Interview
8. April 2022 5:58  Uhr

Neue Impulse für die Gründerszene

Dr. Veronika Fetzer tritt eine Professur an der TH Deggendorf an, bleibt aber gleichzeitig auch Leiterin der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz. In ihrer neuen Aufgabe sieht sie eine Win-win-Situation für die hiesige Gründerszene.

Veronika Fetzer hat ab 1. April die Professur für „Economy of Scale“ inne. Foto: Robert Torunsky

Von Robert Torunsky

Frau Fetzer, zum 1. April 2022 übernehmen Sie die Professur des Fachgebiets „Economy of Scale“ am Bayerischen Innovations Transformations Zentrum Oberschneiding und lehren in dieser Funktion an der Fakultät „Angewandte Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen“ der Technischen Hochschule Deggendorf. Auf was freuen Sie sich?

Dr. Veronika Fetzer: Ich freue mich auf spannende neue Kontakte und Möglichkeiten, speziell auf den internationalen Austausch, den das Silicon Valley Program an der TH Deggendorf bietet. Dieses Programm in Kooperation mit der Santa Clara University in Kalifornien vermittelt Tools, Methoden und Prozesse zur erfolgreichen Transformation und Markteinführung von Erfindungen. Wir haben in Deutschland viele Ideen. Vom Know-how, wie wir diese auch an den Markt bringen, können wir uns von den USA noch einiges abschauen. Ich werde Anfang April auch selbst ins Silicon Valley reisen und bin mir sicher, dass ich viel Input zurück nach Deutschland mitbringen werde.

Wie sieht Ihre Tätigkeit aus?

Am BITZ in Oberschneiding gibt es drei Neuprofessuren und ich habe eine davon, für das Lehrgebiet „Economy of Scale“. Dort werden Teams dabei unterstützt, ein skalierbares Geschäftsmodell aufzustellen, stark zu wachsen und auch internationale Märkte zu erschließen. Sie werden mit einem hochkarätigen Netzwerk aus qualifizierten Mentoren, potenziellen Kunden sowie Entwicklungspartnern vernetzt. Die Teams, die am Ende des Programms qualifiziert sind, reisen ebenfalls ins Silicon Valley, um dort vor Netzwerkpartnern und Investoren zu pitchen.

Werden Sie Ihre Leitungsfunktion bei der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz an der Techbase dann überhaupt noch ausüben können?

Ja, ich werde DGO-Leiterin bleiben, aber die Stunden reduzieren müssen, ansonsten wäre das nicht möglich. Wir haben durch Corona bemerkt, dass wir uns stärker fokussieren müssen: In der Vergangenheit waren unsere Maßnahmen schon ziemlich eventlastig. Die sind – ob in Präsenz oder zuletzt verstärkt auch digital – auch weiterhin sehr wichtig, wir benötigen aber eine viel stärkere Betreuung der Gründer. Das bauen wir aktuell auf.

Erhoffen Sie sich auch Impulse für Ihre Tätigkeit in Regensburg?

Absolut. Neben der persönlichen Weiterentwicklung werde ich in meiner neuen Position auch viele neue Kontakte knüpfen können. Durch die enge Verzahnung mit anderen Gründerökosystemen, speziell dem US-amerikanischen, erhoffe ich mir neue Impulse für Ostbayern, die wir hoffentlich auch direkt in die Tat umsetzen können, da ich glaube, dass wir das ganz dringend benötigen.

Wir haben in Deutschland viele Ideen. Vom Know-how, wie wir diese auch an den Markt bringen, können wir uns von den USA noch einiges abschauen.

Was zeichnet Start-ups aus?

Start-ups werden gegründet, weil innovative und mutige Menschen Angebotslücken sehen oder sich eine tolle Innovation haben einfallen lassen, die sie in ein Geschäftsmodell transferieren möchten. Sie haben einen erheblichen Anteil an neuen Ideen. Wer bei uns ein Start-up gründet, der hat Mut, der beißt sich durch und geht definitiv aus der Komfortzone raus.

Wo hat die Gründerszene in Deutschland Verbesserungsbedarf?

Ein großes Problem sehe ich in dem Streben nach Perfektion. Ich habe manchmal den Eindruck, dass unsere Gründer sich im Vergleich mit anderen Ländern schwerer tun, mit ihrer Idee rauszugehen und sich das nötige Feedback zu holen – von Initiativen, von Mentoren, aber auch von potenziellen Kunden. Oft fehlt auch die Sensibilisierung dafür, dass das Gründerteam entsprechend aufgestellt sein muss, nämlich heterogen. Dies gilt im Übrigen nicht nur für deutsche Gründerteams, sondern auch für am Markt etablierte Unternehmen. Das erachte ich im Prozess als mindestens genauso wichtig wie eine patentierte Geschäftsidee. Es gibt Gründer, die haben tolle technische Lösungen, aber es fehlen die Mittel und Wege, sie tatsächlich und erfolgreich in den Markt zu bringen. Da gibt es Gründerökosysteme, von denen wir uns was abschauen können und auch sollten.

In den USA heißt es, dass man mindestens dreimal gescheitert sein muss, bevor man als erfolgreich angesehen wird. In Deutschland gibt es diese Kultur des Scheiterns ja nicht. Ist das ein Problem?

Ja, das denke ich schon. Ich wünsche mir mehr Mut: rausgehen, ausprobieren und entspannter damit umgehen, wenn etwas nicht funktionieren sollte. Die Lerneffekte sind durchaus bei anderen Ideen und deren Realisierung hilfreich. Darauf zielt ja die angesprochene Gründerweisheit aus den USA auch ab.

Von Gründern wird auch sehr häufig die enorme Bürokratie in Deutschland als Hemmschuh angesehen.

Der Bürokratismus, speziell in der Antragsphase, schreckt definitiv ab. Es ist für Gründer sehr schwierig, sich einen Überblick über die Fördermittel und wie sie vergeben werden zu verschaffen. Mit niedrigeren Einstiegshürden würden auch mehr Leute gründen, da sie schneller loslegen könnten und sich weniger Gedanken machen müssten. Ansonsten versanden einfach viele Ideen. Zudem muss an den Schulen auch das Thema MINT gestärkt werden, da hinken wir einfach hinterher.

Veronika Fetzer

Veronika Fetzer ist Leiterin der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz und Gründerförderung an der Techbase Regensburg. Zuvor war sie bei der Unternehmensberatung Icondu und der Universität Regensburg im Bereich Innovations- und Technologiemanagement angestellt. Zum 1. April 2022 übernimmt sie die Professur des Fachgebiets „Economy of Scale“ am Bayerischen Innovations Transformations Zentrum (BITZ) Oberschneiding. In dieser Funktion lehrt sie an der Fakultät „Angewandte Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen“ der Technischen Hochschule (TH) Deggendorf.