Steuerrecht
7. Februar 2022 6:02  Uhr

Körperschaftsbesteuerung für Personengesellschaften

Das Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts schafft mehr Gerechtigkeit. Profitieren könnten vor allem Familienunternehmen und mittelständische Personengesellschaften.

Bei Personengesellschaften kann das Körperschaftsteuerrecht die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Foto: peshkova – stock.adobe.com

Von Thomas Tjiang

NÜRNBERG. Seit Jahresbeginn gilt das Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts mit der typisch-kryptischen Abkürzung KöMoG. Es führt ein sogenanntes Optionsmodell ein. Laut Bundesfinanzministerium sollen vor allem die typisch deutschen, mittelständischen Familienunternehmen profitieren, die oftmals als Personengesellschaften firmieren. Mit einer Option kann sich nun etwa eine OHG, KG, GmbH & Co. KG oder Partnerschaftsgesellschaft ertragssteuerlich wie eine Kapitalgesellschaft besteuern lassen. Das gilt als gewichtiger Schritt in Richtung steuerlicher Gleichbehandlung von Personen- und Kapitalgesellschaften.

Steuerpolitische Überraschung

Daher begrüßten manche Experten das KöMoG schon mal als größte steuerpolitische Überraschung der vergangenen Regierung. Andere befürchten einen Nachschlag bei der sowieso schon überbordenden Komplexität des deutschen Steuerrechts. Immerhin ändert das neue Recht elf Gesetze, darunter das Körperschaftsteuergesetz sowie auch das Gewerbesteuer-, Umwandlungssteuer-, Einkommensteuer- oder auch Außensteuergesetz. „Für den internationalen Wettbewerb stärken wir Familienunternehmen und mittelständische Personengesellschaften“, kommentierte Bundeskanzler Olaf Scholz, damals noch Finanzminister, das Gesetzespaket. Denn für eine steuerliche Gleichbehandlung durch das Optionsmodell ist für Personenhandelsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften kein tatsächlicher Wechsel der Rechtsform notwendig. Es handelt sich dabei um eine Fiktion für rein steuerliche Zwecke, führte das Finanzministerium aus. Damit werden grundsätzlich die Gewinne einer optierenden Gesellschaft wie die einer Kapitalgesellschaft behandelt. Es fällt also weiterhin die Gewerbesteuer an und zusätzlich kommt die Körperschaftsteuer hinzu. Sie liegt allerdings in der Regel unter dem individuellen Steuersatz eines Gesellschafters.

Wettbewerbsfähigkeit verbessert

Zudem verbessert sich für international tätige Personengesellschaften ihre Wettbewerbsfähigkeit auf globalen Märkten. Denn ihre Besteuerung in Deutschland unterliegt dem sogenannten Transparenzprinzip. Damit ist gemeint, dass das Finanzamt sprichwörtlich durch eine Personengesellschaft direkt auf ihre Gesellschafter hindurchschaut. Die Gewinne einer Gesellschaft werden ihren Gesellschaftern zugeordnet und dort in Form der Einkommensteuer veranlagt. Dieses Transparenzprinzip ist im Ausland häufig unbekannt und führt beim Finanzamt häufig zu vielen Folgefragen und Zuordnungsproblemen. Das KöMoG erlaubt nun etwa steuerneutrale Verschmelzungen, Aufspaltungen oder Formwechsel von Tochtergesellschaften in Drittstaaten. Denn für Kapitalgesellschaften gilt das sogenannte Trennungsprinzip, die Ebenen der Besteuerung der Körperschaft und der Besteuerung ihrer Gesellschafter sind hier getrennt. Erträge können nun attraktiv bis zu einer tatsächlichen Entnahme thesauriert werden – also im Unternehmen verbleiben.

Einstimmigkeit ist Voraussetzung

Grundsätzlich setzt das Optionsmodell einen einstimmigen Beschluss aller Gesellschafter einer Personengesellschaft beim zuständigen Finanzamt voraus. Ein entsprechender Antrag ist spätestens einen Monat vor dem Wirtschaftsjahr zu stellen, in dem die Option gelten soll. Das Optionsmodell gilt für das gesamte Unternehmen und alle Gesellschafter, eine einzelne Anwendung für einzelne Gesellschafter gibt es nicht.

Der optionsbedingte Wandel ist allerdings ein komplexer Prozess, der detailliert im Einzelfall geklärt werden muss. Die Nürnberger Beratungs- und Prüfungskanzlei Rödl & Partner hat eine fiktive GmbH & Co. KG mit diversen Annahmen durchgerechnet. Deren Fazit zum Optionsmodell bezüglich der Gesamtsteuerbelastung für Gesellschaft und Gesellschafter: „Sie führt zu einer deutlichen Senkung der Gesamtsteuerbelastung in solchen Konstellationen, bei denen Gewinnanteile vollständig oder zu großen Teilen im Unternehmen thesauriert werden.“

Interview

Ein lange überfälliger Schritt

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., erklärt im Interview, warum das neue Körperschaftsgesetz ein echter Fortschritt ist.

Hier geht’s zum Interview …