Krisenmanagement
27. Mai 2020 6:00  Uhr

Oscarverdächtig: Kinos kämpfen ums Überleben

Schon vor Corona waren die Kinos bedroht, die aktuelle Lage hat ihre Situation noch einmal verschlechtert. Dennoch haben viele Betreiber kreative Lösungen gefunden, um der Krise zu trotzen.

Das Ostentor-Kino setzt zu Zeiten des Corona-Shutdown unter anderem auf Gutscheine und Kulturaktien. Foto: Robert Meindl

Von Veronika Weigert, Anna Schätzler und Oxana Bytschenko


OSTBAYERN. Die Starttermine der großen Blockbuster, die in den vergangenen Wochen über die Leinwände hätten flimmern sollen, wurden verschoben. Filme wie „James Bond“ oder die Realverfilmung von Disneys „Mulan“ gibt es erst im Herbst zu sehen. Das führt zu großen Umsatzeinbußen. Davon betroffen sind auch die Regensburger Kinos. Besonders die kleineren Kinos müssen sich über Wasser halten. Um die Zeit zu überbrücken, haben sich die Betreiber etwas einfallen lassen.

Gutscheine, Kulturaktien und Onlineshop

„Wir kommen irgendwie über die Runden“, sagt Robert Meindl vom Ostentor-Kino in Regensburg. Da es keine Einnahmen durch Kinobesucher gibt und hohe Kosten durch die Pacht anfallen, hat das Kino einen Onlineshop zur finanziellen Überbrückung auf seiner Homepage eingerichtet. „Hauptsache, man bleibt im Gespräch“, sagt Meindl. Im Shop gibt es unter anderem Kulturwertpapiere, die zum verbilligten Eintritt in die Sonderveranstaltungen des Kinos berechtigen, Postkarten und Kino- oder Kneipengutscheine. Die Kulturaktien stießen auf so große Resonanz, dass sie für kurze Zeit ausverkauft waren. Mittlerweile gibt es neue Aktien, passend dazu wurde der Onlinekiosk modernisiert. Für den Neustart findet er Konzepte gut, die von verschiedenen Kinobetreibern vorgeschlagen werden, wie das Freihalten einiger Plätze oder Reihen. „Das wäre wenigstens etwas“, sagt Meindl.

Allzweckwaffe Kinotaler

Das Garbo-Kino in Regensburg kann man unterstützen, indem man einen Kinotaler oder eine Kino-Scheckkarte kauft. „Beides wird gut angenommen“, sagt Betreiber Achim Hofbauer. Er hat auch finanzielle Soforthilfen bekommen. „Man muss sich um das Garbo-Kino keine Sorgen machen“, sagt er. Aber auch er wünscht sich, bald wieder aufsperren zu können. „Mir geht der Kontakt zu meinen Gästen ab“, sagt Hofbauer. Für die Zeit nach der Wiedereröffnung hat er sich bereits viele Gedanken gemacht. Indem man die Eingangs- und Saaltür öffnet, könnten Gäste zu ihren Plätzen gelangen, ohne etwas zu berühren. Auch bei den Sitzplätzen könne durch bestimmte Buchungen der Abstand eingehalten werden.

Förderung in der schweren Zeit

Aufatmen können die Kinos im Andreasstadel: Das Staatsministerium für Kultur und Medien fördert Kinos, die eine Auszeichnung für ein herausragendes Jahresfilmprogramm erhalten haben, mit 10.000 Euro pro Leinwand. „Wir gehören glücklicherweise zu diesen Kinos“, ist Florian Scheurer hörbar erleichtert. „Es beschäftigt uns zwar immer noch, aber wir können wieder beruhigter schlafen.“ Davor war es kritisch: Alle Kosten mussten so weit eingefroren werden, dass die Miete bezahlt werden konnte. „Wir haben einen tollen Kundenstamm, der uns in den vergangenen Wochen stark unterstützt hat“, sagt Scheurer.

Popcorn to go und Autokino

Kunden kommen zurzeit auch zum Cine-World in Cham, allerdings nur, um Popcorn und Nachos fürs Heimkino anzuholen. Das Kino hat eine Popcornpforte eingerichtet. Das Roxy-Kino in Abensberg nutzt die Zeit für den Neubau und ist auch sozial aktiv: Das Team gibt Masken und Gesichtsschilder gegen eine Spende aus und leitet diese an Bedürftige weiter. Das Kino in Schwandorf dagegen hat vor ein paar Tagen ein Autokino in Wackersdorf eröffnet und generiert auf diese Weise Einnahmen. Das Regina-Kino in Regensburg konnte mit dem Verkauf der Gutscheine das Gehalt seiner Mitarbeiter bezahlen. Das sind Studenten, die auf den Nebenverdienst angewiesen sind. Betreiber Oliver Goldermann geht außerdem davon aus, dass viele Leute nach Ende der Coronazeit nicht als erstes ins Kino wandern werden, sondern eher in die Biergärten.