Innovationspreis: Monatssieger Oktober
12. November 2020 6:05  Uhr

Nachhaltige Mauerziegelproduktion

Die weltweit erste Ziegelrecyclinganlage von Leipfinger-Bader entlastet nicht nur Deponien und Bauherren, sondern sorgt mit der Wiederverwertung von Ressourcen auch für einen geschlossenen Rohstoffkreislauf.

In der neuen Recyclinganlage im niederbayerischen Puttenhausen werden Ziegelbruch und Dämmstoffe getrennt und anschließend wiederverwertet. | Foto: Leipfinger-Bader

Von Robert Torunsky

VATERSDORF/PUTTENHAUSEN. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) hat in seinem Bericht „Abfallwirtschaft in Deutschland“ mineralische Abfälle als größten Abfallstrom in der Bundesrepublik aufgelistet. Das jährliche Aufkommen der Bau- und Abbruchabfälle ist mit mehr als 275 Millionen Tonnen so groß, dass Deponien diese bisweilen nicht mehr annehmen können. Die Folge: Das Material muss auf Lastwagen geladen und zu mitunter weit entfernten Deponien mit freien Kapazitäten gefahren werden. Erhöhte Kosten für den Bauherrn und eine zusätzliche Umweltbelastung zu den bislang achtlos weggekippten 58,5 Millionen Tonnen rein an Bauschutt pro Jahr sind die Konsequenz.

Der Verschwendung den Kampf angesagt

„Eine gigantische Verschwendung von Ressourcen“, findet Thomas Bader, Inhaber und Geschäftsführer von Leipfinger-Bader. Seine Ziegelwerke mit Stammsitz in Vatersdorf im Landkreis Landshut begegnen diesem Problem mit einer weltweit einzigartigen Anlage: Am Unternehmensstandort in Puttenhausen im Landkreis Kelheim werden seit dem Frühjahr 2020 bei Neubauten anfallender Ziegelbruch sowie Reste von verfüllten und unverfüllten Ziegeln aufbereitet. Die Anlage, die nach einem einjährigen Testlauf vom Landratsamt genehmigt wurde, soll einen geschlossenen Rohstoffkreislauf bei den Produkten des Unternehmens ermöglichen. „Wir sehen den Mauerziegel auch über seine erste Lebensphase hinaus als wertvolle Materialressource. Deshalb haben wir nach einer Lösung gesucht, die hochwertigen Bestandteile, die in den Ziegelresten aus Baustellenabfällen und auch aus Produktionsbruch stecken, zu erhalten und in einer wirtschaftlich sinnvollen Weise weiter zu nutzen“, sagt Bader. „Gleichzeitig lösen wir damit ein Kundenproblem. Denn seit 2018 sind Verarbeiter per Gewerbeabfallverordnung aufgefordert, Abfälle sortenrein zu trennen und zu entsorgen.“

Schritt hin zur Kreislaufwirtschaft

Fünf Jahre hat das in fünfter Generation geführte Familienunternehmen von der Vorplanung bis zur Inbetriebnahme in die Innovation investiert. In der Recyclinganlage werden die Ziegel zunächst mittels Separatorschaufel aufgebrochen, anschließend erfolgt am Windsichter die Trennung der Materialien. Zuletzt wird eine weitere Fraktionierung mittels Siebtechnik vorgenommen. So entsteht das Material, das zum Beispiel bei der Begrünung von Flachdächern, im Straßenbau oder bei Tennisplätzen Verwendung findet. Die Dämmstoffe aus verfülltem Ziegel – ob mineralisch gefüllte Unipor-Mauerziegel oder Ziegel mit Füllung aus sortenreinen Nadelholzfasern – werden ebenfalls vollständig recycelt und wieder der Produktion zugeführt. „Leipfinger-Bader kann seine Kunden durch das Rücknahmesystem hinsichtlich der Entsorgung von Ziegelresten auf den Baustellen entlasten. Gleichzeitig werden wertvolle Rohstoffe im Sinne der Kreislaufwirtschaft durch die Aufbereitung in den Produktionskreislauf zurückgeführt und tragen so zur Schonung der natürlichen Ressourcen bei“, erklärt Firmenchef Bader. Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch längst nicht erreicht: In Zukunft soll auch Material aus Gebäudeabrissen recycelt werden.

Herausforderung der sortenreinen Trennung

Auch die Anlage selbst werde sowohl in puncto Effizienz als auch hinsichtlich der technischen Möglichkeiten sowie des Arbeits- und Umweltschutzes kontinuierlich weiterentwickelt. Seit der Inbetriebnahme wurde das Aussortieren von Eisenmetallen verbessert, die Ausbeute durch die Optimierung der Siebfraktionen sowie die Reinheit des rückgewonnenen Coriso-Granulats durch Nachrüsten eines Prallabscheiders und einer zusätzlichen Siebanlage erhöht. Auch die Staubentwicklung im Außenbereich wurde durch Einhausungen weiter reduziert. „Weitere Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der Anlage sehen wir in der Sortierung von Ziegelbruch aus Abbruchmaterial“, berichtet Thomas Bader. Hier liege die besondere Herausforderung in der Erkennung und der automatischen, sortenreinen Trennung der Einzelkomponenten wie Ziegel, Mörtel oder Gips.