Nachhaltigkeit
8. Februar 2021 6:00  Uhr

Mit Strom aus der Wüste Aluminium schmelzen

Mit Solarenergie hergestelltes Aluminium deckt nahezu die Hälfte des jährlichen Bedarfs der Leichtmetallgießerei der BMW Group Werk Landshut. Es wird zu Karosserie- und Antriebskomponenten weiterverarbeitet.

In der Leichtmetallgießerei der BMW Group Werk Landshut wird das mit Sonnenstrom produzierte Aluminium zu Komponenten für Karosserie und Antrieb weiterverarbeitet. | Foto: BMW Group Werk Landshut


MÜNCHEN/LANDSHUT. Die BMW Group bezieht ab sofort Aluminium, für dessen Herstellung Strom aus Sonnenenergie zum Einsatz kommt. Damit möchte der Automobilhersteller seinem Unternehmensziel, die CO2-Emissionen im Lieferantennetzwerk bis 2030 um 20 Prozent zu senken, näherkommen, heißt es in der Presseinformation. Da die Herstellung von Aluminium energieintensiv ist, habe der Einsatz von Grünstrom – wie beispielsweise Solarstrom – hier erhebliches Potenzial. Daher plane die BMW Group auch langfristig, mit Grünstrom hergestelltes Aluminium zu beziehen. Das CO2-Einsparpotenzial beträgt nach Unternehmensangaben rund 2,5 Millionen Tonnen CO2, was circa 3 Prozent der selbst gesetzten CO2-Ziele für das Lieferantennetzwerk entspricht.

Grünstrom aus der Wüste

Langjähriger Primäraluminium-Lieferant der BMW Group ist Emirates Global Aluminium (EGA). EGA setzt als erstes Unternehmen der Welt auch Solarstrom für die kommerzielle Produktion von Aluminium ein und liefert dieses zunächst exklusiv an die BMW Group. Den Strom für die Produktion bezieht EGA aus dem Mohammed Bin Rashid Al Maktoum Solarpark in der Wüste außerhalb von Dubai. Betreiber des Solarparks, der in seiner Endausbaustufe der größte der Welt werden soll, ist die Dubai Electricity and Water Authority. Sie lässt den nachhaltig erzeugten Strom durch Dritte zertifizieren und liefert ihn somit nachverfolgbar und transparent an EGA.

Das Aluminium wird in der Leichtmetallgießerei des BMW-Werks Landshut zu Karosserie- und Antriebskomponenten weiterverarbeitet, die beispielsweise auch für Elektroantriebe benötigt werden. Mit 43.000 Tonnen im Wert eines dreistelligen Millionen-Euro-Betrags deckt der Bezug des Solar-Aluminiums nahezu die Hälfte des jährlichen Bedarfs der Leichtmetallgießerei im Werk Landshut ab.

Innovative Fertigung in Landshut

Sie ist der größte Produktionsbereich des Landshuter BMW-Werks und die einzige Fertigungsstätte für Leichtmetallguss der BMW Group europaweit. Im vergangenen Jahr fertigten die über 1600 Mitarbeiter der Gießerei 2,9 Millionen Gusskomponenten. Zum Produktionsumfang zählen Motorkomponenten wie Zylinderköpfe und Kurbelgehäuse, Komponenten für elektrische Antriebe oder großflächige Strukturbauteile für die Fahrzeugkarosserie.

Die Leichtmetallgießerei zählt zu den modernsten Gießereien weltweit und wurde bereits im Dezember 2019 für ihren nachhaltigen Einsatz von Aluminium zertifiziert. Sie erfüllt die Standards der Aluminium Stewardship Initiative (ASI), einer internationalen, gemeinnützigen Organisation, die von Umwelt- und Industrieverbänden, Nichtregierungsorganisationen, Aluminiumproduzenten sowie verarbeitenden Unternehmen getragen wird. Die ASI hat das Ziel, den Beitrag von Aluminium zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu maximieren, und definiert Nachhaltigkeitskriterien für eine ökologisch und sozial verantwortungsvolle Aluminium-Wertschöpfungskette. Durch diese Initiative erhielt die BMW Group nach Prüfung durch eine unabhängige dritte Partei die Bestätigung, dass die Leichtmetallgießerei bewusst und verantwortungsvoll mit dem Werkstoff Aluminium umgeht.

„Unsere Leichtmetallgießerei in Landshut war und ist Pionier, Innovationen und Nachhaltigkeit gehen bei uns seit jeher Hand in Hand“, sagt Dr. Stefan Kasperowski, Leiter BMW Group Standort Landshut. Und er ergänzt: „ Im Jahr 2010 waren wir weltweit die erste emissionsfreie Gießerei, die mit formgebenden Sandkernen arbeitete. Durch die Verwendung anorganischer Bindemittel konnten wir schon damals die Emissionen aus Verbrennungsrückständen um 98 Prozent reduzieren. Nun verwenden wir mit Grünstrom hergestelltes Aluminium. Auf diesen deutlichen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen sind wir stolz.“ (wz)