Modebranche
25. Januar 2021 6:15  Uhr

Slow Fashion ist gut für Mensch und Natur

Nicht nur Äpfel, auch T-Shirts können biologisch produziert sein. Lokale Hersteller und Händler greifen den Nachhaltigkeitstrend auf. Dabei hat die Modebranche einiges aufzuholen.

Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Kleidungssiegel. Es bietet Verbrauchern Orientierung, die beim Kauf auf soziale und ökologische Herstellungskriterien achten möchten. Foto: BMZ

Von Julia Kellner

OSTBAYERN. Wissen, wo es herkommt, ob es biologisch angebaut oder artgerecht gehalten wurde: Dieser Informationshunger, bei Lebensmitteln längst Realität, scheint in der Modewelt noch nicht angekommen. Kleidung ist Massenware, ständig gibt es neue Kollektionen. Fast Fashion setzt auf Billigware, doch die hat ihren Preis – für Mensch und Umwelt. Spätestens seit Greta Thunbergs „Fridays for Future“ ist Nachhaltigkeit jedoch in aller Munde.

Kleidung darf kein Wegwerfprodukt sein

„Es ist eindeutig ein Umdenken zu spüren: Nicht nur junge Leute, auch viele Familien und ältere Menschen wollen nun nachhaltige Kleidung – ein Trend, der einige neue Modelabels geschaffen hat“, sagt Micheala Gielgen. In ihrem Laden Ludwig3 in der Regensburger Altstadt bietet sie seit elf Jahren ökologische Produkte an. Gielgen hat den Anspruch, dass die Textilien in ihrem Geschäft nicht nur unter fairen und umweltschonenden Bedingungen gefertigt und gehandelt wurden, sondern auch langlebig sind. „Kleidung darf kein Wegwerfprodukt sein. Auch, wenn es uns die großen Textilkonzerne mit T-Shirts für drei Euro so vormachen wollen.“

Mode von lokalen Marken

Auf Slow Fashion, den bewussten Konsum, setzt auch das Start-up Labelbird. Für die Jungunternehmer Robert Weckerling und Corbinian Kempf bedeutet Nachhaltigkeit vor allem auch Regionalität. In ihrem Onlineshop, der aus einem Hochschulwettbewerb der Regensburger Universität entstanden ist, gibt es Mode von lokalen Marken von Kufstein bis Kiel. „Wir wollen das Zalando für kleine Designer sein“, sagt Weckerling. Weil Gütesiegel für junge Designer oft zu teuer sind, hat das achtköpfige Labelbird-Team eigene Nachhaltigkeitskriterien zu Materialien und Herstellung definiert. Zwar seien die Artikel in der Region entscheidend veredelt, die Stoffe kämen aber zumeist aus Italien oder Portugal.

Dabei ist der Onlinehandel mit seinen langen Transportwegen und hohen Retourenquoten eigentlich alles andere als nachhaltig. „Doch dank guter Produktbeschreibungen, genauer Größenangaben und einem Bonusprogramm für nicht zurückgesendete Ware haben wir eine Retourenquote von unter einem Prozent“, sagt Kempf. Auch die Einstellung ihrer Kunden spiegle sich hier wider: Sie wollten bewusst einkaufen.

Nachhaltigkeit wird zunehmend nachgefragt

Auch die großen Textilunternehmen haben diese Zielgruppe für sich entdeckt. „Bei einer Umfrage der Fachzeitung Textilwirtschaft bejahten 57 Prozent der befragten Händler, dass Nachhaltigkeit bei den Kunden ein Verkaufsargument ist“, sagt Eveline Schönleber. Seit 1997 ist sie Geschäftsführerin der MAC Mode GmbH und Co. KGaA in Rossbach in der Gemeinde Wald. Anders als manche Textilkonzerne, denen oft Greenwashing vorgeworfen wird, gehe sie es ganzheitlich an: Für den Oberpfälzer Jeanshersteller sei Nachhaltigkeit seit jeher Teil der Unternehmensphilosophie. Vom Garn bis zum Knopf wisse man, woher die Materialien wie Organic Cotton oder recyceltes Leder kämen, wie und wo sie verarbeitet würden, so Schönleber weiter.

Branche mit großem Potenzial

Dennoch lohnt ein genauer Blick: Für Jeans aus Biobaumwolle sind oft mehrere 10 000 Liter Wasser nötig. „Durch einen neuen Maschinenpark, innovative Ozon- und Lasertechnik sowie wiederverwendetes Wasser konnten wir den Verbrauch deutlich reduzieren“, sagt Schönleber. Zudem werde ausschließlich nachhaltige Baumwolle verarbeitet, für deren Anbau weniger Wasser nötig sei. Wie Michaela Gielgen findet, steckt in der Branche noch großes Potenzial: „Dass es in einer Stadt wie Regensburg kaum Händler für nachhaltige Mode gibt, ist ein Armutszeugnis“, meint sie.

Interview

Ein Ledergürtel, der zum Erbstück wird

Jonas Mumm und Christoph Mandl (v. li.), Gründer und Inhaber von Thann Lederwaren, setzen in ihrer Werkstatt in Regensburg ausschließlich auf Bioleder. Im Interview erklären sie, warum.

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