Interview
18. Juni 2020 6:00  Uhr

Mut und Zuversicht in ungewissen Zeiten

Der bekannte Neurowissenschaftler und Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Volker Busch sprach kürzlich per Business-Stream-Vortrag im Wirtschaftszeitung Businessclub. Im Gespräch mit der Wirtschaftszeitung verrät er, wie man in ungewissen Zeiten Zuversicht und Hoffnung gewinnen kann.

Sein Thema und seine Leidenschaft ist das menschliche Gehirn: Neurowissenschaftler Dr. Volker Busch überträgt in seinen Vorträgen wissenschaftliche Erkenntnisse auf den beruflichen und privaten Alltag. Foto: Dr. Volker Busch/Petra Homeier Fotografie

Von Robert Torunsky


REGENSBURG. Der Vortrag „Mut ist machbar! Hoffnung und Zuversicht gewinnen in ungewissen Zeiten“ von Dr. Volker Busch beschreibt die neurowissenschaftlichen und psychologischen Grundlagen der Emotionen hinter der Pandemie. Was bedeutet Hoffnung und Zuversicht in Krisenzeiten? Wie entwickelt man Mut, wenn man sich für hasenfüßig hält? Wie geht man mit einem Angstgefühl um, das man nicht ignorieren oder unterdrücken kann? Auf diese und viele weitere Fragen rund um den Umgang mit Belastungen und Möglichkeiten nachhaltiger Krisenbewältigung gibt Dr. Volker Busch Antworten in seinem Vortrag.

Herr Doktor Busch, Sie sprachen kürzlich im Wirtschaftszeitung Businessclub über das Thema „Mut ist machbar“. Worum ging es in dem Vortrag?

Dr. Volker Busch: In einer Zeit wie der jetzigen, die von sehr viel Unsicherheit, Ängsten und einer gewissen Ungewissheit hinsichtlich der Zukunft  geprägt ist, ist es wichtig, den Mut nicht zu verlieren und konstruktiv nach vorne zu schauen. In dem Vortrag möchte ich zeigen, was mutig sein bedeutet und was man selbst dazu beitragen kann. Ich möchte Mut machen, mehr Mut zu entwickeln. Es gibt beim Thema Mut unheimlich viele Missverständnisse, beispielsweise, dass Mut zur DNA eines Menschen gehört, also ob man ihn hat oder eben nicht. Das ist aber nicht der Fall: Menschen unterscheiden sich zwar durchaus hinsichtlich ihrer Menge an Mut, aber weniger mutige Menschen können durchaus sehr mutig handeln, weil diese Eigenschaft auch entwickelbar ist.

Wie schafft man das?

Mutig zu sein bedeutet nicht, ein Held sein zu müssen. Heldentum wird in unserer Zeit gerne mit Mut assoziiert. Stattdessen ist Mut ein Prozess, der sich in uns abspielt, ein Lern- und Entwicklungsprozess. Es geht darum, den Mut zu haben, mutiger zu werden. Das Bild vom Superhelden schreckt viele eher ab, da die assoziierte  Benchmark aus dem Marvel-Universum unerreichbar ist. Mut ist aber nicht nur Tapferkeit, Kühnheit oder Wagemut, sondern auch Beherztheit und der Umgang mit seinen Ängsten. Mut bedeutet auch, die Wahrnehmung für seine Umwelt zu schärfen, also aufmerksam zu sein. Und schließlich gehört zum Mutigsein auch, den persönlichen Einflussbereich zu erkennen,  den Bereich, in dem man handeln kann. Um diese drei Bereiche geht es in meinem Vortrag.

Gerade in der aktuellen Zeit der Coronakrise müssen sich viele Unternehmen, aber auch Menschen neu ausrichten, um zukunftsfähiger zu werden. Wie geht man dabei am besten vor?

