Krisenmanagement
12. Juni 2020 6:00  Uhr

Mutmacher: mit neuen Ideen durch die Krise

Corona ist für die meisten Firmen eine gigantische Herausforderung. Ostbayerns Unternehmer zeigen, wie sie durch die Krise navigieren oder sogar aktiv beim Kampf gegen das Virus helfen.

In der Gastronomie läuft das Geschäft nach dem Shutdown erst langsam und dazu unter erschwerten Bedingungen wieder an. Unterdessen können neue Geschäftsideen helfen, bei den Gästen präsent zu bleiben. | Foto: annacovic – stock.adobe.com

Von Julia Kellner

REGENSBURG. Die deutsche Wirtschaft leidet. Corona hat das Geschäftsleben teilweise komplett lahmgelegt. Selbst nach den Lockerungen der Beschränkungen sind die Folgen enorm: wenige Kunden, geringe Umsätze, hohe Fixkosten. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, ist Unternehmergeist gefragt. Längst gehen Ostbayerns Firmen neue Wege, die Mut machen. Ob Onlinekurse oder Lieferangebote – sie haben Geschäftsfelder entwickelt, die das wirtschaftliche Überleben in der Krise sichern und auch für die Post-Corona-Zeit vielversprechend sind. Produktinnovationen helfen, ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Drei Regensburger Unternehmer zeigen ihre kreativen Ideen.

Der Online-Rhythmus, bei dem man einfach mitmuss

Bewegung tut gut, in Krisenzeiten vielleicht mehr denn je. „Die Kursteilnehmer genießen es, sich einmal in der Woche nur auf ihren Körper zu konzentrieren und alles andere zu vergessen“, sagt Heidi Huber. Mit ihrem Tanzstudio Kotch & Rhapsody bietet sie seit Mai ein neues Format: Tanzunterricht für daheim via Live-Streaming. Die Idee dazu hatte sie schon lange, die Corona-Pandemie wirkte nun aber wie ein Beschleuniger. Weil Einnahmen aus Schnupperstunden, Einzelstunden und dem Verkauf von Wertkarten derzeit fehlen, sei es wichtig, die Umsatzeinbußen nicht noch größer werden zu lassen: „Mit dem Onlineangebot bieten wir insbesondere unseren Abo-Zahlern ihre Kursstunden“, erklärt Huber.

Schon seit Eröffnung ihrer Tanzschule arbeitet sie mit einem Preissystem, das ihr in der aktuellen Krise zugutekommt und gleichzeitig den Kursteilnehmern maximale Flexibilität bietet. So könnten Tanzbegeisterte beispielsweise Wertkarten vorab kaufen und jederzeit einlösen. Der digitale Unterricht wirke sich auch positiv auf die Personalkosten aus: So wurden etwa Kursstunden mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen zusammengefasst und zeitlich gekürzt, um den Trainingsbedingungen zu Hause gerecht zu werden. Online sei zudem die Zahl der Kursteilnehmer unbegrenzt. „Kurse, die normalerweise dreimal pro Woche stattfinden, konnten wir zu einem Termin bündeln.“ Selbst wenn nun wieder Kursstunden im Tanzstudio möglich sind, will Huber an dem Onlineangebot festhalten. So kämen auch Tanzfans, die in ländlichen oder anderen Regionen wohnten, in den Genuss eines professionellen Tanzunterrichts von Regensburgs hauptberuflichen Tänzern.

Wirtshaus-Atmosphäre für zu Hause

Für Wohlbefinden in der Krise will auch Alexander Hofmann sorgen. Der Geschäftsführer der Regensburg Events GmbH, unter anderem Caterer im Jahnstadion Regensburg, hat zusammen mit seinen Geschäftspartnern der Unternehmensgruppe Deutsch Gastro Betriebe GmbH & Co. KG kurzerhand einen Lieferdienst auf die Beine gestellt. Seit Ende März bringt der Regensburg Lieferservice etwas Wirtshaus-Atmosphäre vom Ratskeller, dem Weißbräuhaus oder dem Augustiner nach Hause oder in die Firma. Dass Hofmann nicht auf bestehende Lieferdienstleister zurückgreift, hat einen Grund: „Mit unserem eigenem Lieferangebot machen wir uns unabhängig von vorgegebenen Lieferzeiten“, sagt Hofmann. Nur so sei sicher, dass die frisch gekochten bayerischen Speisen auch genauso ankommen.

Dass mit dem Lieferangebot samt umfassenden Hygienemaßnahmen fast kein Geld verdient wird, sei kein Geheimnis. „Was uns fehlt, sind die Getränkeumsätze“, erklärt Hofmann. Dennoch setzt der Gastronom auf das Lieferangebot, um seinen mehr als 70 Angestellten in Kurzarbeit eine Perspektive zu bieten. Daneben sieht Hofmann darin auch ein Marketinginstrument: „Wir erreichen neue Zielgruppen.“ Langfristig verspricht er sich auch Synergieeffekte: Für das Catering bei Feierlichkeiten könnten Kunden einfach aus der Speisekarte des Lieferdienstes wählen, ohne ein Angebot anfordern zu müssen.

Mithilfe der Physik den Viren den Kampf angesagt

Damit neben der Gastronomie auch alle anderen Branchen und Lebensbereiche möglichst bald wieder ein Stück zurück in die Normalität finden, setzt das Regensburger Start-up Dyphox mit dem gleichnamigen Produkt derweil auf einen physikalischen Effekt: Ein photodynamischer Katalysator wird als Zusatz Oberflächenlacken oder -farben beigemischt oder im Nachhinein aufgetragen und durch Licht angeregt. So entsteht eine dünne Schicht aus aktiviertem Sauerstoff. „Die Zahl der Viren auf der behandelten Oberfläche wie etwa Türgriffen reduziert sich um 99,99 Prozent – und das bis zu einem Jahr lang“, erklärt Dyphox CEO Xaver Auer.

Ursprünglich gegen Krankenhauskeime entwickelt und seit 2019 auf dem Markt, helfe Dyphox als präventive Maßnahme nun im Kampf gegen die Coronapandemie. Nach einer erfolgreichen Feldstudie sei Dyphox bereits am Universitätsklinikum Regensburg, im Technologie- und Gründerzentrum Biopark Regensburg und in den Regensburger Stadtbussen im Einsatz. Auch außerhalb der Region setze man auf Dyphox: So habe etwa die Ruhrbahn in einigen Bussen sowie Straßen- und U-Bahnen alle Oberflächen damit behandelt. Laut Auer ist die Technologie für alle Bereiche des öffentlichen Zusammenlebens sinnvoll einsetzbar: in Bürogebäuden, in der Gastronomie oder auch in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. In Kliniken oder Pflegeheimen entlaste das Mittel langfristig sogar das Pflegepersonal.

Kampf gegen Corona

Sollbruchstelle für Keime aller Art

Mit seinem gleichnamigen Produkt leistet das Regensburger Start-up Dyphox einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus. Dafür wurden die Regensburger bereits für den Innovationspreis der Wirtschaftszeitung nominiert.

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