Immobilienmarkt
20. November 2020 6:00  Uhr

Neues Maklergesetz sorgt für Diskussionen

Ab dem 23. Dezember wird die Verteilung der Maklercourtage beim Kauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen neu geregelt. Kritiker sagen, das neue Gesetz sei gut gemeint, aber nicht gut gemacht.

Die Maklercourtage zwischen Käufer und Verkäufer aufzuteilen, das klingt fair. Doch das neue Gesetz wird von Experten unterschiedlich bewertet. | Foto: sodawhiskey – stock.adobe.com

Von Robert Torunsky

REGENSBURG/WACKERSDORF/GEISLINGEN. Schöne Bescherung, unausgegorener Kompromiss oder sinnvolle Regelung? Die Meinungen über das am 23. Dezember in Kraft tretende „Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser“ könnten kaum unterschiedlicher sein. Das hängt mit den Bundesländern, den Märkten und auch den Geschäftsmodellen der Makler zusammen.

Prof. Dr. Stephan Kippes, Professor für Immobilienmarketing und Maklerwesen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen, hat sich in einer aktuellen Studie auch mit dem neuen Gesetz befasst. Die Mehrheit der im kostenlos erhältlichen „Marktmonitor Immobilien 2020“ befragten Immobilienprofis, der zusammen mit Immowelt Research aufgelegt wurde, geht davon aus, dass die Neuregelung starke Auswirkungen auf den deutschen Immobilienmarkt haben wird. Diese sorgt künftig für die Verteilung der Maklercourtage beim Verkauf von Einfamilienhäusern, einschließlich solchen mit Einliegerwohnung, und Eigentumswohnungen.

Eine „Milchmädchenrechnung“

Die Maklercourtage kann fortan nicht mehr vollständig dem Käufer aufgebürdet werden, wenn der Verkäufer den Makler beauftragt hat. Die paritätische Teilung der Provision, die zukünftig wohl zum Standard werden wird, fand bei den Befragten der Studie bislang nur in einem Viertel der Fälle statt. Wolfgang Herzog, Geschäftsführer bei HSI Regensburg, hält „relativ wenig davon, dass vonseiten des Staates ständig eingegriffen wird“. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern sieht der erfahrene Makler in Bayern keinerlei Bedarf für eine Nachjustierung. „Der Gesetzgeber hat das grundsätzlich wohl gut gemeint, aber selten ist gut gemeint auch gut gemacht. Wenn der Verkäufer, zumal in angespannten Märkten, zur Kasse gebeten wird, schlägt er das auf den Verkaufspreis drauf und so erhöhen sich automatisch auch die Grunderwerbsteuer und die Kaufnebenkosten“, erklärt Herzog. „In diesen Fällen wirkt sich das unterm Strich also nicht kaufpreisdämpfend aus, sondern das Gegenteil ist der Fall. Die gerechte Aufteilung ist also eine Milchmädchenrechnung.“

Aus seiner Sicht verfehlt das Gesetz das Ziel, private Käufer von Wohnimmobilien von Kaufnebenkosten zu entlasten. Viele Studienteilnehmer sehen das ähnlich: „Die Nebenkostenfaktoren könnten sich durch die Einpreisung von Verkäuferseite sogar erhöhen. Ergo gehen viele Immobilienvermarkter davon aus, dass neben den Maklern vor allem die Käufer zu den Verlierern des neuen Rechtsrahmens gehören werden“, sagt Kippes.

Vernünftiger Kompromiss

Doch es gibt auch andere Stimmen. Melanie Hanauer, Immobilienkauffrau und Fachwirtin bei Baumgärtner & Duscher Immobilien GmbH in Wackersdorf, begrüßt das Gesetz. Ihr seit 28 Jahren hauptsächlich im Landkreis Schwandorf tätiges Unternehmen setzt bei der Preisermittlung auf Marktwertgutachten. „Ich finde, dass es eine sehr faire Lösung ist. Der Immobilienmakler vertritt beide Parteien als Vermittler. Das führt zu vernünftigen Preisen und geteilten Kosten“, sagt Hanauer.

Kippes, neben seiner Lehrtätigkeit auch Pressekontakt des Immobilienverbands Deutschland (IVD) Süd, bilanziert: „Das Gesetz hätte besser sein können, aber ich denke, es ist noch ein vernünftiger Kompromiss.“ In umkämpften Märkten wie München oder Stuttgart, in denen sich die Makler um Objekte rangeln, stünden die Verkäufer allerdings oft auf dem Standpunkt, dass sich die Makler ihre Provision teilweise oder sogar ganz von der anderen Seite holen sollen. „Dann muss man dem Anbieter klarmachen, dass für ihn entscheidend ist, was letztendlich übrig bleibt, also Einnahme minus Maklerprovision“, sagt Kippes.

Die Mehrheit der in seiner Studie befragten Immobilienprofis gehe davon aus, „dass das neue Gesetz nicht die erwünschte Lenkungswirkung entfaltet, zumal andere Nebenkostenfaktoren wie Grunderwerbsteuer, Notargebühren oder Katasterkosten nicht angetastet werden“.
Dieser Meinung ist auch Wolfgang Herzog, der eine andere Variante für deutlich geeigneter hält. „Ein ehrlicher Ansatz wäre ein Steuerfreibetrag auf die Erstimmobilie bis zu einer bestimmten Grenze. Das würde beispielsweise jungen Familien deutlich mehr bringen als die neue Gesetzesregelung.“

Interview

Der Markt wird professionalisiert

Melanie Hanauer, Immobilienkauffrau und Fachwirtin bei Baumgärtner & Duscher Immobilien in Wackersdorf, erklärt im Interview, warum sie das neue Gesetz für eine faire Lösung hält – und für einen Schritt zu vernünftigen Preisen.

Foto: Baumgärtner & Duscher

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Interview

Steuerfreibetrag auf Erstimmobilie wäre ein ehrlicher Ansatz

Wolfgang Herzog, Geschäftsführer bei HSI in Regensburg, sieht die Neuregelung der Maklercourtage kritisch. Generell hält er „relativ wenig davon, dass vonseiten des Staates ständig eingegriffen wird“. Foto: Marco Schmid

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Interview

Das Gesetz ist ein vernünftiger Kompromiss

Prof. Dr. Stephan Kippes, Professor für Immobilienmarketing und Maklerwesen an der HfWU Nürtingen-Geislingen, hat sich in seiner Studie „Marktmonitor Immobilien 2020“ mit der neuen Regelung zur Maklercourtage befasst.

Foto: HfWU Nürtingen-Geislingen

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