spielen die bayerischen Hochschulen als Standortfaktoren für Baufirmen? Johann Bögl bewertet eine qualitativ hochwertige und breite Ausbildung als die Basis jeder beruflichen Entwicklung. Gleichzeitig sieht er es als elementar an, „dass wir auch gute und breit aufgestellte Hochschulen in unserer Heimat haben.“ Um die Hochschulen noch weiter zu fördern und sie zu unterstützen, habe der Bauindustrieverband sich nicht zuletzt für das „Building Lab“ Regensburg entschieden.

„Tolle Chance für die Branche“

Angesichts des vor uns liegenden Aufgabenbündels mit der Energiewende, der Verkehrswende und dem Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum könnte man leicht eine Überforderung der Gesellschaft befürchten. Dies aber sieht Johann Bögl keineswegs so: „Nein, das ist nicht zu viel, sondern eine tolle Chance für unsere Branche, sich weiterzuentwickeln und einen wichtigen Platz in unserer Gesellschaft einzunehmen.“ Bögl sieht die Bauwirtschaft als eine wichtige Branche, um diese Veränderungen für unser Land bewegen zu können. Diesen Herausforderungen werde man sich auch stellen. Als wichtig erachtet er es, die richtigen Menschen für diese Aufgaben zu gewinnen, und erwähnt im Einzelnen die Möglichkeiten der neuen Zeit, der Digitalisierung, der Industrialisierung und der Nachhaltigkeit: „Und dann werden wir diese Herausforderungen auch meistern.“

Branche mit Zukunft

Gute Berufsperspektiven ziehen die Azubis an

Eine Studie von SOKA-Bau hebt aus Sicht des Auszubildenden die Bedeutung der Wohnortnähe des ausbildenden Unternehmens hervor. Die Höhe der Ausbildungsvergütung spielt durchaus eine Rolle, während die familiären Wurzeln inzwischen weniger von Bedeutung sind.

Foto: Kassecker

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