Klimawandel
24. Dezember 2020 14:43  Uhr

Schwierige Aussichten fürs Klima

Die Coronapandemie bestimmt die Schlagzeilen, doch beim Klimawandel gibt es unterdessen keine Entwarnung. Die „neuen Zwanziger“ müssen sich dem Problem stellen: Spätestens im Jahr 2030 dürfte der Point of no Return erreicht sein.

Der Eisbär auf der schmelzenden Scholle wurde zum Symbol der Erderwärmung. Doch um deren Auswirkungen zu sehen, muss man längst nicht mehr an den Nordpol reisen. | Foto: Orlando Florin Rosu – stock.adobe.com

Von Stefan Ahrens

REGENSBURG. Zum Abschluss unserer Jahresserie über die Megatrends und Entwicklungen der „neuen Zwanziger“ geht es um eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Denn der Klimawandel bleibt trotz Corona eine Herausforderung für die ganze Menschheit.

Nur 13 von 200 Unterzeichnern werden verbindlich

Ziemlich genau fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass am 12. Dezember 2015 beinahe 200 Staaten den Entwurf für das Pariser Klimaabkommen absegneten. Das damalige Ziel: die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Gemessen am verabschiedeten Text und den damaligen Lobeshymnen fällt die Bilanz bis dato allerdings eher bescheiden aus. Im Prinzip sollten 2020 alle Staaten, die das Abkommen unterzeichnet haben, eine neue Erklärung zum geplanten nationalen Klimaschutz abgeben. Doch das haben gemäß dem „Climate Action Tracker“ erst 13 Länder getan, zum Beispiel Norwegen, Chile und die Mongolei. Viele andere, darunter Schwergewichte wie China und Indien, warten noch ab. Die USA sind inzwischen ohnehin aus der Vereinbarung ausgestiegen – und trotz des angekündigten Wiedereinstiegs Amerikas unter der neuen Administration dürfte der klimapolitische Handlungsspielraum des US-Präsidenten Joe Biden aufgrund gegenwärtig unsicherer Mehrheitsverhältnisse im US-Senat begrenzt bleiben.

Erfolg hängt nicht ausschließlich von den Industrieländern ab

Immerhin: Neben Deutschland kündigten rund 110 Staaten an, bis Mitte des Jahrhunderts die Emissionen der Treibhausgase auf null senken zu wollen. Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Schweden und Ungarn haben die „Nettonull“ sogar gesetzlich verankert – die einen 2045, die anderen 2050. China will angeblich bis 2060 so weit sein. Jedoch: Ein Erfolg der globalen Klimapolitik hängt nicht allein von den großen Industrieländern ab. Denn das Wachstum der Emissionen findet heute vor allem in asiatischen Entwicklungs- und Schwellenländern statt, die stark von der Kohleförderung abhängen. Experten schlagen deshalb vor, Zahlungen der internationalen Klimafinanzierung nicht mehr an konkrete Projekte zu binden, sondern frei zur Verfügung zu stellen. Als Gegenleistung sollte ein Empfängerland dann einen CO2-Preis einführen oder Subventionen für fossile Brennstoffe senken. Dr. Florian Hartig, Professor für Theoretische Ökologie an der Universität Regensburg, fordert: „Man muss sich gemeinsam an einen Tisch setzen und Lösungen aushandeln, die für alle Seiten akzeptabel sind.“

Interview

Einen „Klima-Impfstoff“ wird es nicht geben

Prof. Dr. Florian Hartig, Professor für Theoretische Ökologie an der Universität Regensburg, lässt im Interview keinen Zweifel: Beim Thema Klimakrise ist die Zeit für polemische Argumente vorbei. Stattdessen geht es darum, international gemeinsam Lösungen zu finden, die für alle akzeptabel sind.

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