Nachhaltigkeit
29. November 2021 10:25  Uhr

Produkte mit Weitblick oder Greenwashing?

Der Begriff Nachhaltigkeit prägt immer mehr Lebensbereiche. In der Altersvorsorge spielte er bisher eher eine Nebenrolle, doch immer mehr Verbraucher zeigen Interesse an nachhaltiger Vorsorge.

Nachhaltigkeit liegt im Trend: Inzwischen reagieren auch die Versicherer darauf und bieten spezielle Produkte an. Foto: Dilok – stock.adobe.com

Von Mathias von Hofen

OSTBAYERN. Unter Nachhaltigkeit versteht man eine Wirtschaftsweise, die die Natur möglichst wenig belastet und die Ressourcen schont. Verschiedene Versicherer haben auf das Thema Nachhaltigkeit reagiert. So will sich die Münchener Rück am Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens orientieren. Und die Allianz versichert seit drei Jahren keine Kohlekraftwerke mehr.

Auch beim Thema Altersvorsorge en vogue

Nachdem sich die Versicherer zu Anfang vor allem auf nachhaltige Sachversicherungen konzentriert haben, bieten sie nun zunehmend auch nachhaltige Altersvorsorge an. Beispielsweise die Stuttgarter Lebensversicherung mit ihrer „Grünen Rente“. Die Stuttgarter betont, dass sie „fast viermal mehr Kapital in nachhaltige Anlagen investiert, als sich aus den Verträgen der Grünen Rente ergibt.“

Die Versicherungskammer Bayern bietet das Produkt „NachhaltigkeitInvest“ an. Dabei kann der Kunde aus einem umfangreichen Portfolio nachhaltiger Deka Investmentfonds wählen. Die „Bayerische“ hat für ihre nachhaltigen Versicherungen sogar eine eigene Tochter gegründet: „Pangaea Life“. Das Unternehmen bietet mehrere Produkte im Bereich der privaten Altersvorsorge wie die Basisrente oder die Plus-Rente an. Investiert wird unter anderem in regenerative Energien und nachhaltige Immobilien.

Trotz Trend zur Nachhaltigkeit besteht Nachholbedarf

Doch wie nachhaltig sind grüne Angebote der Versicherer wirklich? Die Berliner NGO Facing Finance hat Ende 2020 die Nachhaltigkeitsstandards deutscher Lebensversicherer untersucht. Julia Dubslaff, die die Bewertungen der Lebensversicherungen koordiniert, sieht die Resultate kritisch: „Regelungen zum Klimaschutz beschränken sich meistens auf den Ausschluss von Kohleunternehmen. Nicht mitgedacht werden andere Branchen wie Öl und Gas oder die Zement-, Luftfahrt- oder Automobilindustrie.“ Ähnliche Einschränkungen gebe es beim Thema Rüstung: Hier haben die Versicherungen beispielsweise keine Regelungen in puncto Waffenexporte aufgestellt. Und die Beiträge zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen würden eher in Richtung der eigenen Produktpalette ausgelegt.

SRI oder ESG als Gütesiegel

Bereits 2018 kam eine Studie der Ratingagentur „Oekom Research“ zum Ergebnis, dass keines der 130 untersuchten deutschen Versicherungsunternehmen wirklich nachhaltig sei. Auch wenn seitdem insgesamt ein Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei den deutschen Versicherern erkennbar ist, so gibt es doch noch Nachholbedarf. Besonders die Zahl der nachhaltigen ETFs, also nicht gemanagter Fonds, ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Dies liegt auch daran, dass sich ETFs generell bei den Verbrauchern steigender Nachfrage erfreuen. Allerdings ist nur ein Teil der ETFs wirklich nachhaltig. Nachhaltige ETFs enthalten in ihrer Bezeichnung meist einen Zusatz wie „SRI“ oder „ESG“. SRI steht für Socially Responsible Investment, also sozial verantwortungsvolle Kapitalanlagen, und ESG für Environmental Social Governance, also eine sozial und ökologisch ausgerichtete Unternehmensführung. Als Grundlage für nachhaltige ETFs dienen oft Indizes, beispielsweise der Dow Jones Sustainability World Enlarged Index. Er umfasst 550 nachhaltige Firmen weltweit. Der DAXglobal Alternative Energy Index bildet die Performance der weltweit 15 größten alternativen Energieerzeuger ab.

Oft nur schmückendes Beiwerk

Auch bei den gemanagten Fonds ist die Bezeichnung „nachhaltig“ oft nur schmückendes Beiwerk. Fonds, die sehr hohe ökologische und soziale Kriterien umsetzen, gibt es aber nur sehr wenige. Merten Larisch, Anlageexperte der Verbraucherzentrale Bayern: „Da gibt es nur zwei, drei Investmentfonds überhaupt auf dem Markt von insgesamt jetzt über 2000, die sich dieses Etikett auf die Fahne geschrieben haben.“