Arbeitsmarkt
21. Februar 2020 12:53  Uhr

Schöne neue Arbeitswelt?

In den „Neuen Zwanzigern“ stehen dem Arbeitsleben einschneidende Veränderungen bevor. Der Handlungsbedarf ist groß.

Die Arbeitswelt wird sich in den „Neuen Zwanzigern“ entscheidend verändern. |Foto: goodluz – adobe.stock.com

Von Stefan Ahrens

REGENSBURG. Mit Blick auf die Arbeitswelt des kommenden Jahrzehnts sind viele Entwicklungen bereits seit Längerem absehbar. In den nächsten Jahren werden diese jedoch einen unumkehrbaren Scheitelpunkt erreichen. Ein Beispiel: Bis zum Jahr 2030 wird die gesamte Generation der „Babyboomer“ in den Ruhestand gegangen sein. Wie kann auf diesen sich ankündigenden Arbeitskräftemangel reagiert werden?

Ein Lösungsansatz besteht zumindest für die Industrie im Vorantreiben der Robotisierung und Automatisierung. Laut dem „Automatica-Trendindex 2020“ setzen bereits jetzt 77 Prozent der deutschen Unternehmen auf Roboter. „Besonders Ostbayern ist verhältnismäßig stark von der zunehmenden Automatisierung betroffen, da es hier eine hohe Konzentration der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe gibt“, sagt Michael Zankl, Technologie- und Netzwerkmanager im Beratungsbüro Cham des Bezirks Oberpfalz. „Die Robotisierung hat durchaus Potenzial, das Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten.“

In der Gesundheits- und Pflegebranche, in den MINT-Berufen, aber auch im Handwerk wiederum ist das verstärkte Anwerben von Fachkräften und eine koordinierte Arbeitsmigration erforderlich. „Der Fachkräftemangel wird laut Unternehmensbefragungen das größte Geschäftsrisiko der kommenden Jahre sein“, berichtet Regina Konle-Seidl vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). „Deshalb ist es unabdingbar, dass Deutschland attraktiver für ausländische Fachkräfte wird.“

Neben der Politik liegt es auch an den Unternehmen selbst, Fachkräfte erfolgreich anzuwerben und zu halten. Das Stichwort hierfür ist „New Work“: attraktive Arbeitsbedingungen, agile Arbeitsstrukturen und umfangreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Nicole Scheßl, Referentin Fachkräftesicherung bei der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, sagt: „Die Unternehmen, die an Strukturen und Arbeitsformen nachhaltig etwas verändern, können in den immer komplexeren Märkten wettbewerbsfähiger bleiben und sich damit ihre Innovationskraft sichern“.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt macht außerdem lebenslanges Lernen notwendig: „Lebenslanges Lernen muss für Arbeitskräfte aller Qualifikationsniveaus wie für Arbeitgeber zur selbstverständlichen und dauerhaften Investition werden“, sagt die Nürnberger Arbeitsmarktforscherin Dr. Katharina Dengler. „Deshalb müssen die Möglichkeiten zur Weiterbildung, Höherqualifizierung und Umschulung ausgebaut werden.“

Interview

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Das Arbeitsleben steht in der neuen Dekade vor einschneidenden Veränderungen. Für Björn Böhning (SPD), Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, liegt der Schlüssel zum Erfolg auch hier in stetiger Qualifizierung.

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