Monatssieger November: ROD Motorcycles
3. Dezember 2021 6:08  Uhr

So sieht das Motorrad von morgen aus

Spritziger Fahrspaß und rollender Energiespeicher auf zwei Rädern: ROD Motorcycles aus Roding bringt Deutschlands erstes Elektromotorrad zur Serienreife.

Das Entwicklerteam des ersten vollelektrischen Motorrads in Deutschland: Christian Daschner, Andreas Braun und Alex Pohl (v. li.). Foto: Alex Pohl

Von Stefanie Decker

RODING. Ein Motorrad ist Emotion in ihrer reinsten Form. Niemand braucht es. Unzählige lieben es. „Ein reines Spaßfahrzeug“, sagt Christian Daschner, Geschäftsführer der db-matik AG aus Roding und selbst passionierter Biker. Genau hier setzt seine Innovation an: Gerade weil ein Motorrad als Hobbyobjekt viel Zeit in Garagen verbringt, ist es prädestiniert für eine zusätzliche Aufgabe. Es wird zum Stromspeicher – und zwar ohne dabei an Emotion einzubüßen. Im Gegenteil.

Aber beginnen wir von vorne: Motorradfahrer lieben das Gefühl der Freiheit, das Dröhnen, Knattern oder Blubbern und das Schrauben an ihrem Bike. Doch in den letzten Jahren hat sich vieles geändert: Was ist Freiheit bei steil steigenden Spritpreisen noch wert? Welche Routen müssen Biker nehmen, wenn Lärmblitzer flächendeckend zum Einsatz kommen und viele Strecken für Verbrenner gesperrt werden? Und wer aus der jungen Generation kann heute noch schrauben?

Pionier in einer neuen Ära

„Wir sind dabei, uns von einer Nation der Schrauber zu einer Softwarenation zu entwickeln“, sagt Andreas Braun. Er ist gemeinsam mit Christian Daschner und Alex Pohl Geschäftsführer der ROD Motorcycles, die aus der db-matik AG heraus gegründet wurde. Elektroautos sind heute nicht mehr wegzudenken. Aber kann ein Elektroantrieb auch bei einem Motorrad funktionieren? Das Trio wusste schon vor ein paar Jahren die Antwort: Ja – wenn man es richtig angeht. Große Unternehmen wie Motorrad-Primus BMW haben sich damals nicht an diese Aufgabe herangetraut. Elektroautos und -roller haben sie mittlerweile alle im Programm. Aber ein batteriebetriebenes Motorrad, das klang zu sehr nach einem ungewollten Kompromiss. Nicht in den Augen von ROD Motorcycles. Das junge Unternehmen ist zum Pionier für eine neue Ära geworden. Entstanden ist ein Fahrzeug, das schon für sein Carbondesign die ersten Preise abräumen könnte.

Aufregendes Innenleben

Aber viel aufregender ist sein Innenleben: Mit einem Gewicht von unter 200 Kilogramm erreicht es ein maximales Drehmoment von 250 Nm und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bei einer permanenten Leistung von 150 PS. Und das alles mit einer 20k-High-Performance-Batterie, die eine urbane Reichweite von 400 Kilometern möglich macht. Wenn man sie nicht gerade fürs Cruisen benötigt, dient sie als wertvoller Stromspeicher für das eigene Zuhause und kann ein Einfamilienhaus bis zu zwei Tage mit Energie versorgen. Mehr noch: Theoretisch lässt sich alles, was Strom benötigt, damit betreiben. Sogar ein Laden von Bike zu Bike ist problemlos möglich. „Mit dem bidirektionalen Laden leisten wir einen großen Beitrag zur Energiewende“, sagt Christian Daschner. Noch sei es exotisch, aber er ist überzeugt, dass die Entwicklung weiter in diese Richtung gehen müsse.

Serienreife kommt 2022

Vorgestellt wurde der Prototyp auf der Internationalen Motorrad Ausstellung (IMOT) vor zwei Jahren – und schlug ein wie eine Bombe. „Wenn man es mal gefahren ist, will man nie wieder ein normales Motorrad fahren“, fasst Andreas Braun das Feedback der Messe zusammen. Nächstes Jahr wird das Fahrzeug als erstes E-Motorrad in Deutschland seine Serienreife erlangen und als ROD1 in einer limitierten Founder’s Edition von 100 Stück aus Vollcarbon an den Start gehen. Danach sollen die Stückzahlen stetig erhöht werden. Vor der Serienreife aber wird akribisch an der Qualität gefeilt. „Unser Produkt muss und wird technologisch absolut führend sein“, sagt Braun. Und Christian Daschner ergänzt: „Das Besondere an unserer Entwicklung ist, dass weiterhin der Spaß am Fahren im Vordergrund steht. Wir haben ihn sogar noch weiter verbessert.“

Als Spezialist in der Automatisierungstechnologie besitzt die db-matik AG mit ihren 110 Mitarbeitern das Know-how, um ein solches Projekt zu entwickeln. Unterstützt wird das Ganze mit der innovativen Antriebstechnologie eines argentinischen Herstellers, mit dem das Unternehmen schon vor Jahren erste Kontakte geknüpft hat.

Und die Motorradindustrie? Die zieht nun langsam nach. Aber ROD Motorcycles hat jetzt schon einen beachtlichen Vorsprung – weil man seine Entwicklung nicht nur liebt, sondern auch braucht.