Corona
1. November 2021 14:56  Uhr

Long Covid befällt unsere Städte

Die Pandemie erweist sich als ein Katalysator für urbane Zukunftstrends. Damit stellt sich verstärkt die Frage: Wie werden wir nach Corona in unseren Städten zusammenleben?

Totale Öde oder Aufbruch zu neuer Größe? Wie sich das urbane Leben nach Corona entwickeln wird, ist noch ungewiss. | Foto: Michael Heim – stock.adobe.com

Von Jonas Raab

ELTVILLE/REGENSBURG. Die Welt steht Kopf, immer noch. Es gibt keinen Lebensbereich, den das Coronavirus nicht in irgendeiner Form tangiert. Greifbar wird das in der Stadt – insbesondere in den Wintermonaten, wenn Ladentüren geschlossen bleiben, Büros verwaisen und Flatterband die Spielplätze säumt. Bisher hatten derlei Einschnitte immer ein Ablaufdatum und sollen in Zukunft – so zumindest der Plan – durch zwei, drei Pikser überflüssig werden. Wie früher wird das Leben trotzdem nicht mehr. Die Schulen werden ihre neuen Tablets nicht in den Schrank räumen, wenn Inzidenzen keine Rolle mehr spielen. Die Unternehmen werden ihre hybriden Arbeitsmodelle nicht einstampfen, wenn die Impfdebatte vergessen ist. Und auch die Städte werden nicht mehr dieselben sein, wenn das letzte „Abstand halten“-Schild verräumt ist. Was bleibt?

Corona hat die Vorteile des Lebens in der Stadt – Gastronomie, Shopping, Kultur- oder Freizeitangebote – zeitweilig nichtig gemacht. Deshalb gewinne das „Superlokale“, also der Park zwei Straßen weiter, der kleine Laden in der Nachbarschaft oder die Änderungsschneiderei in der unmittelbaren Umgebung, immer mehr an Bedeutung, analysiert Nina Pfuderer, Redakteurin beim Zukunftsinstitut mit Sitz in Frankfurt am Main. Das wiederum befeuere Trends wie die 15-Minuten-Stadt. Das stadtplanerische Modewort beschreibt einen segmentierten und dezentralisierten Raum, der es ermöglicht, alle notwendigen Bereiche des täglichen Lebens innerhalb von 15 Minuten zu erreichen. Das bedeutet: Jedes Stadtviertel muss wie eine eigene kleine Stadt funktionieren.

Zu diesem Schluss kommt auch Professor Dr. Tobias Just, wissenschaftlicher Leiter der IREBS Immobilienakademie mit Sitz in Eltville, in seiner neuen Studie „Europäische Städte nach Corona“ – wenngleich er den Begriff der 15-Minuten-Stadt für unpassend hält. „Eine Großstadt, in der man alles innerhalb einer Viertelstunde erreichen kann, wird es nie geben. Eigentlich geht es um 15-Minuten-Quartiere. Und davon braucht man mehrere“, erklärt er. Die IREBS-Studie widerlegt die vielzitierten Thesen – sie waren auch in dieser Serie Thema –, wonach die Pandemie Stadtflucht begünstige oder zum Sterben der Innenstädte führe. Vielmehr hole Corona einige Aspekte mittelalterlicher Städte zurück und forme auf diese Weise etwas Neues, beschreibt Just. Wie das aussehen wird, erklärt er im Interview.

Interview

Die urbane Zukunft profitiert von der Pandemie

Professor Dr. Tobias Just, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der IREBS Immobilienakademie, erklärt im Interview, warum die Harte Zäsur durch Corona auch ein heilsamer Schock für die Stadtplanung sein könnte.

Hier geht’s zum Interview …