Bioökonomie
20. Januar 2021 6:05  Uhr

Ökologische Alternativen zum Plastik

Bayern hat seine Strategie als Bioökonomiepionier vorgestellt. Dabei sollen nachhaltige Rohstoffe wie Holz, Stroh und Löwenzahn fossile Produkte ersetzen. Der Freistaat möchte europaweit Maßstäbe setzen.

Wie die britische Fachzeitschrift „Nature“ sowie „Time“ im Dezember meldeten, überlagern seit diesem Jahr erstmals die von Menschen erstellten Materialien wie Gebäude, Straßen, Kunststoffe, Glas oder Metalle die weltweite Biomasse. Um eine neue Form des Wirtschaftens zu etablieren, ist es also bereits fünf vor zwölf. Foto: marina_larina – stock.adobe.com

Von Oxana Bytschenko

MÜNCHEN/OSTBAYERN. Bayern möchte nicht auf Vorgaben der Europäischen Union warten, sondern selbst voranschreiten – diesmal im Bereich Bioökonomie. Das Ziel dabei sei es, so Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bei einer Pressekonferenz Ende November, „die Transformation in der Wirtschaft und in der Gesellschaft nachhaltig zu gestalten“. Die Strategie wurde in Zusammenarbeit mit dem Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern und Vertretern aus Land- und Forstwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft entwickelt. Mehr als 300 Akteure waren dabei beteiligt und haben am Ende 50 Maßnahmen definiert.

Das Potenzial des Löwenzahns

Es gehe sicherlich nicht darum, das Rad komplett neu zu erfinden, so Aiwanger weiter, sondern auf bewährte Dinge zu setzen, die in Vergessenheit geraten seien. So könne die Wirtschaft nachwachsende Alternativen zu Plastik und anderen ölbasierten Produkten finden. Statt weiter die Plastikbeutel in den Supermärkten zu verwenden, die bald im Müll landen, seien Alternativen möglich, die regional hergestellt werden können. „Wir werden bald eine Plastiklösung in Straubing vorstellen“, sagte Aiwanger. Auch im Bereich E-Fuels sehe Bayern viele mögliche Anwendungen, wie etwa Armaturenbretter aus nachwachsenden Rohstoffen oder Kautschuk aus Löwenzahn. „Jetzt geht es konkret darum, diese Produkte in den Kreislauf zu bringen. Ein Weg sind die Verbote der ölbasierten Produkte, dann sind auch viele nachhaltige Geschäftsmodelle denkbar“, erklärte der Wirtschaftsminister.

Die Kombination von Hightech und natürlichen Rohstoffen

„Bioökonomie verbindet Hightech mit natürlichen Rohstoffen“, sagte Professor Dr. Volker Sieber. Der Sprecher des Sachverständigenrates und Gründungsrektor des TUM Campus Straubing sprach von der biologischen Transformation, die sowohl für den Klimaschutz als auch für die Wirtschaft eine große Chance bedeute. „Holzbauten, Biomasse sowie Kunststoffe, bei deren Herstellung kein oder weniger CO2 freigesetzt wird, tragen zum Klimaschutz bei.“ Für die Wirtschaft sei es außerdem enorm wichtig, die Rohstoffe im eigenen Land zu erzeugen. „Mit modernen Methoden der chemischen Industrie können wir einen Rohstoffwandel erreichen“, erklärte Sieber. Nicht zuletzt, weil weltweit der Druck auf fossile Quellen zunehme, müsse die heimische Wirtschaft Alternativen finden. „Dazu brauchen wir neue Verfahren und Anlagen, aber später kann dieses neue Know-how in andere Länder exportiert werden“, erklärte der Professor. „Das mag im ersten Moment etwas teurer sein, aber langfristig und mit Folgekosten ist es volkswirtschaftlich die bessere Alternative.“ Durch die Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe könne auch der ländliche Raum gestärkt werden, was wiederum die Städte entlasten würde.

Verpackungen aus Stroh

Patricia Eschenlohr, Gründerin des Bio-Start-ups Landpack, erklärte Beispiele für alternative Verpackungen. Ihr Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Isolierverpackungen aus Stroh und Hanf und ersetzt damit Styropor, um Lebensmittel oder Medikamente gekühlt oder tiefgefroren zu transportieren. „Dadurch reduzieren unsere Kunden massiv ihren CO2-Fußabdruck“, sagte sie. Stroh ist ein landwirtschaftliches Nebenprodukt und im Überfluss vorhanden. „Pro Jahr fallen in Bayern 8,5 Millionen Tonnen Stroh an, bereinigt bleiben drei Millionen Tonnen für industrielle Zwecke übrig. Dabei würde ein Prozent des weltweiten Strohvorkommens ausreichen, um alle Verpackungen zu ersetzen“, erklärte Eschenlohr. Zudem sei es ein echtes Kreislaufprodukt. Für die Gründerin hat die Verpackungsbranche enorme Hebel, um eine Wirkung in der Wirtschaft und in der Gesellschaft zu hinterlassen.

Mit den neuen Geschäftsmodellen könnten sich viele Chancen für die heimische Land- und Forstwirtschaft ergeben, ist sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sicher. „Aber wir können es nicht allein stemmen, deshalb versuchen wir, alle Ministerien für das Thema Bioökonomie zu begeistern“, sagte er. Obwohl Bayern bereit sei, voranzugehen, müssten sowohl Bund als auch EU sich beteiligen.