Vorsorge
28. Juni 2021 6:04  Uhr

Schweden forciert das Aktiensparen

Die Regierung investiert 2,5 Prozent des Monatslohns der Bürger automatisch in Vorsorgefonds. Dabei hat Schweden schon eine viel größere Aktionärsbasis und ein höheres Rentenniveau als die Bundesrepublik.

Trotz der Angst vor Altersarmut bilden laut „Risiko-Report“ des Max-Planck-Instituts rund 28 Prozent der Deutschen keine monatlichen Rücklagen für die private Altersvorsorge. | Foto: Zerbor – stock.adobe.com

Von Robert Torunsky

REGENSBURG/PARKSTEIN. Es war im Jahr 1986, als der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm auf einem Wahlplakat mit „Denn eins ist sicher: Die Rente“ zitiert wurde. Dieser Ausspruch wurde zum Sprichwort, das zumindest bis zum heutigen Tag, gut 35 Jahre später, augenscheinlich nichts an seiner Gültigkeit verloren hat. In Sicherheit sollte sich aber niemand wiegen: Berater der Bundesregierung haben rund drei Monate vor der Bundestagswahl eine Reform hin zur Rente mit 68 vorgeschlagen. Anlässlich seines neuen Gutachtens für das Bundeswirtschaftsministerium zur Zukunft der Rente drohen laut dem Wissenschaftlichen Beirat „schockartig steigende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025“. Nach geltender Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge ohnehin bereits bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Die Rente ist sicher – zu gering

Keine guten Nachrichten für viele Rentner, denn laut einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung erhielten männliche Rentner Ende 2019 durchschnittlich monatlich 1139 Euro in den alten und 1212 Euro in den neuen Bundesländern. Bei den Frauen ist das Niveau der Bruttorentenbezüge noch deutlich niedriger: Rentenberechtigte Frauen bekamen in den alten Bundesländern eine durchschnittliche Rente von 710 Euro, während Rentnerinnen in den neuen Bundesländern 1023 Euro erhielten. Die am 1. Juli 2020 vollzogenen Rentenerhöhungen lassen zwar für den durchschnittlichen Ruheständler weiterhin keine großen Sprünge zu, belasten aber die ohnehin immer leerer werdende Rentenkasse. Seitdem erhalten Rentner in den alten Bundesländern eine 3,45 Prozent und Rentner in den neuen Bundesländern eine 4,20 Prozent höhere Rente. 2021 soll es im Westen aufgrund der Coronakrise eine Nullrunde geben, während es im Osten eine Minierhöhung der Renten geben soll. Eine private Altersvorsorge ist angesichts dieser Beträge mittlerweile unumgänglich. Laut dem Risiko-Report des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung im Auftrag der Ergo-Versicherung tun dies jedoch immer noch viel zu wenig Bundesbürger: Obwohl 39 Prozent der Deutschen Angst vor Altersarmut hätten, bilde mit 28 Prozent gut jeder vierte Befragte monatlich keine Rücklagen für die private Altersvorsorge. Gerade bei jungen Menschen sei diese Zahl noch höher.

Königliches Aktienpaket

Schwedens Regierung hat sich dieses Problems bereits angenommen. In dem nordeuropäischen Königreich werden pro Monat direkt 2,5 Prozent vom Lohn abgezogen und automatisch in Vorsorgeaktienfonds investiert. Und dies, obwohl Schweden ohnehin schon eine viel größere Aktionärsbasis und ein höheres Rentenniveau als die Bundesrepublik besitzt. Ein Modell auch für Deutschland? Dominik Schoppe von der Telis AG in Regensburg hält nichts von einem gesetzlich verordneten Aktiensparplan. „Geldanlage ist ein sehr sensibles Thema. Die Entscheidung darüber, was mit dem Geld geschieht, sollte demjenigen überlassen werden, der täglich dafür arbeiten geht. Daher sind eine breite Aufklärung und gute Angebote wichtig und richtig“, sagt Schoppe. Der Investmentexperte sieht stattdessen in der betrieblichen Altersversorgung „ein hervorragendes Instrument, um staatlich geförderte“ Altersversorgung zu betreiben.

Ein guter Ansatz auch für Deutschland

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank in Frankfurt am Main (siehe Interview) und Matthias Herold, Direktor bei der Robert Beer Management GmbH in Parkstein, sehen die schwedische Lösung deutlich positiver. „Dies ist ein guter Ansatz und deutlich besser als die diversen staatlich begünstigten betrieblichen Altersvorsorgemodelle in Deutschland“, sagt Herold. In Deutschland fließe aktuell das Gros der Dividenden ins Ausland. „Sinnvoll wäre es daher, die Aktienquoten zu steigern, damit Gewinne auch in Deutschland bleiben und nicht auf Null-Prozent-Tagesgeldkonten“, sagt Herold. „Deutschland und auch wir in Ostbayern haben tolle Menschen, exzellente Unternehmen. Was kann also besser sein, als wenn den Mitarbeitern ein Stück des Unternehmens gehört?“

Interview

An den Schweden ein Beispiel nehmen

„Die Bürger sollten nicht weiter bestraft werden, indem sie sich Geld vom Mund absparen, in ihre Vorsorge investieren und später auf ihre Aktiengewinne auch noch Steuern zahlen müssen“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG.

Hier geht’s zum Interview …