Wissenstransfer
28. Oktober 2021 5:56  Uhr

Der intensive Austausch zählt

Der Hochschulverband Transfer und Innovation Ostbayern (TRIO) diskutierte das Digitalisierungspotenzial auf den für die Region relevanten Anwendungsfeldern Stromversorgung, Gesundheitswesen, Produktion und Mobilität.

Der Triokon 2021 fand hybrid statt – am Campus Weiden der OTH Amberg-Weiden und virtuell. Foto: OTH Amberg-Weiden

Von Gerd Otto

WEIDEN. Wohin sich die Wirtschaftsregion Ostbayern entwickelt, hängt zweifellos von vielfältigen Rahmenbedingungen ab, in die zuletzt immer stärker auch internationale, ja sogar globale Perspektiven miteinbezogen werden mussten. Umso wichtiger erscheint es, dass sich Niederbayern und die Oberpfalz auf ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten besinnen. Immerhin haben sich die Menschen, die Unternehmen und Institutionen schon in der Vergangenheit keineswegs nur auf die Förderung durch staatliche Strukturhilfen verlassen.

Vielmehr verdankt gerade Ostbayern die derzeit beachtliche Prosperität einer bereits sehr früh eingeübten, engen Kooperation unterschiedlichster Partner. Nicht von ungefähr kann der Beginn dieser Entwicklung exakt datiert werden. Zwar hatte 1962 der Bayerische Landtag die 4. Bayerische Landesuniversität nach Regensburg vergeben, doch dass diese Entscheidung eine so große Aufbruchstimmung auslöste, hatte doch viel mit der Region selbst zu tun, dem einstigen Armenhaus des Freistaats, und weniger mit einer Strukturpolitik von oben. Zudem wurde fast zeitgleich mit der transalpinen Pipeline (TAL), die Erdöl vom Hafen Triest ins Raffineriezentrum Ingolstadt pumpte, ein weiteres Defizit auf dem Weg Bayerns in die industrielle Zukunft beseitigt – und dies auf eine gemeinsame Initiative des aus Regensburg stammenden Wirtschaftsministers Otto Schedl und von Enrico Mattei, dem Chef des italienischen ENI-Konzerns. Knapp 50 Jahre zuvor hatte Oskar von Miller mit dem Walchensee-Projekt die Wasserkraft für Bayerns industrielle Entwicklung nutzbar gemacht.

Region findet selbst die Lösungen

Dass die Oberpfalz und Niederbayern selbst in Zeiten einer Pandemie fast schon traditionell die günstigsten Arbeitsmarktdaten in Bayern aufweisen, macht deutlich, wie sehr Wirtschaft und Gesellschaft in dieser Region zusammenwirken – und dies gerade auch mit Blick in die Zukunft.

Für Innovationen und den Transfer von Ideen und konkreten Investitionen wartet man jedenfalls nicht auf die „Eingebungen“ des Staates, sondern sucht selbst nach Lösungen. Dabei spielt der Wissens- und Technologietransfer zunehmend eine entscheidende Rolle. Der Austausch zwischen der Wissenschaft, den Unternehmen der Region und den gesellschaftlich relevanten Gruppen muss aber auch tatsächlich gestärkt werden, will man weiterhin wettbewerbsfähig bleiben. Sich nur an den Exportquoten der Spitzenunternehmen dieser Wirtschaftsregion zu erfreuen, denen wir heute schließlich unseren Wohlstand verdanken, reicht längst nicht mehr.

Um die Zukunft abzusichern, darf eine Region insbesondere strukturelle Entwicklungen nicht verpassen. Vor diesem Hintergrund kommt Initiativen wie dem Hochschulverbund Transfer und Innovation Ostbayern (TRIO) eine besondere Bedeutung zu. Dies gilt vor allem für Ostbayern, wo sich die inzwischen sechs Hochschulen als Impulsgeber für die gesamte Region verstehen.

Vom Bundesforschungsministerium gefördert, beträgt die Laufzeit von TRIO fünf Jahre, in denen zum Beispiel ein Unternehmen mit der Vergabe eines Forschungs- oder Entwicklungsauftrags von der wissenschaftlichen Qualifikation und der Infrastruktur seiner Hochschule profitieren kann. Im Rahmen derartiger Forschungsprojekte arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an Problemstellungen mit dem Ziel, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln. Die Projekte erhalten Zuwendungen von internationalen oder nationalen öffentlichen Fördermittelgebern. Als nicht minder attraktiv erscheinen die fachlichen und persönlichen Netzwerke oder die Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse, die für den Transfer und die Umsetzung in die Praxis von Bedeutung sind.

„Mitnehmen, nicht ausgrenzen“

Nach außen sichtbar wird der Hochschulverbund vor allem mit seinen Transferveranstaltungen. Selbst wenn die dritte Transferkonferenz in Weiden coronabedingt rein digital über die Bühne gehen musste, so hatten es die Themen der vier Panels tatsächlich in sich: Sie reichten vom drohenden Blackout der Stromversorgung über den digitalen Zwilling und die Mobilität bis zu Medizin und Krankenpflege.

Wie ein roter Faden zog sich dabei eine Überlegung durch die Hochschultagung in Weiden, die IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes auf den Punkt brachte: „All diese Konzepte, nicht nur für Mobilität, müssen mitnehmen, nicht ausgrenzen, und zwar sowohl die Menschen, die sie nutzen sollen, als auch die Betriebe, deren Geschäftsmodell sich ändert.“

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