Förderung
12. April 2021 6:05  Uhr

Sichtbar bleiben lohnt sich auch in der Krise

Die Überbrückungshilfe III zeichnen einige Neuerungen aus, von denen die Wirtschaft profitieren kann. Unter anderem werden Marketing- und Werbekosten gefördert. Für Freiberufler und Soloselbstständige gibt es eine „Neustarthilfe“.

Marketing- und Werbekosten werden im Rahmen der Überbrückungshilfe III gefördert. | Foto: MIND AND I – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG. Nur 6 Prozent der Verbraucher sind der Meinung, dass Marken und Unternehmen in der Coronakrise weniger werben sollten. Das ergab das Covid-19-Barometer des Data-Science-Unternehmens Kantar im ersten Lockdown, in dem 25.000 Verbraucher in 30 Ländern zu ihrem Medienkonsum befragt wurden. Vor allem jüngere Verbraucher legen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch, sich wieder verstärkt regional zu orientieren. Das ist eine Chance für Unternehmen, den eigenen Auftritt nach außen neu zu definieren. Aber wer hat im Moment überhaupt Werbebudget? Hier kommt eine gute Nachricht von der Regierung in Form der Überbrückungshilfe III. Sie fördert unter anderem Marketing- und Werbekosten in Höhe der entsprechenden Ausgaben aus dem Jahr 2019.

Neustarthilfe für Freiberufler

Ein Novum bei der Überbrückungshilfe III betrifft eine Gruppe, die seit Beginn der Krise besonders gebeutelt ist: Die Soloselbstständigen und Angehörigen der freien Berufe sind diesmal explizit als antragsberechtigt genannt. Weil diese Gruppe meist kaum laufende Betriebskosten hat, kann die sogenannte „Neustarthilfe“ interessanter sein, ein pauschaler Betriebskostenzuschuss auf Grundlage eines Referenzumsatzes.

Bekommen kann sie, wer 2019 sein Einkommen zu mindestens 51 Prozent aus selbstständiger Tätigkeit erzielt hat. Die Neustarthilfe wird weder auf die Grundsicherung angerechnet noch bei der Berechnung der Kinderzulage herangezogen, unterliegt aber, wie die Überbrückungshilfe III, der Steuerpflicht. Und: Wer Neustarthilfe beantragt, kann das Überbrückungsgeld III nicht noch zusätzlich in Anspruch nehmen.

Einige Neuerungen bei den neuen Hilfen

Im Vergleich zu früheren Überbrückungshilfen berücksichtigt die Version III manches neu. So etwa Provisionen, die Reisebüros und -veranstalter wegen coronabedingter Stornierungen zurückzahlen mussten. Diese Berücksichtigung ist nicht auf Pauschalreisen begrenzt. Kultur- und Veranstaltungsunternehmen können für den Zeitraum März bis Dezember 2020 interne und externe Ausfallkosten geltend machen.

Aufpassen müssen Unternehmensverbünde, denn sie werden bei der Überbrückungshilfe III als ein Unternehmen behandelt. Das bezieht sich auf Umsatzrückgänge, die Erstattungsgrundlagen sowie die maximale Förderhöhe. Im konkreten Fall schmälert das die förderfähige Höhe der Betriebskosten. Ein Beispiel: Vermietet ein Unternehmer im Rahmen einer Betriebsspaltung eine Halle an seine eigene GmbH, zählen die Mietkosten nicht zu den förderfähigen Betriebskosten.

Zuschuss für prüfende Dritte

Es gibt gute Gründe dafür, dass auch die Antragstellung beim Überbrückungsgeld III über sogenannte „prüfende Dritte“ erfolgen muss. „Das Thema ist extrem komplex“, sagt Diplom-Finanzwirt Matthias Winkler, Steuerberater und Geschäftsführer bei der Steuerberatungsgesellschaft WW+KN in Regensburg. Selbst für Experten wie die Steuerkanzleien ist die neue Coronahilfe eine Herausforderung: „Die Antragsbedingungen können sich während der Erarbeitungsphase für den Antrag mehrmals ändern. Das führt zu einem hohen Überwachungs- und Kontrollaufwand, den das betroffene Unternehmen gar nicht selbst leisten kann.“ Die Kosten für prüfende Dritte sind im Rahmen der Überbrückungshilfe III übrigens ebenfalls förderfähig.

Überbrückungshilfe III

Antragsberechtigt sind Unternehmen, Soloselbstständige und Freiberufler aller Branchen mit einem Jahresumsatz bis zu 750 Millionen Euro. Voraussetzung sind coronabedingte Umsatzeinbrüche von mindestens 30 Prozent in jedem Monat, für den der Fixkostenzuschuss beantragt wird. Maßgeblich für den Vergleich ist der Referenzmonat im Jahr 2019. Die Antragsfrist endet am 31. August 2021. Zu beachten ist: Die Antragsbedingungen können sich ändern. Aktuelle Informationen sind verfügbar auf www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de.