Interview
28. Juni 2020 12:56  Uhr

Onsite und online sinnvoll verbinden

Die beiden Geschäftsführer der Nürnberg Messe GmbH, Dr. Roland Fleck und Peter Ottmann, plädieren für ein intelligentes Verzahnen konventioneller und digitaler Angebote.

Die Geschäftsführer der Nürnberg Messe GmbH Dr. Roland Fleck (li.) und Peter Ottmann (re.) | Foto: Ralf Rödel

Von Gerd Otto

Herr Doktor Fleck, Herr Ottmann, welche Innovationen werden auch nach Corona bleiben?

Dr. Roland Fleck: Unser Ziel ist es, die ideale Verbindung von „online“ und „onsite“ zu schaffen. Denn bei der Digitalisierung von Messen und Kongressen und der Transformation unseres Geschäftsmodells geht es nicht um ein Entweder-oder. Vielmehr geht es darum, das analoge Messerlebnis mit der entsprechenden digitalen Erweiterung intelligent zu verknüpfen. Wichtige, bereits vor der Coronapandemie eingeleitete Schritte werden nun noch entschlossener angegangen. So nutzten Aussteller und Besucher bereits vor Corona digitale Plattformen der Nürnbergmesse zum Wissensaustausch und zum Netzwerken. In Zukunft werden wir konsequent hybride Angebote für Aussteller und Besucher schaffen.

Könnten denn rein virtuelle Messen ein Zukunftskonzept für die Nürnberg Messe sein?

Peter Ottmann: Dass rein virtuelle Messen erfolgreich stattfinden können, hat die Medtec live gezeigt, die Ende Juni in Nürnberg stattfand. Das Angebot haben rund 3000 Teilnehmer aus 62 Ländern genutzt. Aussteller konnten sich dabei mit einer umfassenden Profilseite und viel Content präsentieren, während vier parallele Vortragsstreams ein Non-stop-Fachprogramm ermöglichten. Das Wichtigste: Alle Teilnehmer konnten sich jederzeit untereinander zu 1:1-Video-Konferenzen verabreden und sich gegenseitig per Nachricht kontaktieren.

Und wie intensiv waren diese Kontakte?

Dr. Roland Fleck: Ungefähr 42.000 verschickte Nachrichten zwischen Teilnehmern, Referenten und Ausstellern sowie rund 3000 Video-Calls in den drei Tagen sind das beeindruckende Ergebnis dieser virtuellen Messe. Aussteller wie Besucher knüpften zahlreiche Neukontakte, auch wenn sich der Erstkontakt per Chat oder Video-Call bei Weitem nicht so intuitiv oder natürlich anfühlt wie das „Hallo“ am Messestand. Einen Vorteil hingegen bringen die virtuellen Vorträge und Diskussionsrunden mit sich: Alle Vorträge wurden aufgezeichnet und sind auf www.medteclive.com weiterhin online verfügbar.

Was bedeutet all dies für die künftige Präsentation der Nürnberg Messe?

Peter Ottmann: Da wir überzeugt sind, dass die ideale Verbindung aus „online“ und „onsite“ besteht, werden wir das erfolgreiche Marketinginstrument dahingehend anpassen und permanent neu ausrichten. Am Ende werden diese Entscheidungen somit immer unsere Kunden treffen und diese spiegeln uns aktuell sehr authentisch: Wir wollen uns – sobald es sicher und aufgrund der Reiserestriktionen auch möglich ist – wieder vor Ort treffen, weil für B2B-Messen dieses Live-Element eine sehr große Bedeutung hat. Gleichzeitig werden wir digitale Verbindungen zu unseren Kunden ausbauen.