Healthcare
27. November 2020 6:05  Uhr

Speerspitze gegen das Coronavirus

Der Kampf gegen die Pandemie ist eine Herausforderung, der sich auch die Medizin- und die Biotechbranche in Ostbayern stellen. Die Region liefert zahlreiche Mosaiksteine zur Pandemiebekämpfung.

Ob Impfstoffe, Desinfektion oder neue Therapien: Auch Ostbayern erforscht und entwickelt Lösungen gegen Covid-19. | Foto: Eisenhans – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG/PASSAU/MITTERTEICH. Über 90 Prozent Impfschutzwirkung gegen Covid-19 – mit dieser positiven Nachricht kamen die Mainzer Firma Biontech und das Pharmaunternehmen Pfizer Anfang November gerade recht im neuerlichen Corona-Lockdown. Inzwischen hat der US-Pharmakonzern Moderna nachgelegt. Auch hier spricht man von mehr als 90 Prozent Wirksamkeit.

Dass schneller als von vielen erwartet gerade aus Deutschland die erste Erfolgsmeldung zur Covid-19-Impfung kam – daran haben auch ostbayerische Unternehmen einen Anteil, wie zum Beispiel das Biotechnologieunternehmen Thermo Fisher Scientific Geneart aus Regensburg. Bereits seit Anfang des Jahres liefert das Unternehmen an Forscher weltweit künstliche Sars-CoV-2-Gene. Das Material wird getrocknet im Paket verschickt. Durch Hinzufügen von Wasser können die Wissenschaftler vor Ort damit an Impfstoffszenarien arbeiten, ohne Viren selbst züchten zu müssen.

Impulse aus der Biotechnolgie

„Der Kampf gegen Covid-19 ist ganz klar eine interdisziplinäre Herausforderung“, sagt Marcus Graf, Geschäftsführer und Regensburger Standortleiter von Thermo Fisher Scientific Geneart. Pharma Stulln aus Stulln im Landkreis Schwandorf könnte ebenfalls zum Helfer in der Coronapandemie werden: Das Unternehmen prüft gerade die Möglichkeit, den Coronaimpfstoff in seinen Anlagen steril abzufüllen. Dabei ist ein Impfstoff nur eine der Waffen gegen Covid-19, die unter anderem in Ostbayerns Firmen geschmiedet werden. Spezialglas aus Mitterteich, ein virales Transportsystem aus dem Landkreis Passau, innovative antivirale Oberflächenversiegelung, ein Viren-Luftreiniger und ein Antigen-Schnelltest aus Regensburg – die Region liefert zahlreiche Mosaiksteine zur Pandemiebekämpfung.

Biopark als Entwicklungsnährboden

Speziell der Biopark Regensburg ist zu einem Nährboden für Entwicklungen im Kampf gegen Corona geworden. So hat sich beispielsweise die Firma Davids Biotechnologie GmbH auf die Herstellung von Antikörpern spezialisiert, die Unternehmen weltweit für die Entwicklung diagnostischer Virentests nutzen. Innovative Plasmatechnologie zur Desinfektion von Oberflächen ist das Gebiet der Regensburger Firma Relyon Plasma GmbH. Die RAS AG, ebenfalls aus Regensburg, hat eine weltweit zugelassene neue Generation von Nanosilber-Additiven entwickelt, die gegen Viren eingesetzt wird.

Neue Therapielösungen

Neben der Impfstoff- und Desinfektionsforschung sind ostbayerische Firmen aber auch an der Entwicklung von Therapielösungen beteiligt. Zur Bioregio Regensburg gehören zum Beispiel die beiden Marktredwitzer Unternehmen CFM Oskar Tropitzsch GmbH und die Iris Biotech GmbH. Sie arbeiten gemeinsam an der Erforschung eines neuen antiviralen Wirkstoffs gegen Sars-Viren.

Aber auch Agilität und Kooperation sind Wirkstoffe, die den Kampf gegen Corona weiterbringen können. Ein Beispiel dafür ist die aus dem Biopark Regensburg entstandene Initiative Healthcare. Sie rückte schon vor Corona Themen der Gesundheitswirtschaft in den Fokus und hat ihren ersten „Innovationstag Hygiene“ Anfang des Jahres unter anderem dem Coronavirus gewidmet, das damals gerade auf dem Sprung zu einer globalen Pandemie war.

Kooperative Forschung

Im Oktober vermeldete schließlich das Universitätsklinikum Regensburg seine Beteiligung am bundesweiten Corona-Forschungsnetzwerk „Netzwerk Universitätsmedizin“. In dieses werden fünf Pilotprojekte aus Regensburg eingebracht: „AKTIN-EVZ“ will ein bestehendes Notaufnahmeregister zu einer Echtzeitinfrastruktur ausbauen. Hinter „Defeat Pandemics“ steht ein Obduktionsnetzwerk und „Racoon“ bringt radiologische Kompetenzen mit ein. Die Forschungsdatenplattform „FoDaPI“ soll dazu dienen, bundesweit medizinische Daten gesichert zusammenzuführen, um im Falle von Pandemien auf diese zurückgreifen zu können. Eine erste Umsetzung der „FoDaPl“ stellt „NAPKON“ dar – ebenfalls ein Pilotprojekt innerhalb des Forschungsnetzwerks. Es ermöglicht, Daten und Bioproben von Patienten mit Sars-CoV-2-Infektion einheitlich zu erfassen, nachzuverfolgen und auszuwerten.

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Mit vereinten Kräften gegen das Virus

In Ostbayern gibt es eine Reihe innovativer Ansätze zum Kampf gegen Sars-CoV-2 und Covid-19. In unserem Schwerpunkt haben wir sechs Beispiele näher beleuchtet.

Foto: taidundua – stock.adobe.com

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