Wettbewerb
26. Juli 2021 6:05  Uhr

Mit fünf Euro zum eigenen Unternehmen

So nachhaltig wie noch nie präsentierten sich die sieben Teams des „5 Euro Business“-Wettbewerbs bei der Abschlussveranstaltung, die in diesem Jahr erstmals rein virtuell stattfand. Am Ende setzte sich ein Koffein-Kaugummi durch.

Bastian Graßl, Anja Kügel, Johannes Vogl und Peter Schöberl (v. li.): Das Team der Kickgum GbR setzte sich mit seiner Geschäftsidee durch: Ein Kaugummi auf Basis nachhaltiger Materialien soll den leistungssteigernden Kick für den Alltag bringen. Foto: privat

Von Stina Walterbach

REGENSBURG. Mit kleinem Geld zum eigenen Business, das ist die Idee hinter dem „5 Euro Business“-Wettbewerb des Bildungswerks der bayerischen Wirtschaft, der jungen Gründern die Möglichkeit gibt, in sicherem Rahmen ihre Idee auszutesten und Unternehmerluft zu schnuppern. Insgesamt sieben Teams stellten sich bei der ersten rein virtuellen Abschlussveranstaltung Anfang Juli dem Urteil der Jury.

Nachhaltigkeit als verbindendes Element

Die Palette der Geschäftsideen war breit und reichte vom Kunstverleih über einen Onlinemarktplatz für faire und nachhaltige Produkte aus der Region bis hin zum Smart-Home-System made in Regensburg. Eines war aber allen gemeinsam: Nachhaltig musste es sein. Dafür gab es in diesem Jahr auch zum ersten Mal auch einen eignen Preis, den von der IT Heroes GbR gesponserten Sustainability Award.

Reparieren statt verschrotten

Der mit 500 Euro dotierte Preis ging an die „Radl Madln GbR“ für ihre Geschäftsidee, gebrauchte Fahrräder vor der Verschrottung zu retten, aufzubereiten und wieder zu verkaufen. Mit ihrer Idee waren die „Radl Madln“ alias Leonie Lösel und Pia Roidl sogar doppelt erfolgreich und belegten auch noch den zweiten Platz im Gesamtranking, was ihnen ein zusätzliches Preisgeld in Höhe von 600 Euro einbrachte. Bei den beiden Gründerinnen, die sich erst zu Beginn des Wettbewerbs kennengelernt haben, war die Freude über die besondere Auszeichnung natürlich groß. Die Preisgelder wollen sie vor allem in Ersatzteile und gebrauchte Räder investieren, um die steigende Nachfrage bedienen zu können. „Ich habe schon als Kind wahnsinnig gern an Fahrrädern rumgeschraubt. Und nachdem uns in Regensburg schon mehrere Fahrräder gestohlen worden sind, mussten wir irgendwie Ersatz beschaffen“, sagt Pia Poidl. Beiden habe der Wettbewerb viel gebracht und sie würden jedem raten, mitzumachen. „Nicht so viel an der Planung hängen oder überlegen, ob das was wird oder nicht, sondern einfach mal machen und anfangen“, sagt Leonie Lösel.

Brücke zwischen den Generationen

Der dritte Platz ging an das fünfköpfige Frauenteam „Brücke der Generationen GbR“ mit seiner sozialen Geschäftsidee einer Non-Profit-Organisation, die engagierte Studierende und alleinlebende Senioren zusammenbringt. „Wir sind sehr glücklich, dass wir mit unserem sozialen Entrepreneurship den dritten Platz belegen konnten, weil wir der Meinung sind, dass so etwas in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger wird“, sagt Paula Kramer, eine der Gründerinnen von „Brücke der Generationen GbR“. Der mit 150 Euro dotierte Medienpreis ging an das Team „Joy from Soy GbR“, das seine ganz besonderen Duftanhänger vor allem über Social Media bekannt machen konnte.

Mit einem Koffein-Kaugummi zum Sieg

Auf dem digitalen Siegertreppchen landete das Team „Kickgum GbR“, das durch seine innovative Idee, einen Kaugummi mit Funktionalität zu verbinden, überzeugte. Es sei nicht nur die Geschäftsidee allein, die beim „5 Euro Business“-Wettbewerb zähle, erklärte Professor Dr. Hermann Raab von der OTH Amberg-Weiden, die in diesem Jahr zum ersten Mal auch am Regensburger Standort des Wettbewerbs vertreten war. „Wir Jurymitglieder mussten uns auch mit der Dokumentation, dem Geschäftsbericht, dem Zahlenwerk und mit den jeweiligen Videopräsentationen auseinandersetzen. Eines der Teams kann einen riesigen Markt, nicht nur in der Oberpfalz, beliefern und hat es auch geschafft, seine Geschäftsidee in ausgezeichneter Art und Weise zu dokumentieren“, so die Laudatio für das Team der „Kickgum GbR“.

Ein Nischenprodukt mit Zukunftspotenzial

In der heimischen Küche hatten die Studierenden einen Kickgum aus Chicle – dem weißen klebrigen Pflanzensaft einer mittelamerikanischen Baumart – und natürlichem Koffein entwickelt, der leistungssteigernd wirkt. Für diese Idee gab es 800 Euro Preisgeld und die Hoffnung, dass das Team sein Produkt bis zur Marktreife bringt. Der funktionale Kaugummi sei ein Nischenprodukt mit viel Zukunftspotenzial, weil die Nachfrage nicht nur nach Kaugummis, sondern auch nach Nahrungsergänzungsmittel steige, so die Gründer. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Nachhaltigkeit. „Der Klimawandel und der damit notwendige Klimaschutz hat für uns hohe Priorität. Daher haben wir uns entschieden, ein Produkt aus ausschließlich nachhaltigen Zutaten zu entwickeln. Denn herkömmlicher Kaugummi enthält Plastik und ist tatsächlich die zweithäufigste Art von Müll auf der Welt“, schreiben die Studenten in ihrem Geschäftsbericht. Ob es für sie am Ende weitergeht, könnten sie allerdings nicht mit Sicherheit sagen: „Eine Ausgründung ist ein langer Prozess, das haben wir im Wettbewerb gelernt, und sie zieht auch Vieles nach sich“, sagt Anja Kügel. Nun gelte es als nächstes zu klären, wie sich das verwirklichen lasse und ob man jemanden finde, der die Kaugummis dann auch wirklich herstellt. Der Preis sei aber auf jeden Fall eine gute Motivation.

Dass der Wettbewerb nicht nur reines Planspiel ist, sondern Sprungbrett für das eigene Unternehmen sein kann, zeigen ehemalige Wettbewerbsteilnehmer wie der Regensburger Onlineshop Labelbird, die Komm-gut-Heim-App oder gravurhoch2. Sie alle konnten durch die Teilnahme am Wettbewerb viel lernen und sind heute erfolgreiche Unternehmer.