Automation
14. August 2020 6:00  Uhr

Ostbayerns Hochschulen bündeln Expertisen

Verbundkonzepte und Kooperationen befassen sich immer mehr mit Automation und Robotik. Das Themenspektrum reicht von Sensorik über die Interaktion von Mensch und Maschine bis zu hybriden Prozessketten etwa für den Werkzeugbau.

SAPPZ-Leiter Prof. Rudolf Bierl (re.) erläutert Minister Bernd Sibler sein Labor. | Foto: OTH Regensburg/Diana Gäntzle

Von Gerd Otto

REGENSBURG/AMBERG/DEGGENDORF. Neun Forschungscluster sind es, die der seit 2013 bestehende Verbund der beiden Ostbayerischen Technischen Hochschulen Regensburg und Amberg-Weiden als wichtige Bausteine seiner Strategie bezeichnet. Eines davon ist Robotics and Big Data (RBD). Gerade auf diesem Feld habe man mittlerweile eine hohe Sichtbarkeit und Präsenz entwickelt, sagt Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg – unter anderem auch als Vorreiter für regionale Allianzen wie Internet und Digitalisierung in Ostbayern (INDIGO) oder die Digitale Gründerinitiative Oberpfalz (DGO). Die Robotik sei an der OTH Regensburg mit unterschiedlichen Technologien wie Sensorik, Aktorik, Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau prominent vertreten.

Sensorikkompetenzen gebündelt

Laut Prof. Dr. Andrea Klug, Präsidentin der OTH Amberg-Weiden, wird in den neun Clustern dem wissenschaftlichen Nachwuchs in Form von aktuell 21 Forschungsassistenzen die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung eingeräumt. Und Baier zeigt sich auch angesichts der Erfolge der ostbayerischen Hochschulen und Universitäten mit ihrer Verbundkooperation KI Campus Ostbayern beim bayernweiten Wettbewerb zur künstlichen Intelligenz sehr zufrieden: „Mit diesen KI-Professuren können wir für die Region Impulse setzen und den Ausbau des Regensburg Center of Artificial Intelligence RCAI der OTH Regensburg deutlich beschleunigen.“ Eine Förderung durch diesen KI-Wettbewerb erfuhr auch Prof. Dr. Rudolf Bierl, der wissenschaftliche Leiter des Sensorik-Applikationszentrums (SappZ). Dieses Labor der Fakultät Angewandte Natur- und Kulturwissenschaften der OTH vereint die Sensorikkompetenzen der gesamten Region und versteht sich als Bindeglied zwischen Forschung und Wirtschaft.

Mensch-Maschine-Interaktion

Im Labor Robotik der Fakultät Maschinenbau unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Thomas Schlegl beschäftigt sich die Regensburg Robotics Research Unit (RRRU) mit Entwicklungs- und Forschungstätigkeiten zur Regelung, Steuerung und Ertüchtigung von Robotersystemen für neue Anwendungen. Durch interne und externe Projekte mit verschiedenen Partnern wird hier eine ideale Verknüpfung von Lehre und Forschung geschaffen. Um eine intuitive und ergonomische Mensch-Maschine-Interaktion zu realisieren, setzt man auf das Prinzip „Operator in the Loop“ (OiL), das besagt, dass der Mensch ständig über die Aktionen des Systems informiert sein muss.

Im aktuellen Trend der Digitalisierung industrieller Prozesse liegt der an der Fakultät Maschinenbau der OTH Regensburg seit vielen Jahren angebotene Studiengang Produktions- und Automatisierungstechnik, der sich auch explizit mit Möglichkeiten und Anforderungen der „Industrie 4.0“ beschäftigt. Fast zeitgleich mit dem Beginn des Studiengangs Mechatronik wurde das Institut Mechatronics Research Unit (MRU) gegründet, das sich unter Leitung von Prof. Dr. Gareth Monkman inzwischen zu einem der größten Forschungsinstitute in der Region Regensburg entwickelt hat. MRU beschäftigt sich mit Robotertechnik und Automatisierung ebenso wie mit Messtechnik und Biomedizin und arbeitet eng mit Labors an der Universität Regensburg zusammen.

Intelligente und weniger intelligente Gegenstände

Auch die Universität, an der in erster Linie ja Grundlagenforschung betrieben wird, kann mit einem Forschungsprojekt aufwarten. Etwa zum Thema „Vernetzte Intelligente Gegenstände durch, auf und um interaktive Tische im Alltag“ (VIGITIA). In diesem Rahmen haben die Universität Regensburg, die Bauhaus-Universität Weimar und die Extend3D GmbH jetzt eine intelligente Lampe entwickelt, die Informationen und digitale Werkzeuge auf Esstisch, Schreibtisch oder Arbeitsflächen projiziert. Das System soll „intelligente“ und „weniger intelligente“ Gegenstände erkennen und in die Interaktion am Tisch integrieren – vom Smartphone bis zum Teelöffel.

Wie wichtig die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen an einer Hochschule sein kann, dafür ist das Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST) ein Beispiel. Hier wird Expertise an der Schnittstelle von Informatik, Technik und Medizin gebündelt. Wie können intelligente Robotersysteme Pflegebedürftigen dabei helfen, ein möglichst eigenständiges Leben zu führen? Zu dieser Fragestellung entstand an der OTH Regensburg das Forschungsprojekt „Dein Haus 4.0“ unter Leitung von Prof. Dr. Karsten Weber. Hier werden Telepräsenzroboter getestet, die durch Angehörige oder das Pflegepersonal gesteuert werden. Manche Geräte erkennen sogar, wenn ein Patient hilflos auf dem Boden liegt, und holen selbstständig Hilfe.

Hybride Prozessketten im Werkzeugbau

Mit zwei Projekten besonderer Art hat auch die Technische Hochschule Deggendorf zuletzt auf sich aufmerksam gemacht. „Elektromobilität, autonomes Fahren und mobile Robotik“ heißt ein Studiengang, der ab dem kommendem Wintersemester angeboten wird. Wie Prof. Dr. László Juhász erklärt, wende man sich damit an alle, die in einem der zukunftsträchtigsten Bereichen der Mobilität antreten wollen. Und mit dem Projekt „Intellitemp“ am Technologiecampus in Parsberg-Lupburg verfolgt die Hochschule das Ziel, ein neues Technologiekonzept zur Fertigung von Spritz- und Druckgusswerkzeugen zu entwickeln. Dabei sollen unter anderem der 3-D-Druck und herkömmliche Fertigungsschritte kombiniert werden. Schließlich zählen „hybride Prozessketten im Werkzeug- und Formenbau“ zu den Forschungsschwerpunkten in Parsberg. Partner sind hier die FIT AG, die Bock1 GmbH und die Sauer GmbH.

Gastbeitrag

Über Gesten und Sprache mit Kollege Roboter kooperieren

Mobile Roboter spielen in der Produktion eine immer wichtigere Rolle. In einem Gastbeitrag berichtet Dr. Peter Bruchner, Leiter der Abteilung Wirtschaft/Transfer der Bayerischen Forschungsstiftung, über die Arbeit des Forschungsverbands „FORobotics“ des Fraunhofer IGCV, an dem sieben Institutionen und industrielle Partner beteiligt waren.

Foto: Fotostudio Sauter

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