Gesellschaft
26. Juni 2020 11:53  Uhr

„Silber“ ist die neue Leitfarbe

In den „neuen Zwanzigern“ werden die Folgen einer immer älter werdenden Gesellschaft erstmals vollumfassend spürbar sein.

In den „neuen Zwanzigern“ erwartet uns eine „Silver Society“, in der mehrheitlich die Älteren den Ton angeben werden. | Foto: zinkevych – adobe.stock.com

Von Stefan Ahrens

REGENSBURG. „I hope I die before I get old“ – so sangen The Who Mitte der 1960er-Jahre in ihrem Rockklassiker „My Generation“. Angesichts der Haltung, die hinter diesen Liedzeilen steht, scheint es umso ironischer, dass ausgerechnet genau die von Roger Daltrey und Co. damals angesungene Generation mehr als 50 Jahre später nicht nur mehrheitlich quicklebendig und putzmunter erscheint, sondern vielmehr in der kommenden Dekade endgültig ins Ruhestandalter eintritt. Bis zum Jahr 2030 wird die hierzulande bevölkerungsreichste Generation der Babyboomer – also die Geburtenjahrgänge 1946 bis 1964 – vollständig in Rente gegangen sein – und dem Arbeitsmarkt als Arbeits- und Fachkräfte millionenfach fehlen. Die Tatsache, dass die Menschen immer älter werden, tut ihr Übriges, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer mehr Rentner immer weniger Erwerbstätigen gegenüberstehen: Eine „Silver Society“, in der mehrheitlich die Älteren den Ton angeben, steht bevor.

Die Folgen dieser Entwicklung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liegen auf der Hand: Ruheständler werden in den „neuen Zwanzigern“ bei Wahlen und Abstimmungen nicht nur rein zahlenmäßig immer mehr Gewicht bekommen, was dazu führt, dass Politiker aller Parteien sich intensiver als bislang um die ältere Generation als Wählergruppe bemühen werden. Es ist auch zu erwarten, dass die Interessen und Ansichten der Älteren in politischen Debatten und in Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung dominieren. Dies kann positive und negative Folgen haben: Auf der einen Seite können die Lebenserfahrung und das über Jahrzehnte erworbene Wissen der älteren Generation einem Gemeinwesen Stabilität verleihen und dazu beitragen, überhitzte Entscheidungen zu vermeiden. Auf der anderen Seite steht es um die Innovationskraft einer immer älter werdenden Gesellschaft, der es an jüngeren, zum Querdenken neigenden Menschen fehlt, oft nicht zum Besten.

Auch ökonomische und soziale Fragen wie die Finanzierung des Gesundheits- und Rentensystems angesichts immer weniger Beitragszahler dürften in den „neuen Zwanzigern“ immer drängender werden. Die alles entscheidende Frage aber wird lauten: Wie kann ein menschenwürdiges Leben angesichts langfristig sinkender Renten und drohender Altersarmut auch im Alter garantiert werden, ohne dass es zu einem Generationen- und Interessenkonflikt zwischen Jung und Alt kommt?

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