Reisen
16. Oktober 2020 6:00  Uhr

Nachhaltigkeit als Chance für den Tourismus

Die Unesco-Welterbestadt Regensburg setzt für den Wirtschaftsstandort auf die nachhaltige Form des Tourismus und möchte damit die Mitarbeiter der Branche und die Kunden ins Boot holen.

Es muss nicht immer das Auto sein: Auch für Radler ist Regensburg ein attraktives Ausflugsziel. Foto: Stefan Gruber

Von Gerd Otto

REGENSBURG. „Wir sind derzeit damit beschäftigt, zu überleben“: So drastisch formulierte Kathrin Fuchshuber als Repräsentantin der Hotelbranche in der Domstadt die aktuellen Auswirkungen der Coronapandemie auf ihre Branche. Dennoch zeigten sich zum Start der Nachhaltigkeitsoffensive des Regensburg Tourismus doch alle Akteure darin einig, wie bedeutsam dieses Thema gerade für eine Unesco-Welterbestadt ist. Während Sabine Thiele, Geschäftsführerin der Regensburg Tourismus GmbH (RTG), schon lange auf die besondere Verantwortung für eine nachhaltige Tourismusentwicklung verweist, brachte es Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer auf den Punkt: „Die Wirtschaft unseres Jahrhunderts wird grün sein – oder gar nicht mehr.“

Teil der Lösung sein

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung einer Initiative, an deren Ende 2022 die Verleihung des renommierten Tourcert-Siegels an Regensburg stehen soll, erinnerte der Leiter des Referats Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen Prof. Dr. Georg Stephan Barfuß an das beängstigende Bevölkerungswachstum auf diesem Globus: Wenn die schon bald zehn Millionen Menschen auf diesem Planeten so leben wollten, wie wir dies aktuell tun, bräuchte man eigentlich drei Erden. Und so rief Prof. Barfuß alle Partner dieses Prozesses auf, ein Teil der Lösung zu sein.

Mehrfach ausgezeichnet

Wie Maltz-Schwarzfischer erklärte, setze sich die städtische Tochtergesellschaft RTG deshalb bereits seit Jahren ganz speziell für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit ein. Dafür sei man etwa 2019 zum zweiten Mal in Folge mit der international anerkannten Green-Globe-Zertifizierung ausgezeichnet worden. Aber auch der ADAC Tourismuspreis Sonderpreis Bayern habe den Tourismusverantwortlichen Mut gemacht, ihr ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept für die Veranstaltungsdestination Marinaforum weiterzuentwickeln. Grundsätzlich gilt bei all diesen Maßnahmen im Übrigen die paritätische Finanzierung: 50 Prozent der erforderlichen Mittel sind öffentliche Gelder, 50 Prozent kommen aus der Tourismuswirtschaft.

Erlebnisse verkaufen

Und wie können sich die Bürger, die Menschen rund um die nachhaltige Destination Regensburg als „Teil der Lösung“ begreifen? Nach Auffassung von Georg Stephan Barfuß müsse es für die Tourismusbranche gerade in einer Welterbestadt darum gehen, Erlebnisse zu verkaufen. „Vielleicht sogar ein gutes Gewissen.“ Freilich führe diese Strategie, also die „Story Nachhaltigkeit“ ohne die Kunden nicht zum Ziel. Deshalb sollte man, so Marco Giraldo, Geschäftsführer von Tourcert, jede Form des Nachhaltigkeitsmanagements nicht als zusätzliche Last, sondern als Chance betrachten, um Mitarbeiter zu begeistern und zu binden und vor allem Kunden zu gewinnen.

Im Kerngeschäft verankern

Die Zertifizierung durch Tourcert ist partnerschaftlich aufgebaut und verläuft in verschiedenen, aufeinander aufbauenden Schritten, worüber die Teilnehmer in einem Workshop informiert wurden. Konkret ging es um den Prozess der Zertifizierung und was es bedeutet, Partnerbetrieb der Destination zu werden. Bereits im Forum hatte René Skiba, Geschäftsführer Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald, über seine Erfahrungen mit dem Zertifikat berichtet. Prinzipiell, so Tourcert als eine weltweit führende Agentur für die Beratung und Prüfung nachhaltiger Tourismusprojekte, müssen die zertifizierten Unternehmen Kriterien der Nachhaltigkeit in ihrem Kerngeschäft verankern und sich verpflichten, ihre Nachhaltigkeitsleistung kontinuierlich zu verbessern.