Bauwirtschaft
16. Mai 2022 6:01  Uhr

Preissprünge und Nachwuchs bereiten Sorgen

Zum Thema Bau gehören nicht nur große Bauunternehmen. Auch Handwerksbetriebe spielen in der Bauwirtschaft eine Rolle, die nicht hoch genug bewertet werden kann.

Nicht zuletzt die Präzision gehört zur Kompetenz des Bauhandwerks. Foto: Ingo Bartussek – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Im Gegensatz zu den Mitgliedsunternehmen des Bauindustrieverbands handelt es sich bei den vom Landesverband Bayerischer Bauinnungen vertretenen Firmen um überwiegend bauhandwerkliche Betriebe. Wie der Oberpfälzer Geschäftsführer Christian Huber erläutert, sind in dieser Kategorie allein für diesen Regierungsbezirk nicht weniger als 364 Unternehmen registriert, die ihre Leistungen im Hoch-, Tief- und Ausbaugewerbe anbieten. Als Gesamtumsatz geht man hier von einer Milliarde Euro im Jahr aus. Beschäftigt sind in diesen Unternehmen etwa 6800 Menschen mit einer jährlichen Lohnsumme von 200 Millionen Euro.

Bauhandwerk bildet 80 Prozent der gewerblichen Lehrlinge aus

Die Bauhandwerksbetriebe, auf diese Besonderheit etwa auch im Vergleich zu anderen Branchen verweist Christian Huber mit großem Nachdruck, bilden weit über 80 Prozent aller gewerblichen Lehrlinge aus und beschäftigten zuletzt exakt 72,5 Prozent aller am Bau tätigen Arbeitnehmer. Im bayerischen Bauhauptgewerbe gelten 65 Prozent der Firmen als Handwerksbetriebe, die für mehr als 75 Prozent der Produktion verantwortlich sind. Mit Blick auf eine Größenübersicht von SOKA-Bau, der Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft sowie der Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes, zeigt sich die Bauinnung Regensburg durchaus beeindruckt, dass 93 Prozent der Baubetriebe weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen. Über je 500 Beschäftigte sind deutschlandweit sogar nur in 15 Bauunternehmen tätig. Umso mehr würdigt Christian Huber als Repräsentant des Bauhandwerks die Tatsache, dass unter diesen deutschen Vorzeigeunternehmen etliche Firmen aus Ostbayern vertreten sind. Zu diesen Top 50 gehören Max Bögl in Sengenthal mit über 6500 Mitarbeitern, Gallinger in Zwiesel, Berger in Passau, Michael Klebl in Neumarkt, Markgraf in Bayreuth, Wolf System in Osterhofen und Josef Rädlinger in Cham mit einer Belegschaft von über 1500 Mitarbeitern.

„Baumeister gesucht!“

Gemeinsam, und dies bereits im Jahr 2016, haben die Verbände der Bayerischen Bauwirtschaft, also der Bauindustrieverband ebenso wie die Bauinnungen, die erfolgreiche Konzeption ihrer Nachwuchsaktion „Baumeister gesucht!“ auf die Zielgruppe der Jugendlichen an bayerischen Mittelschulen übertragen. Denn Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Unter dem Motto „Wir machen das“ sollen die Schüler deshalb über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten am Bau informiert und in ihrer Berufsorientierung unterstützt werden. Um den Jugendlichen typische Tätigkeiten verschiedener Bauberufe anhand von Praxisprojekten aufzuzeigen, werden die verschiedenen Projekte für die Dauer von ein bis drei Tagen direkt an der Schule durchgeführt. Durch die Unterstützung ortsansässiger Mitgliedsbetriebe, der sogenannten Paten, bekommen die Schüler – so das Konzept – aus erster Hand Informationen bezüglich der Anforderungen, Voraussetzungen und Karrieremöglichkeiten am Bau.

Bisherige Stoffpreisklauseln unwirksam

Neben diesen und weiteren Initiativen zur Fachkräftesicherung versucht der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) einem nicht minder schwierigen, derzeit aber geradezu dramatischen Aspekt zu begegnen. Angesichts der sich verschärfenden Lieferengpässe und sich daraus ergebenden eklatanten Preissteigerungen bei Baumaterialien mahnen die Verbände eine andere Form der vertraglichen Zusammenarbeit an, schließlich hätten sich die bisherigen Stoffpreisklauseln als unwirksam erwiesen. Man müsse, davon ist Christian Huber überzeugt, eine Klausel entwickeln, die die starken Preisschwankungen und Lieferengpässe auffängt. Die Ende März eingeführte „Preisgleitung“ für Stahl, Aluminium, Kupfer, Erdölprodukte, Harze, Zement, Holz und gusseiserne Rohre im Bereich Spezialerdbau betreffe nur den Bund. In Bayern bauen aber sehr viele Firmen für den Freistaat. Vor allem aber seien die Kommunen als sehr wichtiger Auftraggeber an diese Erlasse nicht gebunden, gibt Huber zu bedenken.