Markt
22. Juni 2022 6:02  Uhr

Sparsamer als seinerzeit die Mönche

Mit der Einweihung der Biogasanlage hat die Karmeliten Brauerei Straubing ein Meilensteinprojekt, das in über sechs Jahren realisiert wurde, abgeschlossen: die energieautarke Brauerei.

Mit einer Schneelanze künstlich erzeugter Schnee wird in einem in der Erde ausgelassenen Tank gespeichert. Die Naturkälte eines halben Kubikmeters Schnee hat das Kältepotenzial für die Herstellung eines Hektoliters Bier. Foto: Manfred Bernhard

Von Robert Torunsky

STRAUBING. Aus den ersten Überlegungen zu einem neuen Sudhaus im Jahre 2011 entstand das einzigartige Konzept der energieautarken Brauerei. Mit dem im März 2013 fertiggestellten, von der schwäbischen Ziemann Holvrieka GmbH konzipierten neuen Sudhaus in Kaskadenbauweise sparte die Karmeliten Brauerei Karl Sturm GmbH & CO KG rund 17 Prozent Strom ein, da weniger Pumpenergie nötig war. Gleichzeitig wurde bei der Wärmeproduktion durch Rückgewinnung der Gasverbrauch um 25 Prozent gesenkt. „Das hat uns extrem motiviert, weitere Einsparpotenziale ausfindig zu machen und Klaus Wasmuht von Ziemann hat überlegt, was sonst noch so geht“, blickt Brauereidirektor Christoph Kämpf auf die Anfänge zurück.

Skizze auf einer Serviette

Bei „ein oder zwei Bier“ hätte Wasmuht damals auf einer Serviette das Konzept der energieautarken Brauerei aufgezeichnet und es vier Wochen später als ausgearbeiteten Plan vorgestellt. „Der Nutzen liegt in dem weitgehenden Verzicht auf fossile Primärenergie, in der Einsparung von CO2-Emissionen und Trinkwasser, der Reduktion von Abwassern in der Integration von regenerativen Energien und der effizienten Ausnutzung der Rohstoffe im Herstellungsprozess“, hatte der Ziemann-Cheftechnologe Wasmuht damals erklärt. Die Mönche, die die Anfänge der Brauerei vor über 650 Jahren begründeten, hatten mit ihrer Kaskadenbauweise, die als Vorbild für das viele Jahrhunderte später entstandene Sudhaus diente, schon Energie und Arbeitskraft eingespart. Auf dieses Karmelitenerbe wurde sich rückbesonnen. „Wir möchten möglichst viel Energie auf unserem Grundstück gewinnen und diese mehrfach einsetzen“, fasst Kämpf das modulare Konzept zusammen.

Beeindruckend kleiner CO2-Fußabdruck

Bis die Umsetzung der energieautarken Brauerei starten konnte, dauerte es bis Ende 2015, dann war der Förderbescheid aus dem Umweltinnovationsprogramm zugestellt. 2016 wurde auf eine Propangaskälteanlage umgerüstet sowie Eisspeicher installiert. Ferner folgten die Schneelanze „Ice Age“ und der „Absorber“, der 95 Grad Wärme in Minus 5 Grad Kälte umwandeln kann. Ein neuer Heizkessel und eine Mikrogasturbine zur Stromgewinnung kamen hinzu. Die konsequente Umsetzung – der ökologische Fußabdruck bei der Produktion von 200 Kisten Karmeliten-Bier ist der einer Kiste anderer Brauereien – überzeugte auch die Jury des Innovationspreises der Wirtschaftszeitung, die die Karmeliten-Brauerei zum Monatssieger März 2018 kürte.

Donaustrom und Biogas

Als Nächstes folgte der Einbau zweier neuer Mikrogasturbinen und die Umstellung der externen Energie auf „Donau-Strom“ der Stadtwerke Straubing, der im örtlichen Wasserkraftwerk entsteht. Corona verzögerte dann die Inbetriebnahme der Biogasanlage, die schließlich Anfang Mai 2022 feierlich eingeweiht wurde und den Abschluss des Projektes energieautarke Brauerei bildete. Beim Festakt würdigten nicht nur Lokalpolitiker die unternehmerische Weitsicht der Karmeliten Brauerei: Prof. Dr. Winfried Ruß, Professor für Apparate- und Anlagetechnik in der Getränkeindustrie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf verneigte sich vor dem „energetischen Gesamtkunstwerk“, das zuvor noch keiner angepackt hätte. Dass mit dem gleichen Energieaufwand nun drei statt einem Bier gebraut werden könnten, sei bemerkenswert. Brauereidirektor Kämpf verriet, dass an dem ganzheitlichen System weiter gefeilt werden würde. Es existierten schon Gedankenspiele über eine Windehelix auf dem Malzturm und der Rohstoffoptimierung in der Brauerei.