Interview
25. Dezember 2021 15:11  Uhr

Professionalität bringt Wettbewerbsvorteil

Alexander Schamriss, Vertriebsleiter bei Condor Multicopter & Drones GmbH, zu der auch die Drone Academy in München gehört, erklärt, was man für das Berufsbild Drohnenpilot mitbringen sollte.

Seit gut einem Jahr ist die Berechtigung zum Fliegen einer Drohne per EU-Verordnung geregelt. Wer das Drohnenfliegen zu seinem Beruf machen will, braucht einen „Drohnenführerschein“. Hier zu sehen: Alexander Schamriss beim Vorbereiten einer Drohne für den Flug. Foto: Condor Multicopter & Drones GmbH

Von Rebecca Sollfrank

Herr Schamriss, in welchen Bereichen werden professionelle Drohnenpiloten eingesetzt?

Alexander Schamriss: Die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig, denn inzwischen arbeiten sehr viele Branchen schon mit Drohnen. Das fängt an bei der Vermessungsfirma, geht über die Industrieinspektion und die Gutachterfirmen bis hin zum Handwerk oder der Landwirtschaft. Auch die Energiewirtschaft nutzt inzwischen die Drohnenperspektive. Und natürlich werden bei der Feuerwehr oder im Forschungsbereich Drohnen eingesetzt.

Den Drohnenpiloten kann man also mit Recht als neues Berufsbild bezeichnen?

Ja, das kann man, allerdings gilt das je nach Branche in verschiedenen Ausprägungen. Nicht jeder, der eine professionelle Drohnenausbildung hat, arbeitet unbedingt in Vollzeit an der Drohne. Aber jeder, der professionell mit einer Drohne arbeiten will, braucht einen EU-Drohnenführerschein. Wenn man den Drohnenpiloten zu seinem Hauptberuf machen möchte, etwa auf Basis einer Selbstständigkeit im Dienstleistungsbereich, ist es mit Sicherheit von Vorteil, zusätzlich in mehreren der konkreten Einsatzbereiche fachliche Expertise zu erwerben, zum Beispiel über Vermessung oder Thermografie. Mit dem reinen Geschäftsmodell Flugaufträge unterliegt man einem starken Preisdruck, weil es viele nebenberufliche Drohnenpiloten gibt, die das Preisniveau drücken. Wer sich in verschiedenen Einsatzbereichen weiterbildet und in professionelles Equipment investiert, hat hier einen Wettbewerbsvorteil.

Was macht eine hochwertige Drohnenausbildung aus?

Im gewerblichen Bereich müssen alle Zertifikate A1/A3 und A2 erworben werden. Dazu sollte der Fokus auf einer umfangreichen und professionellen Praxisausbildung liegen. Das ist zwar bis dato nicht vorgeschrieben – und stellt damit eine kleine Lücke im System dar –, ist aber für professionelle Dienstleister unumgänglich.

Wie werden sich aus Ihrer Sicht die Drohneneinsatzgebiete weiterentwickeln?

Vor allem in der Nutzlast und der Sensorik wird es eine starke Weiterentwicklung geben. Mit den Bestimmungen und Vorgaben an die Technik werden aber auch die Preise für die Hardware und die Zugangshürden steigen. Das könnte den positiven Effekt haben, den Markt der Drohnendienstleistungen weiter zu professionalisieren.

Worin liegt der besondere Reiz, professionell mit einer Drohne zu arbeiten?

Sicherlich nicht allein im Flugerlebnis. Vorplanung, Nachbearbeitung und Ergebnisaufbereitung erfordern weit mehr Aufwand als die reine Fliegerei. Aber gerade das macht es zu einer sehr interessanten Tätigkeit. Es gibt schon heute unwahrscheinlich viele Einsatzmöglichkeiten und unterschiedliche Anforderungen. Gerade diese Vielseitigkeit und weitere spannende Entwicklungen, die auf diesem Markt sicherlich zu erwarten sind, machen den Reiz aus.