Innovationspreis: Monatssieger Februar
3. März 2022 5:55  Uhr

Spielerisch das Gehirn boostern

Mit dem Simulator „Cogsim 360°“ können die kognitiven Fähigkeiten des Menschen mithilfe einer Testbatterie in Spieleform gemessen und verbessert werden. Die Einsatzgebiete erstrecken sich vom Beruf bis zur Rehabilitation.

Houshang Ebrahimi Manie (li.), Kigon GmbH, und Sebastian Götz, Prokurist der EM Products, vor dem Cogsim 360°: Die Außenfläche des Hightechsimulators lässt sich ganz individuell gestalten. | Foto: Robert Torunsky

Von Robert Torunsky

KELHEIM/NEUSTADT AN DER DONAU. Die kognitiven Fähigkeiten des Menschen beschreiben seine Fähigkeit, Signale aus der Umwelt wahrzunehmen und weiterzuverarbeiten. Durch geeignete Maßnahmen und Strategien lassen sich kognitive Fähigkeiten trainieren, verbessern und gezielt für den Erhalt sowie den Aufbau der eigenen Leistungsfähigkeit nutzen. Die Kigon GmbH aus Kelheim hat unter der Federführung der beiden Inhaber Houshang Ebrahimi Manie und Hamed Heravi mit Cogsim 360° einen Simulator entwickelt, der dazu dient, die kognitiven Fähigkeiten zu verstehen und zu verbessern. Dazu zählen unter anderem visuelles Scannen, Raumwahrnehmung, fokussierte Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Hörwahrnehmung sowie die Hand-Augen-Koordination.

Begehbarer Zylinder

Die Entwickler bezeichnen die fortschrittliche Hightechinstallation als „Brain-Boosting-Anlage“. Der begehbare Simulator mit einem Durchmesser von sechs Metern und einer zweieinhalb Meter hohen Projektionsfläche ist ein vollständig geschlossener Zylinder: Auf über 40 Quadratmetern projizierter, gewölbter Bildschirmfläche taucht man in eine 360-Grad-Umgebung ein, die die Bedingungen in der realen Welt simuliert. Laut Ebrahimi Manie erwartet den Probanden im Zylinder „ein kognitives Erlebnis der nächsten Stufe“. Und auch jede Menge Spaß: Die Testbatterie umfasst sechs grundverschiedene Spiele, 18 Level und unendlich viele Möglichkeiten. So können die mit Handheld-Controllern gesteuerten Spiele auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Personen angepasst werden. Geschwindigkeit, Farben, Trefferfläche, Richtung und die Dauer können beispielsweise verändert werden.

„Dank der in hohem Maße kontrollierbaren Trainingsbedingungen können Nutzer entweder vorgegebenen Verfahren folgen oder auch die Parameter ändern, um ständig neue Möglichkeiten zu erkunden“, sagt Ebrahimi Manie. Deshalb sei der Simulator, der sich leicht über ein Tablet oder einen Desktop bedienen lässt, für alle Altersgruppen und Niveaus geeignet. „Das Training eignet sich für Jung, Alt und auch Spitzensportler, da man Fähigkeiten aufbauen, die geistige Frische erhalten und sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann“, erklärt Ebrahimi Manie. Die Verbesserungen sind nachvollziehbar: Trotz der unendlichen Individualisierungsmöglichkeiten sorgt die kontinuierliche Dokumentation der Trainingsergebnisse für einen transparenten Vergleich der Fähigkeiten, beispielsweise innerhalb der Mitglieder einer professionellen Sportmannschaft, und der Entwicklung des einzelnen Nutzers. So können Schwächen systematisch ermittelt, bekämpft und mit der nötigen Übung später optimale Ergebnisse erzielt werden. „Das interaktive Training motiviert und erzeugt einen positiven Druck in Bezug auf die persönliche Leistung und die Einhaltung von Trainingsprogrammen“, zielt Chefentwickler Hamed Heravi auf den Antrieb der Nutzer ab, einen persönlichen Bestwert zu erzielen.

Talentsuche-App gab Anstoß

Bei der mehrjährigen Entwicklung kamen dem Projekt die unterschiedlichen Kompetenzen der Unternehmen zugute: Während Kigon im Bereich der Entwicklung und des Vertriebs eigener KI-gesteuerter Softwareanwendungen und Produkte tätig ist, hat sich Projektpartner EM Products aus Neustadt der Fertigung und Entwicklung von elektronischen Baugruppen verschrieben. Die niederbayerische Kooperation aus dem Landkreis Kelheim arbeitet in den Bereichen Produktion und Marketing zusammen. „Ausgehend von unserem vorherigen Projekt Aigon, einer KI-basierten App zur Talentsuche im Fußball, die die körperlichen Fähigkeiten der Spieler analysiert, wurde uns bewusst, dass auch kognitive Fähigkeiten trainier- und messbar sein sollten. Daraus entstand das Projekt Cogsim 360°“, berichtet Heravi von der ersten Idee.

Das Einsatzgebiet des Simulators ist aufgrund der hohen Individualisierbarkeit der Programme breit gefächert. Typische Anwendungen finden sich im Training für nahezu alle Sportarten, im Rehabilitationsbereich, sowohl prophylaktisch als auch zur Behandlung von kognitiven Störungen, sowie in Berufen, in denen ein hohes Maß an kognitiven Fähigkeiten erforderlich ist. Beispielsweise sei für Polizisten ein spezifisches Training für den Einsatz unersetzlich. Sollte bei einem Beamten eine einzelne kognitive Fähigkeit unterentwickelt sein, könne diese Schwäche mit einer intensiven Problembehandlung behoben werden. „Unsere Spiele zielen auf die Erfassung und die schnelle Einschätzung der Umgebung ab – das gehört zu den Grundqualifikationen eines Polizisten“, sagt Houshang Ebrahimi Manie. Auch das Militär, Reha- und Schulungszentren können mit einem eigenen Simulator die kognitiven Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter, Patienten und Schüler messen und verbessern. Kigon arbeitet bereits an einer größeren KI-basierten Ausführung des Cogsim 360°.