Filmbranche
29. August 2020 6:03  Uhr

Echte Serienhits made in Bavaria

„Dark“, „Das Boot“, „Der Pass“: Bayerische Produktionsfirmen und Kreative helfen mit ihren Produkten sowohl Streamingdiensten wie Netflix als auch Pay-TV-Sendern wie Sky, den weltweiten Serienhunger zu stillen.

Die aus Bayern stammende Produktion „Dark“ wurde von den Lesern des Online-Portals „Rotten Tomatoes“ zur besten Netflix-Serie gewählt. | Foto: Netflix

Von Stefan Ahrens

MÜNCHEN. In Zeiten, in denen die Anzahl von TV-Sendern und Streaminganbietern stetig ansteigen, sind dem Fernsehserienkonsum keine Grenzen mehr gesetzt. Dies verdeutlicht eindrucksvoll eine Zahl aus dem vergangenen Jahr: 2019 wurden alleine in den USA durch die große Konkurrenz von TV-Sendern, Kabel- und Satellitenanbietern sowie Streamingdiensten wie Netflix, HBO, Hulu oder Amazon Prime 532 Fernsehserienstaffeln ausgestrahlt – ein neues Allzeithoch.

Bayern ist ein maßgeblicher Serienstandort geworden

Mit Blick auf die Rekordmenge an fiktionalem Serienstoff und den ständigen Markteintritt neuer Streamingdienste wie Disney+, Apple TV+, Joyn oder TV Now stellt sich die Frage: Wer soll beziehungsweise kann sich dies alles anschauen? Die Antwort: natürlich niemand! Die Verantwortlichen in den Sendern wie auch die Serienmacher stehen also vor der Herausforderung, ein mittlerweile äußerst verwöhntes Serienpublikum davon zu überzeugen, sich ausgerechnet für das eigene Produkt Zeit zu nehmen. Auch in Bayern. Denn was kaum jemand weiß: Auch hier wird erfolgreich im internationalen Seriengeschäft mitgemischt. Viele Serieninhalte, die im Freistaat konzipiert und erstellt werden, sind mittlerweile auch international äußerst gefragt und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Ein globales Phänomen

Der vermutlich größte internationale Erfolg einer deutschsprachigen und gleichzeitig aus Bayern stammenden Serie ist gegenwärtig die Netflix-Serie „Dark“: Die Science-Fiction-Serie wurde für den US-Streaminggiganten von der von Quirin Berg und Max Wiedemann geführten Produktionsfirma Wiedemann & Berg mit Sitz in München erstellt. Für Firmenmitinhaber Berg, der immerhin Erfolge wie den oscarprämierten Spielfilm „Das Leben der Anderen“ oder die von der Kritik hochgelobten Sky-Serien „Der Pass“ und „4 Blocks“ vorzuweisen hat, ist gerade dieser Serienerfolg etwas ganz Besonderes: „‚Dark‘ ist ein Meilenstein, vor allem aber eine enorme Leistung von Drehbuchautorin Jantje Friese und Regisseur Baran bo Odar, die diese Serie erfunden und gemacht haben“, sagte Berg der Süddeutschen Zeitung. „Wir sind mit der Hoffnung gestartet, dass es in Deutschland ein Erfolg wird. Dann haben aber international sogar zehnmal so viele Leute die Serie gesehen wie in Deutschland. ‚Dark‘ ist zu einem globalen Phänomen geworden.“ In der Tat: Laut Netflix-Angaben kamen 93 Prozent der Zuschauer aus anderen Ländern als aus Deutschland. Vor allem in Lateinamerika hat die Serie Kultstatus und manche Fans machen sich sogar auf den Weg nach Deutschland, um die Drehorte aufzusuchen.

Streaming ermöglicht neue kreative Möglichkeiten

Ebenfalls in München ansässig ist die Bavaria Fiction GmbH. Sie hat Erfolge wie die in über 100 Länder beziehungsweise Territorien verkaufte und hierzulande bei Sky laufende Serienfortsetzung von „Das Boot“ oder die für Netflix und ORF erstellte Mysteryserie „Freud“ vorzuweisen. Für Oliver Vogel, Chief Creative Officer bei Bavaria Fiction, bietet die Zusammenarbeit mit Netflix und Sky neue kreative Möglichkeiten: „Globale Streaminganbieter und Pay-TV-Sender erweitern die Bandbreite des fiktionalen Erzählens. Im Vergleich zu den klassischen Fernsehsendern sind sie weniger quotengetrieben und daher eher bereit, Programme, die ein Nischenpublikum ansprechen, zu finanzieren“, sagt Vogel. Und er ergänzt: „Ebenso sind die Sendelängen weniger rigoros, was mehr künstlerische Freiheit in der Buchentwicklung ermöglicht – diese Freiheit haben wir uns auch mit Sky bei der Entwicklung von ‚Das Boot‘ zunutze gemacht.“

Das unter Serienzuschauern als verstaubt geltende öffentlich-rechtliche Fernsehen schreibt Oliver Vogel jedoch nicht ab: „Unser Kerngeschäft ist nach wie vor die Auftragsproduktion für öffentlich-rechtliche Sender“, betont er. „Aus unserer Perspektive befruchten sich lineares Fernsehen und Streamingdienste gegenseitig. Wir sind Geschichtenerzähler: Als Produzenten entwickeln und produzieren wir fiktionalen Content für jedes Genre, in jedem Format und für jeden Auftraggeber.“

Interview

Mehr Mut und Individualität

Elke Walthelm, Executive Vice President Content bei Sky Deutschland, brachte „Babylon Berlin“, „Das Boot“ und „Der Pass“ zu Sky Deutschland. Im Interview spricht sie über die neue deutsche Serienvielfalt, das Verhältnis von linearem TV zum Streaming sowie über künftige Serienpläne.

Foto: Sky/Philipp Rathmer

Hier geht’s zum Interview.

Interview

Innovative Formate gibt es nicht nur bei Netflix

Der Regensburger Medienwissenschaftler Dr. Herbert Schwaab spricht im Interview über den „Peak TV“, die durch Netflix und Co. entfachte Entertainmentrevolution – und das aus seiner Sicht unterschätzte öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Foto: Schwaab

Hier geht’s zum Interview.