Die Tendenz, die wir Menschen haben, ist ja die, dass wir, wenn wir ein Problem haben, uns sehr stark auf dieses Problem fokussieren. Das ist auch verständlich, denn wir wollen ja eine Lösung dafür finden. Wenn die Intensität dieser Fokussierung aber zu stark ist, verpassen wir möglicherweise Chancen, die sich uns bieten. Bei diesem Tunnelblick wird die Wahrnehmung dann zu stark verengt und alles um uns herum verschwindet im Dunklen. Das sollte nicht passieren und wir können das tatsächlich auch beeinflussen. Für einen Unternehmer ist es trotz der Krise und den vielfältigen Problemen wichtig, dass er sich genügend Zeit, Geld und Möglichkeiten schenkt, die Wahrnehmung zu weiten. Er sollte sich inspirieren lassen und sich in seiner Fokussierung nicht nur den Problemen widmen. Letzteres halte ich für einen großen Fehler. Ein Problembewusstsein ist wichtig, keine Frage, aber die angesprochene Inspiration eben auch. Man ist geneigt, in der Krise alles eng zu halten und die Zügel anzuziehen. Aus Controlling-Sicht ist das nachvollziehbar, aber frischen Wind in das Unternehmen zu bringen und Chancen in der Krise zu erkennen, ist enorm wichtig.

Was könnte ein Ansatz sein?

Etwas flapsig formuliert: Da der Karren ohnehin bereits im Dreck steckt, sorge ich als Unternehmer erst recht dafür, dass ich mir neue Leute und Ideen ins Boot hole, Mitarbeitern Weiterbildungen erlaube und dass ich etwas ausprobiere und mich vielleicht sogar in Einbahnstraßen begebe. All das fällt schwer, da wir von einer ungemein effizienten Schadensbegrenzungsmentalität getrieben werden. In Krisenzeiten werden Unternehmen in der Regel wie Excel-Tabellen geführt: sehr sauber, sehr präzise und sehr kostenorientiert. Die Wissenschaft beweist aber, dass gerade in Krisenzeiten der Mut, etwas auszuprobieren, langfristig der bessere Weg ist. Denn in Zeiten, in denen alles gut läuft, werden diese Prozesse – häufig aus Bequemlichkeit – in der Regel nicht angestoßen, da die Notwendigkeit nicht gesehen wird.

Nehmen Sie diesbezüglich bereits ein Umdenken wahr?

Es gibt durchaus einige Unternehmer, die sich von dem Gedanken lösen, nur die Pfründe sichern zu wollen, und neue Produkte und Dienstleistungen anbieten. Die sind häufig auch die erfolgreicheren Unternehmer. Denn trotz der Krise gibt es ja weiter Kunden, die Produkte und Dienstleistungen benötigen. Der Bedarf ist da, aber die Bedürfnisse haben sich verändert.

Sind Sie auch der Meinung, dass die Coronakrise und ihre Folgen vielfach Prozesse vorweggenommen haben, die früher oder später, beispielsweise aufgrund der Digitalisierung oder eines veränderten Kundenverhaltens, ohnehin auf die Unternehmer zugekommen wären?

Absolut. Man sollte dies aber nicht als Tritt in den Hintern verstehen, sondern besser als Magneten, der einen anzieht. Wenn man aus dem Druck einen Sog macht, dann wirkt das schon ganz anders.

Hier geht’s zum aufgezeichneten Vortrag…

Hier geht’s zur Zusammenfassung des Vortrags…

Weitere Informationen zum Referenten sowie seinen Seminaren und Vorträgen gibt es auf www.drvolkerbusch.de.

Zur Person

Dr. Volker Busch

Dr. Volker Busch nimmt sein Publikum als Speaker mit auf eine spannende Reise durch die Welt von Geist und Gehirn – auf Augenhöhe, mit viel Humor und immer mit direktem Transfer in unser berufliches und privates Leben. Die Bereiche Gesundheit, Leistung, Motivation und Inspiration stehen dabei im Mittelpunkt. Der Neurowissenschaftler und Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie gibt seinen Zuhörern wertvolle Strategien und konkrete Tipps mit auf den Weg: Wie schaffen wir es, unser Gehirn in hochdynamischen Zeiten der Digitalisierung gesund und leistungsstark zu halten?

Foto: Dr. Volker Busch/Petra Homeier Fotografie